Einsammeln der Stimmzettel an der römisch-katholischen Synode Basel-Landschaft im Liestaler Landratssaal. | © Christian von Arx
03.12.2019 – Aktuell

Jugend- und Begegnungszentrum Seewen steht zum Verkauf

Landeskirche Baselland will sich vom eigenen Bildungshaus im Schwarzbubenland trennen

Die Trennung von dem 1983 erworbenen Jugend- und Begegnungszentrum (JBZ) Seewen, ein neuer Finanzausgleich und ein ausgeglichenes Budget 2020: Das waren die Schwerpunkte der Synode der Römisch-katholischen Landeskirche Basel-Landschaft vom 2. Dezember.

Das Jugend- und Begegnungszentrum (JBZ) im Ortszentrum von Seewen. | © zVg

In den 1980er-Jahren waren kirchliche Bildungshäuser im Trend. Die Römisch-katholische Landeskirche Baselland kaufte 1983 eine Liegenschaft im Ortszentrum von Seewen im solothurnischen Dorneck. Nach Renovation und Umbau wurde das Jugend- und Begegnungszentrum (JBZ) Seewen 1985 in Betrieb genommen: Als Begegnungs-, Bildungs- und Tagungsort für Jugendgruppen, Pfarrei- und Kirchgemeinderäte, Erwachsenenverbände und Interessengruppen der Kirchen.

Jetzt, nach rund 35 Jahren, will sich die Landeskirche vom JBZ Seewen trennen. Die Gründe: Der Betrieb verursacht ein jährliches Defizit – von 2016 bis 2019 insgesamt rund 45 000 Franken. Und das Interesse kirchlicher oder kirchennaher Nutzer an dem Haus ging stark zurück: Ihr Anteil an der Belegung machte zuletzt noch ein Sechstel aus, am Ertrag gar nur ein Achtel. Als Ursachen werden genannt: Die Lage mitten im Ort, die regelmässig zu Konflikten mit den Anwohnern führt, oder die relativ schwierige Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr. «Es ist ein tolles Haus, aber es steht am falschen Ort», brachte es Martin Kohler, der Verwalter der Landeskirche, auf den Punkt.

Vor diesem Hintergrund hat die Synode dem Antrag des Landeskirchenrates einstimmig zugestimmt, ihn zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem Ziel einer anderen Weiterverwendung oder zu einem Verkauf zu ermächtigen. Der Substanzwert des Hauses wird auf 2,3 Mio. Franken geschätzt, die Ertragswerte lagen allerdings tiefer. Ebenfalls einstimmig akzeptierte die Synode einen Zusatzantrag, wonach der Erlös in den Erwerb einer anderen Liegenschaft oder einer Finanzanlage investiert werden soll, deren Ertrag dann mindestens teilweise für die kirchliche Jugendarbeit zur Verfügung stehen soll.

Endlich ein neuer Finanzausgleich

Ganz ohne Diskussionen genehmigte die Synode ein Geschäft, das für die Kirchgemeinden von grosser Bedeutung ist und für das in den letzten sieben Jahren mehrere Anläufe scheiterten: den neuen Finanzausgleich. Die jetzige Vorlage sei sehr gut vorbereitet, die gesetzten Ziele würden erreicht, hiess es – für Landeskirchenrat Sergio Marelli (Ressort Finanzen) und die Beteiligten gab es Komplimente und Applaus. Wie bisher werden 50 Prozent der vom Kanton an die Landeskirche geleisteten Beiträge an die Kirchgemeinden verteilt. Der neue Finanzausgleich ändert aber die Regeln für die Verteilung: Neu werden nur noch 10 Prozent der Gesamtsumme nach der Anzahl Katholiken verteilt (bisher 20 Prozent), dafür 90 Prozent (bisher 50 Prozent) nach der Steuerkraft. Die bisherigen Sockelbeiträge (30 Prozent) wurden ganz gestrichen. Damit werden die finanziellen Ressourcen der Kirchgemeinden stärker ausgeglichen.

Insgesamt gelangt (Stand 2019) ein Betrag von rund 2,1 Mio. Franken zur Verteilung. Laut dem Bericht des Landeskirchenrates waren die Rückmeldungen der Kirchgemeinden ausschliesslich positiv ausgefallen, obwohl einzelne von ihnen mit dem neuen Modell erhebliche Einbussen erleiden, am meisten Pfeffingen und Schönenbuch. Auch die Synode stimmte nun ohne Gegenstimmen zu. Der neue Finanzausgleich tritt am 1. Januar 2021 in Kraft.

