Eine Szene vom Frühlingsfest im Da-Sein am 4. Mai dieses Jahres. | © Offene Kirche Elisabethen
02.07.2019 – Aktuell

Flüchtlingsprojekt Da-Sein muss sparen

Die Offene Kirche Elisabethen führt das Angebot ohne Projektmanagerin weiter

Die Offene Kirche Elisabethen (OKE) muss beim Flüchtlingsprojekt Da-Sein per Ende September die Stelle der Projektmanagerin abbauen und die Stelleninhaberin entlassen. Grund: Die Hauptsponsoren reduzieren ihre Beiträge, weil kaum mehr neue Flüchtlinge nach Basel kommen.

Anfang Juni haben Vorstand und Leitung der OKE den zurückgehenden Unterstützungsbeiträgen Rechnung getragen und entschieden, die Stelle der Projektmanagerin auf Ende September abzubauen. Das gab die OKE am 1. Juli in einem Mediencommuniqué bekannt. «Die Leistungen des Projekts (Angebote und Öffnungszeiten) bleiben bis Ende 2020 unverändert», heisst es in der Mitteilung.

Das Flüchtlingsprojekt Da-Sein ist seit dem 1. April 2015 operativ. Es ist ein soziokulturelles und diakonisch-spirituelles Angebot für Asylsuchende in der Region Basel. Von Mittwoch bis Freitag bietet es an der Elisabethenstrasse 10 von 14 bis 21 Uhr einen Tagestreffpunkt für Geflüchtete. Zum Angebot gehören Events, Workshops, gemeinsames Kochen, ein Chor und in jeder Jahreszeit ein Jahreszeitenfest. Nach Auskunft von OKE-Geschäftsführer Frank Lorenz haben im Jahr 2018 an einem Betriebstag durchschnittlich rund 50 Personen teilgenommen, im laufenden Jahr sind es etwas weniger.

Sponsoren ziehen sich schrittweise zurück

Finanziert wurde das Da-Sein von Anfang an von der Christoph Merian-Stiftung (CMS) und den beiden grossen Kantonalkirchen des Stadtkantons. In den ersten drei Jahren habe die CMS insgesamt 600 000 Franken beigetragen, namentlich auch für bauliche Investitionen und Miete, war auf Anfrage bei Frank Lorenz zu erfahren. Jetzt habe sie ihre Beiträge für 2019 und 2020 stufenweise reduziert. Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt leistete jährlich 20 000 Franken an den Betrieb, musste diese Unterstützung aber auf Ende 2017 einstellen. Die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt trug bis 30 000 Franken pro Jahr bei und sicherte bis Ende 2020 noch einen jährlichen Beitrag von 20 000 Franken zu.

«Die vier Partnerinnen konnten mit ihrem Engagement wesentlich dazu beigetragen, dass Geflüchtete in Basel besser ankommen und ein Stück ‹Heimat abseits der Heimat› erleben konnten», schreibt die OKE in ihrer Mitteilung. Dies sei in den Zeiten der sogenannten «Flüchtlingskrise» notwendig und hilfreich gewesen.

Fast keine neuen Flüchtlinge mehr

Grund für die Mittelkürzungen sei unter anderem, dass fast keine Flüchtlinge mehr neu in die Schweiz beziehungsweise nach Basel kämen, heisst es im Mediencommuniqué. Laut einem Bericht der Sozialhilfe Basel-Stadt von Anfang dieses Jahres sei dies eine direkte Folge der von der italienischen Regierung ergriffenen Massnahmen zur weiteren Reduktion der Migration über das zentrale Mittelmeer und der Schliessung der Fluchtroute über den Balkan.

Gegenüber «Kirche heute» sagte der OKE-Geschäftsführer, er sei traurig, dass die Stelle habe abgebaut werden müsse, verstehe aber, dass die Christoph Merian Stiftung ständig überprüfen müsse, welche ihrer Leistungen noch notwendig und für sie tragbar seien. Auf die Frage, ob in absehbarer Zeit weitere Angebote und Projekte der OKE von Sparmassnahmen betroffen sein könnten, konnte Frank Lorenz keine Auskunft geben.

In der Mitteilung danken Leitung und Vorstand der OKE der scheidenden Projektmanagerin «für ihre hohen Verdienste und ihren grossen Einsatz zugunsten der Geflüchteten». Einen grossen Dank richten sie auch an die CMS und die zwei grossen Landeskirchen «für die jahrelange, grosszügige Unterstützung und den jederzeit partnerschaftlichen Umgang».

Christian von Arx