Sie diskutierten über den Wandel in der Arbeitswelt (v.l.): Bischof Felix Gmür, Corinne Montandon (Berner Kraftwerke), Petra Hasler (Präsidentin ­Sozialkonferenz Basel) und Martin Dürr (Co-Leiter Pfarramt für Industrie und Wirtschaft BS/BL). | © Regula Vogt-Kohler
22.11.2018 – Aktuell

«Es braucht Veränderung, damit wir nicht einschlafen»

«Arbeitswelt im Wandel – Wie damit umgehen?»: Podium des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft

Veränderungen bringen uns aus dem Tritt, im negativen, aber auch im positiven Sinn. Der Basler Bischof Felix Gmür und zwei Frauen aus der Wirtschaft sprachen über die Arbeitswelt im Wandel und die Notwendigkeit und die Gefahren von Veränderungen.

 

Es braucht manchmal nur wenig, damit unsere Welt aus den Fugen gerät. Als das Müesli, das in ihrer Kindheit das Standardfrühstück war, aus dem Laden verschwand, habe sie das durcheinander gebracht, berichtete Corinne Montandon in der Einstiegsrunde zum Podium in der Peterskirche. Heute hat die auf Wirtschaftsinformatik spezialisierte Betriebswirtschafterin als Leiterin des Bereichs Strategie und Entwicklung Netze bei den Berner Kraftwerken (BKW) mit Veränderungen in ganz anderer Dimension zu tun.

Ob die BKW oder die römisch-katholische Kirche – Unternehmen oder Organisationen, die schon lange bestehen und sich nicht in einem hohen Rhythmus stetig neu anpassen müssen, neigen zu Trägheit. Wer stets im gleichen Trott unterwegs ist, läuft Gefahr, den Moment, in dem ein Tempo- oder ein Richtungswechsel angebracht ist, zu verpassen. «Umso wichtiger ist es, dass wir uns verändern», hielt Montandon dazu fest. Die BKW hätten ein Transformationsprojekt eingeleitet, «damit wir nicht einschlafen». Dabei sei der Austausch mit den Mitarbeitenden wichtig, betonte sie. Und was meinen diese dazu? «Sie sind gar nicht begeistert von der Veränderung.»

Montandon macht ähnliche Erfahrungen wie Bischof Felix Gmür, der die unterschiedlichen Reaktionen so beschrieb: «Ein Drittel der Mitarbeitenden hat Mühe, es geht ihnen zu schnell, ein Drittel schaut, was kommt, und ein Drittel zieht mit. Am lautesten sind die, die finden, es müsse alles bleiben, wie es vermeintlich besser war.»

Die BWK setzen bei ihrem Transformationsprojekt seit Beginn auf eine offene und transparente Information. Dies habe die Verunsicherung aber noch verstärkt, sagte Montandon. «Den Drittel, der sich wehrt, konnten wir nicht abholen.» Alle mitzunehmen sei das Ziel, sei aber nicht immer möglich. Auch für Gmür ist die Information zentral, das «A und O». Aber: Es brauche aber mehrere Anläufe, beim ersten Mal komme die Botschaft nicht an, anders sei es dann, wenn die Leute bereits erste Erfahrungen hinter sich hätten.

Dass es Veränderungen braucht, würde auch Petra Hasler unterschreiben. Sie habe die Reorganisation, zu deren Opfer sie geworden sei, unterstützt. Nicht richtig gefunden habe sie dann die Art und Weise, wie damit umgegangen worden sei. Als sie mit 58 ihren Job in der Bankenbranche verlor, stellte sie schnell fest, dass ihr angesichts ihres Alters die Arbeitsmarkttauglichkeit, die sie sich selbst bescheinigt, nichts nützte. «Die Wirtschaft ist nicht bereit, Menschen ü50 einzustellen», hielt sie fest. Heute ist sie in einem Unternehmen tätig, das Begleitung in Veränderungsprojekten anbietet.

Hilft ein Perspektivenwechsel, um Veränderungsprozesse einerseits humaner zu gestalten und andererseits eher mitzutragen? Nicht unbedingt, lautet das Fazit. Die Sicht hängt davon ab, ob man selbst betroffen ist. Sie hätten Leute dazu befragt und die Antwort sei gewesen «Ich würde genauso entscheiden, wenn ich auf der anderen Seite wäre, aber weil ich selbst betroffen bin, stimmt es für mich nicht», erzählte Montandon.

Regula Vogt-Kohler

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