Fromm und grosszügig: Das heiliggesprochene Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde (Böhmen [?], um 1430/40, Paderborn, Erzbischöfliches Diözesanmuseum). | © © Katholische Kirchenstiftung St. Andreas/Thomas Obermeier
24.10.2019 – Aktuell

Macht und Pracht vor tausend Jahren

Ausstellung «Gold & Ruhm – Geschenke für die Ewigkeit» im Kunstmuseum

Prachtvolle Kunstgegenstände und Funde, die das Alltagsleben veranschaulichen, geben einen Einblick in das Basel des Jahres 1019. Prunkstücke der Ausstellung sind die goldene Altartafel und das Heinrichskreuz.

 

Blick in die Ausstellung «Gold & Ruhm»: eine Gewerbesiedlung am Basler Petersberg um 1019. | © © Historisches Museum Basel, Philipp Emmel

Der Weg beginnt mit einem Überblick über Europa ums Jahr 1000. Das Reich Karls des Grossen hatte sich in kleinere Einheiten aufgelöst, doch mit dem ostfränkischen Herrschaftsbereich entwickelte sich eine zentrale Macht, die von der Nordsee bis Italien reichte. Basels Förderer, der spätere Kaiser Heinrich II., gelangte 1002 nach dem frühen Tod von Otto III. an die Macht, seine Wahl zum ostfränkischen König war nicht unumstritten. Heinrich stützte sich dabei auf die Bischöfe, unter ihnen auch der Basler Bischof Adalbero. Dieser war wenige Jahre zuvor durch eine Schenkung des burgundischen Königs Rudolf III. zum Territorialfürsten aufgestiegen. Auch Heinrich verlieh ihm nun Privilegien und unterstützte ihn beim Bau eines neuen Münsters.

Basel war zu dieser Zeit eine Siedlung von relativ bescheidenem Ausmass. Wie der Alltag am Rheinknie aussah, ist mangels schriftlicher Zeugnisse schwer fassbar. Im zweiten Ausstellungssaal zeigen wechselnde Wandbilder, wie das Leben in der Burg Altenberg bei Füllinsdorf, auf dem Büchel, einem künstlichen Hügel, in Zunzgen und in der Gewerbesiedlung am Basler Petersberg ausgesehen haben könnte.

Kirchliche und weltliche Macht war damals eng miteinander verbunden. Die Bischöfe waren wichtige Stützen der Herrschaft Heinrichs II., und umgekehrt waren die Bischöfe auf die Gunst des Herrschers angewiesen. Kaiser Heinrich II. verstand sich als göttlich legitimierter Herrscher. Mit der Stiftung kostbarer Sakralkunst demonstrierte er ebenso sehr seine Macht wie sein Bestreben, sein Seelenheil zu sichern.

Zahlreiche Ausstellungsobjekte zeigen die damalige Pracht. Besonders eindrucksvoll ist die goldene Altartafel, aber auch üppig verzierte Kreuze und Gebetsbucheinbände sind Glanzlichter der Ausstellung. Nicht dazu gehört leider die Gestaltung der Wandtexte: Die goldene Schrift auf dem grünen, blauen, roten oder violetten Hintergrund ist in den dunklen Sälen schlecht lesbar.

Regula Vogt-Kohler

www.hmb.ch