Budget 2020 – Ruhe vor dem Sturm

Das Budget 2020 der Landeskirche ist ausgeglichen, mit Ausgaben und Einnahmen von je rund 10,7 Mio. Franken. Dies, obwohl bei den Steuereinnahmen der juristischen Personen ein Rückgang um 1 Prozent prognostiziert wird und der Kantonsbeitrag aufgrund der leicht abnehmenden Mitgliederzahl um rund 0,5 Prozent tiefer ausfallen wird. Dieses Budget gab nichts zu streiten und wurde einstimmig genehmigt.

Die Steuervorlage 17 habe keine direkten Auswirkungen auf die Einnahmen der Landeskirche im Jahr 2020, sagte Landeskirchenrat Sergio Marelli. Doch die Landeskirche verfolge die Umsetzung und prüfe auch mögliche Anpassungen. Was das im folgenden Jahr heissen könnte, deutete das Votum des Präsidenten der Prüfungskommission, Viktor Lenherr, an: «Das Damoklesschwert ist das Budget 2021. Da werden wir auf die Welt kommen!»

Spanischsprachige Mission

Wie schon die Synode der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt stimmte nun auch die Baselbieter Synode der neuen Vereinbarung für die Spanischsprachige Mission in Basel auf Anfang 2020 zu. Bewilligt sind unverändert 175 Stellenprozente (Obergrenze). Bisher wurden die Kosten hälftig geteilt, neu trägt die Landeskirche Baselland 53,8 Prozent der Kosten, dies aufgrund des Anteils der spanischen und lateinamerikanischen Bevölkerung und des Kostenverteilschlüssels der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ). Neu gilt die Vereinbarung unbefristet.

Die angepasste Vereinbarung wurde bei vier Enthaltungen genehmigt. Felix Terrier von der Pastoralkonferenz kritisierte allerdings, dass darin Basel, Laufen und Oberwil als Gottesdienstorte genannt werden. Denn die Festlegung der Orte, wo Gottesdienste gefeiert werden, sei Sache der pastoralen Seite und nicht der Landeskirchen. Bischofsvikar Christoph Sterkman gab ihm Recht, sprach aber von einem «Schönheitsfehler». Kirchenratspräsident Ivo Corvini sagte, es sei nur darum gegangen, dass spanische Gottesdienste auch in Baselland stattfinden. Da die Synode die ausgehandelte Vereinbarung nicht abändern konnte, wird auf Antrag von Felix Terrier die Interpretation protokollarisch festgehalten, und der Landeskirchenrat verzichtet auf Massnahmen zur Durchsetzung der namentlich genannten Gottesdienstorte.

Neue Gesichter in Synode und Büro

Als Nachfolgerinnen der beiden im Juni zurückgetretenen Pascal Ryf (Oberwil) und Niggi Thurnherr (Arlesheim) wählte die Synode in geheimer Wahl zwei Frauen neu ins Büro, also das Leitungsgremium der Synode: Jeanne Locher (Münchenstein) und Denise Pfäffli (Pratteln-Augst). Das Nachsehen hatte Matthias Oetterli (Liestal), obwohl auch er das absolute Mehr erreichte.

An der Synode wurden vier neue Mitglieder angelobt: Fabrizio Pongan (Frenkendorf-Füllinsdorf), Ivo Canal (Liestal), Annelies Enz (Oberwil) und Béatrice Bowald (Pastoralkonferenz).

Präsidentin Béatrix von Sury d’Aspremont verabschiedete Christoph Sterkman, der zum letzten Mal als Bischofsvikar an der Synode teilnahm, und Maria Gaetani, die ihre Stelle auf der Verwaltung der Landeskirche gekündigt hat.

Katja Jores (Binningen-Bottmingen) stellte die Plattform «Kirche für Konzernverantwortung» vor. Diese vereint bisher 63 kirchliche Gemeinschaften und Organisationen, die sich für die Konzernverantwortungsinitiative engagieren, darunter der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK), die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und mehrere kantonale Landeskirchen.

An der Synode im Landratssaal in Liestal nahmen 76 Synodale teil.

Christian von Arx