Familienskilager sind in der Liestaler Pfarrei Bruder Klaus zur Tadition geworden. | © www.rkk-liestal.ch
06.05.2021 – Aktuell

Ein Ort, wo man sich begegnet und Gemeinschaft erlebt

Kirche und Familie: Praktische Erfahrungen in der Familienpastoral

«Die Kirche soll ein Ort sein, an dem sich auch die Kinder und Familien wohlfühlen.» So postuliert es die Familienpost der Pfarreien Arlesheim und Münchenstein. Kerstin Suter (Münchenstein) und Esther Salathé (Liestal) erzählen, wie Familienarbeit vor Ort aussieht.

Wenn man Vater oder Mutter wird, erlebt man Widersprüchliches. Kinder bereichern unser Leben, sie schränken uns aber auch ein. Aus praktischen Gründen verkleinert sich der Radius, innerhalb dessen man sich im Alltag bewegt. Damit gewinnt das lokale Umfeld an Bedeutung. Kein Wunder gelangen die von den Bistümern Basel und St. Gallen vorgelegten «Pastoralen Orientierungen» zur Familienseelsorge zur Feststellung, dass Paar- und Familienthemen «vor allem im lokalen Nahbereich der Menschen eine wichtige Rolle spielen und hier auch für die Pastoral und die Diakonie zum Tragen kommen».

Familienarbeit eigne sich eher nicht für regionale Angebote, sagt Esther Salathé von der Pfarrei Bruder Klaus in Liestal. Zu diesem Schluss sei man gekommen, als man sich bei der Bildung des Pastoralraums Frenke-Ergolz gefragt habe, was man gemeinsam, etwa Liestal mit Oberdorf, machen könnte. Salathé kann aus einem riesigen Erfahrungsschatz schöpfen. Seit 1989 ist sie in Liestal für Familienarbeit zuständig.

Start mit Krabbelgottesdiensten

Dass eine Pfarrei jemanden für Familienarbeit anstellt, war damals exotisch, ist aber auch heute noch die Ausnahme. Begonnen hat es mit einer praktischen Erfahrung. Salathé war als junge Mutter in der Jugendarbeit der Pfarrei tätig und stellte schnell fest, dass es an geeigneten Angeboten für kleine Kinder fehlte. Sie erhielt einen Auftrag und ein 10-Prozent-Pensum und fing an mit Krabbelfeiern. Der Ausbau der Angebote sei im Austausch mit den Familien erfolgt und habe sich sowohl an den Bedürfnissen als auch an den verfügbaren Fähigkeiten orientiert. «Ich filze, also gab ich dann Filzkurse», erzählt Salathé.

Von Anfang an seien viele an die Krabbelgottesdienste gekommen. Etwa 20 Jahre lang lief es konstant, dann kam der Einbruch. «Da ging ich wieder auf die Suche.» Mit der wachsenden Berufstätigkeit der Mütter war die Beanspruchung der Familien unter der Woche so gross geworden, dass viele den Sonntag zur freien Insel erklärten. Eine Bedürfnisabklärung ergab, dass Treffen zwar weiterhin erwünscht waren, aber nicht am Sonntag.

Offene Treffs

Das war der Boden, aus dem der Krabbelmüslitreff für kleine Kinder und ihre Eltern oder Grosseltern wuchs. Das niederschwellige Angebot steht allen offen. Das Programm umfasst Singen, Geschichten, Spielen und Austauschen, und auch kirchliche Feiertage sind ein Thema, dies wohl im Unterschied zu solchen Treffen ausserhalb des kirchlichen Umfelds, sagt Esther Salathé.

Während Kinder- und Familiengottesdienste an vielen Orten mehr oder weniger fixer Teil des pfarreilichen Angebots sind, sind offene Treffs wesentlich seltener. In Münchenstein sei die Initiative von der reformierten Seite ausgegangen, berichtet Kerstin Suter, die in der Pfarrei St. Franz Xaver für Kinder- und Familienarbeit zuständig ist. Nicht zuletzt die Zwangspause wegen Corona hat gezeigt, dass der ökumenische Offene Eltern-Kind-Treff ein willkommener Ort der Begegnung und der Gemeinschaft ist. «Es kommen viele, auch Menschen, die nicht in der Kirche sozialisiert wurden oder anderen Kulturkreisen angehören», sagt Suter.

Kanäle für den Informationsfluss

Wie erfahren die Leute von solchen Angeboten? Wie erreicht man Familien, die nicht am kirchlichen Leben teilnehmen? Ideal sei es, wenn die, die schon mitmachen, in ihrem Umfeld Werbung machen und andere mitbringen, sagt Esther Salathé. In Liestal will man neue Kontakte knüpfen, indem man die neu zur Welt gekommenen Babys begrüsst. «Das ist jetzt in Entstehung. Wir sind dabei, eine Gruppe von Besucherinnen zusammenzustellen.» Bereits institutionalisiert ist die Einladung zu einem Tauferinnerungszmorge ein Jahr nach der Taufe.

Kerstin Suter listet die Kanäle auf, über welche die Informationen verbreitet werden: Flyer, Website, Lokalzeitung, WhatsApp, E-Mail. Vor Corona gab es die Familienpost, eine Broschüre mit einer Gesamtübersicht des Programms. Das Angebot insgesamt sei noch im Aufbau. Während es einzelnes schon länger gebe, sei anderes erst in Prüfung, beispielsweise Optionen für Kinder nach der Erstkommunion, sagt Suter.

Skifahren und Kindertag

Das Angebot in Liestal illustriert, dass Familienarbeit in der Kirche vielfältige Formen annehmen kann. Familienlager zum Beispiel. Auch diese seien aus persönlicher Erfahrung entstanden, sagt Esther Salathé. Wie andere Eltern erlebte sie, dass die Kinder eher zum Wandern zu motivieren sind, wenn Gleichaltrige dabei sind. So gab es zuerst Herbstlager und später auch Schneelager.

Zur Tradition geworden ist in Liestal auch der Kindertag, zu dem alle Kirchen und Freikirchen einladen. Seit 2013 finden sich jedes Jahr Kinder und Eltern zum Fest auf dem Gitterli-Areal ein, und nach der Absage im vergangenen Jahr hoffen nun Esther Salathé und Co. auf die Durchführung des für den 18. September geplanten Kindertags 2021.

Regula Vogt-Kohler