Universitätskinderspital beider Basel (UKBB): Die katholische Landeskirche Baselland steht im Clinch mit der Spitalleitung um die Dotierung der Spitalseelsorge. | © Christian von Arx
03.12.2019 – Aktuell

Katholische Landeskirche Baselland macht Druck für Seelsorge am Kinderspital

Synode fordert einstimmig mehr Stellenprozente am UKBB

Das Kirchenparlament der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland hat einstimmig einer Verlautbarung zugestimmt, die eine deutliche Stärkung der Seelsorge am Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) verlangt. Die Landeskirche ist zur Finanzierung eines Pensums bereit, die Umsetzung scheiterte bisher an der Haltung der Spitaldirektion.

Seit 2017 hat die Spitalseelsorge am UKBB nur noch ein Pensum von 20 Prozent, ausgeübt von einer reformierten Seelsorgerin. Damit ist die katholische Landeskirche Baselland gar nicht zufrieden. Sie will einen Ausbau der Stellenprozente und auch eine katholische Beteiligung. Das Geld dafür war im Budget 2019 der Landeskirche bewilligt. Doch in Gesprächen des Landeskirchenrats mit der Leitung des UKBB hat sich bisher nichts bewegt, die Spitaldirektion sieht keinen Bedarf.

Nicht zum ersten Mal macht jetzt die Synode, das Kirchenparlament der Baselbieter Katholiken, Druck. An der Synode vom 2. Dezember brachte das Büro der Synode einen Antrag für eine Verlautbarung in dieser Sache ein. Die Möglichkeit zu Stellungnahmen und Verlautbarungen «zu Fragen der Kirche und der Gesellschaft» ist der Synode in der Kirchenverfassung (Art. 20 Abs. 2) ausdrücklich gegeben.

«Wir wollen dem Landeskirchenrat in seinen Bemühungen für eine Stärkung der Spitalseelsorge am UKBB den Rücken stärken», erklärte Synodepräsidentin Béatrix von Sury d’Aspremont. Unter anderem würden heute am Universitätskinderspital in Basel überhaupt keine Gottesdienste abgehalten.

Bedürfnis nicht abgedeckt

Kirchenratspräsident Ivo Corvini hielt fest, der Landeskirchenrat setze sich schon seit bald drei Jahren für eine Erhöhung des Pensums ein, das bis Ende 2016 noch 80 Prozent betragen hatte. Doch dann kündigte das Spital den Vertrag, und seit September 2017 sind nur noch 20 Prozent zugelassen. «Gerade an einem Kinderspital finden wir Spitalseelsorge extrem wichtig», sagte Corvini. Eltern in Krisensituationen möchten einen Ansprechpartner haben. Mit einem Pensum von 20 oder auch 40 Prozent sei dieses Bedürfnis überhaupt nicht abgedeckt. Er verwies auf die Dotation der Spitalseelsorge an den Kinderspitälern in Zürich (über 200 Prozent), Bern (150 Prozent) oder St. Gallen (60 Prozent in einem kleineren Spital als Basel). Er wisse von Abteilungen im UKBB, die eine Erhöhung wünschten.

Spitalseelsorge anzubieten sei ein Auftrag des Kantons an die Landeskirchen, die dafür auch Anteile an den Steuern der juristischen Personen erhielten. Es drohe die Streichung dieser Beiträge, wenn sie diese Leistung nicht erbrächten. Corvini teilte mit, dass die Regierungsräte von Basel-Stadt und Baselland die Spitalseelsorge am UKBB in ihre neue Eignerstrategie aufgenommen hätten, dies in Folge der Gespräche des Landeskirchenrats mit den zuständigen Regierungsmitgliedern.

«Es braucht Präsenz im Spital»

Bischofsvikar Christoph Sterkman ergänzte, an der letzten Besprechung der Spitalleitung mit den Kirchen am 12 November sei eine Evaluation präsentiert worden, wonach die aktuelle Betreuung genüge, doch sei auch ein 20-Prozent-Pensum für die katholische Seelsorge (zusätzlich zum bestehenden reformierten) zugestanden worden. Spitalleitung und reformierte Kirche befürworteten eine «Seelsorge auf Abruf» und wollten keine «aufsuchende Seelsorge» im Spital. Es brauche aber eine gewisse Präsenz, damit die Eltern auf das Angebot aufmerksam würden. Er habe darum ein grösseres Pensum befürwortet.

«Politischer Druck auf Spitalleitung»

In der Debatte meldeten sich ein halbes Dutzend Synodalen zu Wort und unterstützten vehement den Einsatz für eine Verstärkung der Seelsorge am UKBB. Der jetzige Zustand übergehe die Bedürfnisse der «Konsumenten». Da helfe nur politischer Druck. Auf die Frage, wo es denn harze, erklärte Kirchenratspräsident Corvini, die Spitalleitung sei nicht sehr interessiert an der Spitalseelsorge. Für die Erhöhung des Pensums sei die Kirche aber auf die Zusammenarbeit mit dem Spital angewiesen. Zudem finde die römisch-katholische Landeskirche Baselland zu wenig Unterstützung bei den anderen Kirchen beider Basel.

Der vom Büro vorgelegten Verlautbarung stimmten die 76 anwesenden Synodalen einstimmig zu.

Christian von Arx