Einander zuhören steht im Zentrum des synodalen Prozesses. Dieses Plakat hängt in Allschwil vor der Kirche St. Theresia. | © Regula Vogt-Kohler
18.11.2021 – Aktuell

Intensive Diskussionen und Hoffnung auf den Dialog vor Ort

Synodaler Prozess: Erste Impressionen aus Gesprächsrunden in den Pfarreien

Papst Franziskus will, dass möglichst viele Menschen miteinander über die Entwicklung der Kirche sprechen und aufeinander hören. In den Bistümern Basel, Chur und St. Gallen ist dieser Dialog mit einer Umfrage verknüpft. Berichte aus Gesprächsrunden zeigen, dass die Verbindung von Diskussion und Fragen viel Zeit beansprucht.

«Wir kamen nicht weit und treffen uns nochmals.» Dieses Fazit war gleich von mehreren Gesprächsrunden zu hören, die, mit und ohne Moderation, in verschiedenen Pfarreien in der Region Basel bereits stattgefunden haben. Die Diskussion sei sehr interessant und intensiv gewesen, aber man habe nur wenige Fragen beantworten können, berichtet Andreas Schalbetter, Jesuit und Seelsorger der Katholischen Universitätsgemeinde (kug). Die kug bot ein moderiertes Treffen an, das Gespräch fand in der Mindestbesetzung von fünf Personen statt. Ähnlich lief es in Sissach. Leider seien nur wenige Leute gekommen, doch es sei heftig diskutiert worden, erzählt Gemeindeleiter Martin Tanner. In der kug, in Sissach, aber auch anderswo haben sich die Gruppen für ein weiteres Treffen verabredet.

Ausgewählte Fragen

Auch in Liestal war das Interesse gering. Mangels Teilnehmende kamen zwei Gespräche gar nicht zustande. Weil man sich bei den beiden Diskussionsrunden, die stattgefunden haben, je auf ein ausgewähltes Thema beschränkte, hielt sich der Zeitaufwand jedoch in Grenzen. Die Erkenntnis, dass nicht alle 27 Fragen durchgearbeitet und beantwortet werden müssen, sei zentral, meint die Liestaler Pfarreiseelsorgerin Simone Rudiger.

Ähnliche Vorstellungen

Relativ weit kam die Fünferrunde, zu der sich Mitarbeitende der Spezialseelsorge der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt zusammengefunden hatten. Sie schafften es, in zwei Stunden drei Themenfelder zu bearbeiten. «Wir hatten das Gefühl, dass wir uns jeweils gut und schnell auf Antworten einigen konnten», berichtet Mirjam Lachenmeier, Leiterin der Fachstelle Jugend. «Dies hat wahrscheinlich damit zu tun, dass wir alle eine ähnliche offene und moderne Vorstellung der katholischen Kirche haben.» Die Diskussionen seien spannend gewesen, aber es habe keine Auseinandersetzungen gegeben.

Schwierige Kombination

Wer den Fragenkatalog durchliest, staunt nicht, dass die Gesprächsrunden in den empfohlenen zwei Stunden nicht sehr weit kommen. Das hat nicht nur mit den Fragen, die sehr offen formuliert sind und weite Felder öffnen, zu tun. Die Schwierigkeit bestehe darin, dass zwei Elemente verknüpft seien, die nicht einfach zu kombinieren seien, sagt Thomas Kyburz-Boutellier, Fachverantwortlicher Bildung und Spiritualität im Pastoralen Zentrum der Römisch-katholischen Kirche im Kanton Basel-Landschaft. Einerseits sind die Leute dazu aufgefordert, sich vor Ort auszutauschen, andererseits gilt es im Rahmen der Umfrage statistisch auswertbare Antworten zu finden.

Exemplarisch dafür sind die Erfahrungen, von denen Andrea Moren aus der Basler Pfarrei St. Marien berichtet. Die Bibelteilgruppe habe sich in zwei Gesprächsrunden aufgeteilt, wobei eine Gruppe sich auf die Diskussion konzentriert habe, während die andere versucht habe, möglichst viele Fragen zu beantworten. Ihre Quintessenz nach der ersten Gesprächsrunde: «Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich nur von Gott ganz verstanden werden.» Und: Verstehen gehe nur, wenn man die Position des anderen auch zulasse und versuche, sich in ihn hineinzuversetzen.

Dialog vor Ort

Welches sind die mit dem synodalen Prozess verbundenen Erwartungen und Hoffnungen? Die grosse Erwartung sei, dass die Leute lernen, aufeinander zu hören, sagt Stefan Kemmler, Pastoralraumpfarrer im Pastoralraum Basel-Stadt. Der synodale Prozess sei eine Übung, zu gewissen Themen aufeinander zu hören und wegzukommen, einfach nur Forderungen einzubringen. Andreas Schalbetter SJ erhofft sich , dass auch in den späteren Etappen des synodalen Prozesses Laien und Frauen in das Gespräch und in die Entscheidungen einbezogen werden. Mirjam Lachenmeier glaubt nicht daran, dass sich in Rom viel ändern wird, aber für sie ist der Prozess vor allem eine Chance, «dass wir hier vor Ort in einen Dialog kommen».

Regula Vogt-Kohler