Hoher Besuch im Schulzimmer (v.l.): Andrea Albiez, Rektorin für Religionsunterricht, Regierungsrat Conradin Cramer mit Religionslehrerin Sarah Strobel. | © Regula Vogt-Kohler
07.11.2018 – Aktuell

Kompetenzen mit Inhalt

Neuer Lehrplan für Religionsunterricht an Basler Primarschulen

Die Unterrichtsstunde beginnt im Kreis. Religionslehrerin Sarah Strobel erläutert das Programm der Lektion, bei der sich alles um den heiligen Martin dreht. Blätter zum Ausmalen, Begriffe wie «roter Mantel», «weisses Pferd» und «Bettler», die es zu finden und farbig zu markieren gilt, und ein Lied. «Ein bisschen so wie Martin möcht’ ich manchmal sein …», singen die Buben und Mädchen. Ums Schenken, Teilen, Frieden und Vertrauen geht es da.

Die Geschichte des heiligen Martin ist ein Paradebeispiel christlicher Nächstenliebe – oder das Beispiel eines Menschen, der von der christlichen Botschaft stark beeinflusst ist, wie es der neue Lehrplan für ökumenischen Religionsunterricht an den basel-städtischen Primarschulen formuliert. Das Kennen(lernen) solcher christlich geprägten Figuren gehört ebenso zum Kompetenzbereich «Kirche» wie das Wissen über das Kirchenjahr mit seinen Festen und deren Sinn und Bedeutung.

Im Unterschied zum rein kompetenzorientierten Lehrplan 21 für den staatlichen Unterricht verbindet der neue Lehrplan für den ökumenischen Religionsunterricht die Kompetenzen mit Inhalt. Dieser sei zu rund 50 Prozent verpflichtend, erläutert Andrea Albiez, Rektorin für Religionsunterricht der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt, an einem Medientermin in der Primarschule Wasgenring. Der neue Lehrplan tritt im Sommer 2019 mit Beginn des neuen Schuljahrs 2019/2020 in Kraft. Es ist aber kein Start von Null auf 100. Das aktuelle Jahr sei ein Jahr der Vorbereitung und des Übergangs, erklärt Albiez. «Es ist ein Prozess, auch für die staatlichen Lehrpersonen», sagt Richard Atwood, Rektor für Religionsunterricht der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt.

Mit dem neuen Lehrplan reagieren die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt auf Veränderungen. Zum einen seien Kinder religiös ausgesprochen heterogen und nur noch eine Minderheit sei Mitglied einer christlichen Kirche, zum anderen habe der Staat mit dem Lehrplan 21 die Schulen zur Behandlung des Themas Religion verpflichtet, sagt Albiez.

Der Staat, an diesem Morgen mit Regierungsrat Conradin Cramer, dem Vorsteher des basel-städtischen Erziehungsdepartementes, prominent vertreten, stellt für den kirchlichen Religionsunterricht Räume kostenlos zur Verfügung. Zudem ermöglicht er es, dass der Unterricht in den Stundenplan integriert werden kann, und bezahlt eine Entschädigung für die Kollegiumsarbeit wie zum Beispiel Pausenaufsicht. Die Entlöhnung der Lehrkräfte für den Unterricht hingegen ist Sache der Kirchen.

Was sich die Kirchen in Sachen Religionsunterricht leisten können, hängt von ihrer Finanzlage ab. Die sieht bei den Katholiken besser aus als bei den Reformierten. Eine finanzielle Unterstützung durch den Staat sei aber wegen der klaren Trennung zwischen Kirche und Staat nicht möglich, heisst es von beiden Seiten.

Regula Vogt-Kohler