Hans Küng in einer Aufnahme vom 17. September 2012 in seinem Büro in Tübingen.(Foto: kna.de) Hans Küng in einer Aufnahme vom 17. September 2012 in seinem Büro in Tübingen.(Foto: kna.de)
17.03.2018 – Aktuell

Kritiker und Gesprächspartner der Päpste

Hans Küng, der streitbare Schweizer Theologe in Tübingen, wird am 19. März 90-jährig

Er ist einer der bekanntesten und streitbarsten katholischen Theologen weltweit. Am Montag, 19. März, wird der gerne als Rebell und Gegenspieler des Papstes bezeichnete Luzerner Hans Küng 90.

Den Höhepunkt des lange schwelenden Konflikts zwischen Küng und dem Vatikan stellte 1979 der Entzug der Lehrerlaubnis dar. Es ging vor allem um die Frage der Unfehlbarkeit des Papstes, aber auch um wirklich zentrale Inhalte des Glaubens. Die Konsequenz: Als Novum in der Universitätsgeschichte erhielt Küng, seit 1960 Professor für Theologie in Tübingen und zeitweise Kollege des späteren Papstes Joseph Ratzinger, einen fakultätsunabhängigen Lehrstuhl für Ökumene. Grosse Wirkung erreichten seine Bücher wie «Existiert Gott?» oder «Christ sein», die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. Die Gesamtauflage geht in die Millionen.

«Ethisches Koordinatenkreuz»

In den vergangenen 35 Jahren engagierte sich der im luzernischen Sursee geborene Theologe vor allem im Dialog der Weltreligionen und für das «Projekt Weltethos». Küng sieht das Weltethos als «ethisches Koordinatenkreuz», spricht von moralischen Standards und verweist auf die Goldene Regel «Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu».

Um das «Projekt Weltethos» ging es auch 2005 bei einem Gespräch zwischen Küng und Papst Benedikt XVI. kurz nach dessen Wahl zum Kirchenoberhaupt. Es war eine vierstündige persönliche Unterhaltung – schlicht eine Sensation. Das laut vatikanischem Communiqué «brüderliche Gespräch» war so etwas wie eine gegenseitige Anerkennung. Nach wie vor sieht sich Küng als «loyaler katholischer Theologe». Ein Konfessionswechsel kam ihm nie in den Sinn.

Impuls zur Sterbehilfe

Selbst im hohen Alter löst Küng – wie mit seinen Überlegungen zu Suizid und Sterbehilfe – gesellschaftliche Debatten aus. «Ich will nicht als Schatten meiner selbst weiterexistieren», schrieb er in seinen Lebenserinnerungen und wollte deshalb auch nicht ausschliessen, eine Schweizer Sterbehilfeorganisation für sich in Anspruch zu nehmen. Denn der Mensch habe ein Recht zu sterben, «wenn er keine Hoffnung mehr sieht auf ein nach seinem ureigenen Verständnis humanes Weiterleben, wenn sich der Sinn seines Lebens erfüllt hat und der Tod gewünscht wird», fügte er hinzu.

Briefaustausch mit Papst Franziskus

Durch einen Briefaustausch mit Papst Franziskus sieht sich Küng inzwischen «quasi informell» rehabilitiert. Er sprach über einen «handgeschriebenen, brüderlichen Brief» und betonte, eine öffentliche Rehabilitierung sei ihm «nicht so wichtig». Es gehe darum, dass es für die Menschen und für die Kirche vorangehe. Denn eigentlich, erzählte Küng einmal, wollte er nach der Priesterweihe 1954 Jugendseelsorger im Kanton Luzern werden. Es kam anders.

Michael Jacquemain, kath.ch