Die basel-städtische Synode tagte am 18. September im L’Esprit-Saal. | © Regula Vogt-Kohler
19.09.2018 – Aktuell

Weiterhin Seelsorge im Tabubereich

151. Synode der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt (RKK BS)

Die Weiterführung der Projektstelle «Seelsorge im Tabubereich» war in der basel-städtischen Synode unbestritten. Ein weiteres Traktandum der Sitzung war die Diskussion über mögliche Kriterien für die Zuteilung der finanziellen Beiträge an die Pfarrgemeinden.

Seit rund zweieinhalb Jahren ist Anne Burgmer als Seelsorgerin im Sexmilieu der Region Basel unterwegs. Sie tut dies im Rahmen einer mit 40 Prozent ausgestatteten Projektstelle. Mit der «Seelsorge im Tabubereich» (SiTa) führen die römisch-katholischen Kirchen der beiden Basel das Engagement im Tabubereich weiter, nachdem das auch von den evangelisch-reformierten Kirchen getragene Aidspfarramt Ende 2013 aufgelöst worden war.

Ein reales Bedürfnis

Den Antrag auf Weiterführung der SiTa begründete Sarah Biotti als Vertreterin der Pastoralraumleitung im Kirchenrat damit, dass das Angebot einem realen Bedürfnis der Sexarbeiterinnen entspreche. Zu den Aufgaben von Anne Burgmer gehören neben der eigentlichen seelsorgerlichen Tätigkeit im Kontakt mit den Frauen auch Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Stelle sei von Anfang an von einem grossen medialen Echo begleitet, hielt Biotti fest. Die Leiterin des Bereichs Spezialseelsorge im Pastoralraum Basel-Stadt ist davon überzeugt, dass Seelsorge ergänzend auch ausserhalb der Pfarreien angeboten werden müsse. Dabei müsse man auch experimentieren.

Die Synodalin Anna Megert (Fraktion St. Marien) warf angesichts der wachsenden Zahl von Sexarbeiterinnen die Frage auf, ob die Herangehensweise nicht verkehrt sei. «Warum unterstützen wir eigentlich dieses System?» Biotti hielt dazu fest, die wachsende Zahl bedeute nicht, dass mehr Frauen aufs Mal da seien. Zudem betonte sie, dass sich die SiTa-Stelle in der Diskussion über die Prostitution nicht positioniere, sondern einfach für die Bedürfnisse der im Sexgewerbe tätigen Frauen da sei.

Mit grossem Mehr stimmte die Synode nach kurzer Debatte der Weiterführung der Projektstelle zu. Die neue Frist läuft bis Ende 2021, je nach Beschluss der Synode der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Basel-Landschaft bis Ende 2020. Die Baselbieter haben noch nicht entschieden.

Pfarreiübergreifende Angebote

Im zweiten gewichtigen Traktandum des Abends gab es nichts oder besser noch nichts zu beschliessen. Es ging darum, über mögliche Kriterien für die Zuteilung der finanziellen Mittel an die Pfarreien zu diskutieren. Auslöser dafür war ein Anzug der Fraktion St. Clara in der Junisynode, welcher die Berücksichtigung von pfarreiübergreifenden Angeboten gefordert hatte. Der Anzug war dann im Hinblick auf die Diskussion, die nun stattgefunden hat, zurückgezogen worden.

Synodale Urs Abächerli erläuterte nochmals den Hintergrund. Aus der Sicht von St. Clara erfüllt die Clarakirche eine Funktion als zentrale Kirche in der Stadt, die über die Pfarrei hinausgeht. Das Angebot werde nicht als Angebot von St. Clara, sondern der RKK BS wahrgenommen, sagte Abächerli.

Der für die Finanzen zuständige Kirchenrat Patrick Kissling stellte das von St. Clara geltend gemachte strukturelle Defizit in Frage. Der Begriff werde strapaziert, ein Defizit könne immer zustande kommen und sei eine Frage der Planung. Kirchenratspräsident Christian Griss gab zu bedenken, dass bei einer überpfarreilichen Finanzierung von überpfarreilichen Angeboten auch die Steuerung überpfarreilich wäre. Griss hielt auch fest, dass sich die RKK BS eine Finanzierung auch durch Drittelmittel überlegen müsste, wie das die Evangelisch-Reformierte Kirche BS bereits tut.

Zu den Vorschlägen des Kirchenrats, die Kissling vorstellte, gehört unter anderem, dass die Äufnung von Mitteln, die wegen personeller Vakanzen nicht ausgeschöpft werden, nicht mehr möglich sein soll. Diese Mittel sollen neu in einen gesamtstädtischen Fonds fliessen und daraus wieder verteilt werden.

Regula Vogt-Kohler