Am 17. Oktober eröffnete Bischof Felix Gmür in Solothurn den synodalen Prozess. | © Boris Burkhardt, kath.ch
18.10.2021 – Aktuell

«Wie soll die Kirche aussehen? Welche Schritte können wir selber tun?»

In Solothurn startete nach der Eröffnung durch den Bischof gleich die erste Gruppendiskussion

Am Sonntag, 17. Oktober, hat Bischof Felix Gmür den synodalen Prozess im Bistum Basel eröffnet. Nach der feierlichen Bischofsmesse in der Kathedrale von Solothurn beugten sich im Pfarreizentrum zwei Gruppen über die 27 Fragen, die den Gläubigen gestellt sind.

Monatelang liefen im Bistum Basel die Vorbereitungen auf Hochtouren – nun ist es soweit: Der synodale Prozess und die «Wir sind Ohr»-Kampagne haben mit einer Messe des Bischofs in der St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn begonnen.

Die Synode 2023 lade die Gläubigen ein, sich zu überlegen, wie sie ihre Kirche mitgestalten wollten, sagte Bischof Felix Gmür: «Jeder muss sich fragen: Wie nah will ich an der Kirche sein? Wie nah will ich Jesus sein?»

Es geht nicht um Mehrheitsverhältnisse

Dieser Weg könne anstrengend und voller Frust sein, gab Gmür zu. In einer Botschaft zur Eröffnung schreibt der Bischof, es gehe beim synodalen Prozess nicht darum, demokratisch über Mehrheitsverhältnisse abzustimmen: «Gefragt wird nicht nach dem, was man darf; gefragt wird vielmehr nach dem, was hilft, christlich zu leben, was hilft, dem Reich Gottes Gestalt zu geben.»

Bis Ende November sind alle Kirchenmitglieder eingeladen, in Gruppen die Fragen zu besprechen und zu beantworten, die ihnen die Bistümer Basel, Chur und St. Gallen stellen. Themen wie Pflichtzölibat oder Frauenordination kommen darin nicht vor. «Die Fragen sprechen die heissen Eisen nicht an», bestätigt Bischof Gmür in seiner Botschaft.

Allerdings könnten die heissen Eisen durchaus zum Thema werden. Etwa über die Frage: «Wo fühlen Sie sich in der Kirche (als Mann, Frau, Laie, Jugendlicher, queere Person etc.) nicht gehört?»

Gruppengespräch nach dem Gottesdienst

Nach der Messe in Solothurn empfing Carole Imboden (37), Religionspädagogin in St. Ursen, ein gutes Dutzend Gemeindemitglieder im Pfarreizentrum. Das Gespräch über die Themen des Fragebogens begann.

«Wenn es Veränderungen im Kleinen gibt, ist das gut. Aber ich erhoffe mir von dieser Synode nicht, dass wir weltweit in der katholischen Kirche viel verändern können», sagt Carole Imboden. Und: Wenn die Gläubigen offen miteinander ins Gespräch kämen, «werden auch Themen angesprochen, die nicht auf dem Fragebogen stehen», ist sie sich sicher. Ihre Hoffnung sei, dass es den meisten Kirchenmitgliedern nicht schon gleichgültig sei, was mit der Kirche passiere.

Für einen Teilnehmer der Gruppe, Francesco Somaini (71), ist die Synode ein Wendepunkt in der Geschichte der katholischen Kirche: «Wenn die Kirche jetzt nicht ihrer Basis zuhört, wird sich die Kernsubstanz der Gläubigen, die sich an der Kirche Jesu orientiert, abspalten.»

Boris Burkhardt, kath.ch