Seit dem Frühling organisieren in Dornach (vl.) Nathan, Luzia, Lena, Solveig, Samuel sowie Angela und Fabian (fehlen auf dem Bild) jeden 3. Mittwoch im Monat ein Taizégebet (19 Uhr, Mauritiuskirche). | © zVg
27.12.2018 – Aktuell

Ein Jahr danach: Was bleibt von Taizé Basel?

Erinnerungen, Kontakte, Taizégebete – und ein paar bemerkenswerte Überraschungen

Eine Wohngemeinschaft in Basel, das erste ökumenische Abendmahl in Liestal oder die Schwarzbubenwallfahrt ganz mit Taizéliedern: Das Europäische Jugendtreffen Taizé Basel vor einem Jahr hat in der Re­gion durchaus Nachwirkungen.

 

«Mir ist das Taizétreffen in lebendiger Erinnerung», schmunzelt Bischofsvikar Christoph Sterkman: «Taizé kommt mir jeweils in den Sinn, wenn wir etwas Grösseres planen und vor den Schwierigkeiten zurückschrecken.» Das Gottvertrauen der Brüder aus Taizé und ihrer Helfer/innen erstaunte die Schweizer Gastgeber: «Noch kurz vor dem Start war erst die Hälfte der Unterkünfte bekannt.» Diese Gelassenheit bleibe für ihn ein Schlüsselerlebnis, so der Bischofsvikar.

Eine direkte «Nachkommenschaft» des Jugendtreffens ist eine Studenten-WG am Allschwilerplatz in Basel West. Die Eleos Community (Eleos steht für Barmherzigkeit) wurde von vier Taizé-«Per­ma­nents» gegründet, die als Freiwillige in Basel mithalfen. Ihre WG sollte ein Ort sein, wo junge Erwachsene für einige Monate bis mehrere Jahre das Zusammenleben in einer christlichen Gemeinschaft ausprobieren können. Mittlerweile sind die Gründer durch eine zweite Generation abgelöst: Drei der vier Bewohner/innen aus der Schweiz, Frankreich und der Slowakei studieren, eine ist Assistenzärztin. Taizé ist ihnen als Inspirationsfaktor wichtig. «Wir sind ökumenisch und beten einmal pro Tag gemeinsam», berichtet WG-Bewohnerin Rahel Weber. Ab Semesterbeginn halten sie jeden Montag um 12.15 Uhr öffentliche Taizégebete in der Peterskirche, zusätzlich jeden zweiten Mittwochabend um 19 Uhr.

 

Hiesige Jugend blieb distanziert

Etwas ernüchternd fällt die Bilanz von Marcella Criscione von der Fachstelle Jugend bl.bs aus: «Im Jugendbereich ist nicht so viel geblieben. Ich hätte mehr erwartet.» Zur Nacht der Lichter vom 30. November in der Heiliggeistkirche kamen 150 Personen; im Vorfeld des Taizétreffens waren es 300.

Marcella Criscione hat aber beobachtet, dass sich die Pfarreien vermehrt mit der Jugend befassten. Als Beispiel nennt sie Reinach. Wie Gemeindeleiter Diakon Alois Schuler bestätigt, hat im Frühling eine Seniorengruppe aufgrund des Taizétreffens angeregt, in Reinach mehr Aktivitäten für junge Erwachsene zu schaffen. Daraufhin arbeitete Philip Müller von der Regionalstelle Jubla Region Basel ein Konzept aus, das die Schaffung eines Teilpensums für soziokulturelle Animation empfiehlt, um ein Angebot für junge Erwachsene von 16 bis 28 Jahren aufzubauen. Darüber wird die nächste Kirchgemeindeversammlung entscheiden.

 

Wallfahrt mit Taizéliedern

Von einer Reihe Nachwirkungen von Taizé Basel berichtet Diakon Wolfgang Müller aus Dornach. So initiierte eine Gruppe Jugendlicher ein Taizégebet einmal im Monat. Neu gibt es auch eines in Hochwald, etwa dreimal pro Jahr. Der Dornacher Maturand Samuel Stöckli, der das Einladungsvideo für Taizé Basel gedreht hatte, weilte nach dem Treffen für sechs Wochen in Taizé.

Sodann nahm der Wallfahrtsgottesdienst der Region Dorneck-Thierstein vom 1. September in Mariastein das Thema von Basel – «Die Quellen der Freude freilegen» – auf und war ganz mit Taizéliedern gestaltet. Wolfgang Müller weiss auch von anhaltenden Kontakten zwischen den 18 000 jugendlichen Gästen und ihren Gastfamilien, per Brief oder auf den sozialen Netzwerken. Und: «In vielen der 200 teilnehmenden Pfarreien sind die damaligen Gastfamilien jetzt Ansprechpartner bei den Vorbereitungen zu Pfarreianlässen.»

Eher bescheiden ist die Teilnahme am diesjährigen Jugendtreffen in Spanien: Am 27. Dezember startet Müller mit einer Gruppe von zehn Personen aus Basel-Stadt und Baselland zur Reise via Genf nach Madrid. Das sind etwa gleich viele wie bei früheren Treffen vor Taizé Basel. «Da hätte ich etwas mehr erwartet», räumt Diakon Müller ein.

 

Gemeinsames Abendmahl bleibt

«In Liestal gibt es schon seit Jahren ein intensives Taizéleben in der Pfarrei», erklärt Gemeindeleiter Peter Messingschlager. Jeden Freitagmorgen findet ein Taizégebet statt, jedes Jahr fährt über Auffahrt eine Gruppe Jugendlicher nach Taizé. Durch das Treffen in Basel habe Taizé vermehrt auch auf der reformierten Seite Anklang gefunden. So führt nun eine ökumenische Gruppe einmal im Monat ein Taizégebet am Abend durch.

Zum Abschluss des Taizétreffens fand in Liestal am 1. Januar 2018 ein ökumenischer Neujahrsgottesdienst statt. «In diesem Rahmen haben wir erstmals mit allen Kirchen gemeinsam Abendmahl gefeiert», berichtet der katholische Gemeindeleiter. «Noch vor
15 Jahren wäre das nicht möglich gewesen.» Jetzt ist auch im traditionellen ökumenischen Silvestergottesdienst ein gemeinsames Abendmahl angesagt. In der Vorbereitungsgruppe arbeiten Landeskirchen und Freikirchen zusammen. Messingschlagers Bilanz zu Taizé Basel: «Es war ein Energieschub!»

 

Besuch bei Taizégästen aus Kroatien

Eine Basler Gastfamilie besuchte im Sommer ihre damaligen Taizégäste aus Kroatien. Ihr Bericht erscheint jetzt auf der Seite der Pfarrei Heiliggeist in «Kirche heute». Allgemein sei Taizé hier einer breiteren Öffentlichkeit bekannter geworden, ist Dorothee Becker, Seelsorgerin in Heiliggeist, überzeugt. Auch seien die Taizégottesdienste mit dem Pro­jektchor Taizé4you in der Heiliggeistkirche (viermal im Jahr, jeweils an einem Samstagabend) besser besucht als vor dem Treffen.

Christian von Arx