Eine Mutter sitzt mit ihrem Kind in einer Kirchenbank bei einem Familiengottesdienst. | © kna-bild.de
25.03.2021 – Aktuell

Familie als «Boden, auf dem Heiliges möglich werden kann»

Fünf Jahre «Amoris Laetitia» – am 19. März hat das vom Papst ausgerufene Jahr zu Ehe und Familie begonnen

Mit «Amoris Laetitia» hat Papst Franziskus eine neue Sicht auf Ehe und Familie gefordert. In der Familienseelsorge gehe es darum, die realen Erfahrungen heutiger Familien zum Ausgangspunkt zu nehmen für die Entdeckung des Göttlichen, sagt Barbara Kückelmann, Abteilungsleiterin Pastoral und Bildung des Bistums Basel, in einem Interview mit kath.ch.

Einen «gesunden katholischen Mittelweg» hat Barbara Kückelmann, Pastoralverantwortliche im Bistum Basel, im Dezember 2017 zur Umsetzung von «Amoris Laetitia» in der Familienseelsorge gegenüber «Kirche heute» angekündigt. In der Zwischenzeit haben die Bistümer Basel und St. Gallen die von der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz erarbeiteten «Pastoralen Orientierungen» vorgelegt. Das rund 40-seitige Papier basiert auf dem biblischen Bild des «heiligen Bodens» (Exodus 3,5).

Moses vor dem brennenden Dornbusch

Barbara Kückelmann erklärt im Interview mit kath.ch, wie das gemeint ist: «Im Ersten Testament wird eine ganz zentrale, ursprüngliche Gotteserfahrung erzählt: Moses steht vor einem brennenden Dornbusch, der nicht verbrennt. Hier erfährt er: Gott zeigt sich in meinem Leben, ist erfahrbar, vielleicht eher erahnbar. Moses ist ergriffen. Und begreift gleichzeitig, wie dieser Gott nicht einfach zu haben ist: ‹Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden›, steht in der Bibel.»

Die Bibel brauche dieses Bild für die enge und ganz eigene Begegnung zwischen Gott und Mensch, sagt Kückelmann. Moses erkennt auf dem «heiligen Boden» seine Berufung. Mit dem Bild des «heiligen Bodens» werde die Pastoral umschrieben, mit der Paaren und Familien begegnet werde, erklärt Kückelmann. «Weder definiert die Kirche die Familie, noch wird die Familie einfach heiliggesprochen. Vielmehr werden Seelsorgerinnen und Seelsorger den ureigensten Raum von Paaren und Familien als Boden betrachten, auf dem Heiliges und Heilendes möglich werden kann.» In den «Pastoralen Orientierungen» heisst es dazu: «Dieses Bild hilft, um eine respektvolle und willkommen heissende pastorale und theologische Grundhaltung der Kirche gegenüber Paaren und Familien zu erläutern.»

Ein realistisches Familienbild

Für die katholische Kirche sei es wichtig, ein realistisches Bild der Paar- und Familienwirklichkeiten zu haben, heisst es in den «Pastoralen Orientierungen». Kückelmann sagt es so: «In der Familienpastoral geht es gerade nicht darum, eine Art biblische Modellfamilie vorzustellen. Vielmehr geht es darum, die realen Erfahrungen heutiger Familien zum Ausgangspunkt zu nehmen für die Entdeckung des Göttlichen.»

Leitend für die Familienpastoral sei eine mystagogische Grundhaltung, heisst es im Haltungspapier, das eine Arbeitsgruppe von Seelsorgerinnen und Seelsorgern des Bistums Basel erarbeitet hat. Ziel des Dokuments ist die Stärkung der Familienarbeit im Bistum. Es gehe darum, gemeinsam mit Familien nach Gottes Spuren zu suchen und sie im Alltag zu entdecken.

Strukturell verankern

«Familienpastoral ist ein Querschnittsthema, das für die gesamte kirchliche Seelsorge von grosser Bedeutung ist», hält das Haltungspapier fest. Beide Dokumente betonen, dass es wichtig sei, die Familienpastoral konzeptionell und strukturell zu verankern. Die dezentrale Organisationsweise erlaube zwar einerseits Aufbrüche mit viel Kreativität, doch seien andererseits die pastoralen Angebote oft strukturell schwach abgesichert, kaum systematisch in die pastorale Planung und Konzeption einer Pfarrei oder eines Pastoralraums eingebettet und in hohem Masse vom individuellen Engagement Einzelner abhängig, umschreiben die «Pastoralen Orientierungen» die Problematik vor Ort. Das Haltungspapier schlägt vor, in grösseren Pastoralräumen eine/n Strategieverantwortliche/n für Familienpastoral einzusetzen.

Regula Vogt-Kohler