Die St. Nikolaus-Kirche in der maltesischen Hauptstadt La Valletta.| © wikimedia / NickGeorge1993
09.01.2020 – Hintergrund

Ökumene in Malta

Hintergrundinformationen zur Gebetswoche für die Einheit der Christen (18.-25. Januar)

Die meisten der rund 430 000 Einwohner Maltas sind römisch-katholisch, aber es gibt auch grössere Gruppen von Christen, die anderen Kirchen und Traditionen angehören.

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts leben grössere Zahlen von Christen aus anderen Kirchen dauerhaft auf Malta. Als Folge der starken Präsenz von Militär und Marine kamen viele britische Soldaten sowie Pastoren, die sie begleiteten. So wurden schliesslich eine anglikanische Prokathedrale und bald danach auch Gottesdiensthäuser für die Mitglieder der Kirche von Schottland und der methodistischen Kirche gebaut.

Seit dem späten 19. Jahrhundert gibt es eine griechisch-orthodoxe Gemeinde auf Malta. Seit den 1990er Jahren lässt sich beobachten, dass die Zahl der Mitglieder verschiedener orthodoxer Kirchen exponentiell wächst. Die meisten von ihnen sind Osteuropäer, die nach Malta kommen, um hier Arbeit zu finden. Dazu gehören serbisch- und russisch-orthodoxe ebenso wie rumänisch- und bulgarisch-orthodoxe Christen. Gleichzeitig hat eine beachtliche Zahl koptischer Christen, vor allem aus Ägypten, ebenso wie aus Äthiopien und Eritrea, auf Malta Zuflucht gefunden, nachdem sie vor der Verfolgung in ihren Heimatländern geflohen waren. Dasselbe gilt für die kleinen Gruppen orthodoxer Christen aus dem Nahen Osten, besonders aus Syrien und dem Irak.

Ökumene ab Mitte der 1960er Jahre

Die ersten ökumenischen Begegnungen fanden Mitte der 1960er Jahre statt, als eine kleine Gruppe römisch-katholischer Priester regelmässig mit Geistlichen der in Malta stationierten britischen Streitkräfte zusammenkam. Sie diskutierten über Themen von gemeinsamem Interesse und beteten zusammen. Fruchtbar war auch die Zusammenarbeit von maltesischen Exegeten und Geistlichen aus den protestantischen Kirchen.

Die ersten offiziellen ökumenischen Gottesdienste wurden in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren gefeiert. Der wichtigste ökumenische Gottesdienst findet während der Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar statt. Ein weiterer ökumenischer Gottesdienst wird in den Tagen vor oder nach dem Pfingstfest gefeiert.

Im Oktober 1977 setzte der katholische Erzbischof von Malta, Joseph Mercieca, eine diözesane Ökumenekommission ein. Ihre Aufgabe besteht darin, das Gebet für die Einheit der Christen zu fördern, den Katholiken die Gegenwart anderer Kirchen bewusst zu machen und ihnen Kenntnisse über diese Kirchen zu vermitteln. 1995 gründete Maurice Eminyan SJ den Ökumenischen Rat Maltas, der heute «Christians Together in Malta» heisst.

Religionsfreiheit gewährleistet

Das Hilfswerk «Kirche in Not» hat 2018 die Situation in Malta zusammengefasst so beschrieben: «Die Religionsfreiheit wird in Malta in grossem Masse aufrechterhalten. Angehörige jeder Religion haben das Recht, ihren Glauben zu praktizieren.» Die katholische Kirche unterstützte andere Kirchen und Traditionen und gewähre beispielsweise Zugang zu geeigneten Gebets- und Andachtsstätten. So wird die römisch-katholische Kirche St. Nikolaus in La Valletta geteilt. Dort findet neben katholischen Gottesdiensten auch die von einer orthodoxen Gemeinde mit serbischen, russischen und bulgarischen Gläubigen zelebrierte Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus statt.

rv / Material von www.agck.ch