Die Flucht nach Ägypten (links) und Christi Geburt (rechts) aus dem Bilderzyklus von Stella Radicati. | © zvg/Kloster Mariastein
07.02.2019 – Aktuell

Eine Künstlerin sieht die Gottesmutter

Bilderzyklus von Stella Radicati in der Josefskapelle der Basilika Mariastein

Während des ganzen Jahres 2019 ist in der Basilika von Mariastein ein Bilderzyklus der italienischen Künstlerin Stella Radicati zum Leben der Gottesmutter Maria zu sehen. Sie zeigt die bekannten Szenen mit Gesichtern von Menschen aus ihrem Familien- und Freundeskreis.

 

Im Kloster Mariastein hat die Gottesmutter Maria eine Vorzugsstellung. Die Legende erzählt von der wunderbaren Rettung eines vom Felsen stürzenden Kindes durch Maria. Die Pilger richten ihre Gebete seit über 600 Jahren an Maria, die in der Felsenkapelle unter der Basilika verehrt wird. In der Basilika selbst, in der Josefskapelle, ist nun das Marienleben in einem Bilderzyklus zu sehen. Die italienische Künstlerin Stella Radicati (* 1985) beleuchtet in der Ausstellung «Maria» die wichtigsten Ereignisse im Leben der Gottesmutter und setzt diese in einen authentischen, modernen Kontext.

Abt Peter von Sury entdeckte den Zyklus zum Leben von Maria im KunstRaumRhein in Dornach: «Ihre Bilder sprachen mich unmittelbar an, durch ihre Verständlichkeit und Heutigkeit, durch die Motive aus dem Leben Marias, die mir vertraut waren und doch eigenartig verfremdet wirkten. Anmutig und schön, sperrig und provozierend, reich an Bezügen zu den italienischen Meistern. So ergab sich die einmalige Gelegenheit, Maria mit andern Augen zu sehen, sie einzuladen zum Dialog mit den Pilgern, mit unserer Klosterkirche, Schönheit als Trost zu vermitteln.»

Radicati schuf grossformatige Werke, die einschneidende Momente in Marias Leben abbilden: Mariä Tempelgang, Verkündigung, Christi Geburt, Anbetung der Magier, Flucht nach Ägypten, Mariä Aufnahme in den Himmel und weitere. Bei den Gesichtern orientierte sich die Künstlerin an jenen ihrer Familie und Freunde; so sollen die Themen der Bilder aktuell und dem Betrachter näher erscheinen. Radicati erklärt: «Maria ist eine starke und bewusste Frau. In meinen Bildern drückt sie ihre ganze Menschlichkeit aus. Sie teilt die Freude an der Mutterschaft mit ihrer Cousine Elisabeth, erlebt die Emotionen der Geburt ihres Sohnes und mit der Flucht nach Ägypten, wie jeder Flüchtling, das Fliehen».

Es ist die erste komplette Serie der Künstlerin zu einem spirituellen Thema, jedoch längst nicht ihre erste Auseinandersetzung mit einem solchen Motiv. Sie hat sich bereits 2010 mit dem Leben des heiligen Benedikts beschäftigt. Die Arbeit an der 12-teiligen Serie zum Marienleben dauerte ein ganzes Jahr. «Diese zeitintensive Technik, mit Bleistift auf Holz zu malen, passt perfekt zu den dargestellten Inhalten», sagt sie. Der Aufwand hat sich gelohnt: die Dargestellten wirken diesseitig präsent und können uns tief berühren.

Pia Zeugin