In Basel-Stadt finden die Gottesdienste im gewohnten zeitlichen Rahmen statt (Schaukasten der Pfarrei St. Clara am 11. März 2020). | © Regula Vogt-Kohler
11.03.2020 – Aktuell

Kirchen in Zeiten der Coronakrise

Soziale Anlässe werden abgesagt, die meisten Gottesdienste finden statt

Die Kirchen in der Region Basel haben auf die Bedrohung durch das Coronavirus auf unterschiedliche Weise reagiert. Während im Pastoralraum Basel-Stadt und auch in einer Reihe von Baselbieter Pfarreien die Gottesdienste wie geplant stattfinden, sind im Pastoralraum Birstal alle Gottesdienste abgesagt.  

Das sich immer stärker ausbreitende Coronavirus ist auch für die Kirchen eine grosse Herausforderung. Sie befinden sich in einem Spagat zwischen dem Gebot, die Menschen zu schützen, und dem Auftrag, für die Menschen da zu sein.

Vielerorts werden mindestens soziale Anlässe, teilweise aber auch Gottesdienste abgesagt. Für eine sehr einschränkende Lösung hat sich bereits am 28. Februar der Pastoralraum Birstal entschieden. Am gleichen Tag hatte der Bund die «besondere Lage» gemäss Epidemiegesetz ausgerufen und gestützt darauf Anlässe mit 1000 und mehr Besucherinnen und Besuchern verboten.

Schutz der Risikogruppe und des Personals

«90 bis 100 Prozent der Personen, die unsere Gottesdienste besuchen, gehören der Risikogruppe an», hält Pastoralraumleiter Felix Terrier gegenüber «Kirche heute» fest. Es gehe angesichts der weiteren Verbreitung des Virus aber auch um den Schutz des Personals.

An einer Sitzung mit den Präsidien der neun Kirchgemeinden des Pastoralraums habe es grosse Zustimmung für den Entscheid gegeben. Er persönlich habe verständnisvolle Reaktionen erhalten. Insgesamt hätte sich das Feedback über viele Zwischenstufen von «Gratulation, das war der richtige Entscheid» bis zu «Gerade die heilige Messe würde uns schützen» bewegt.

Kann Kirche in Zeiten von Corona noch Kirche sein? Kirche bestehe nicht nur aus Seelsorgenden oder darin, dass jemand vorne im Altarraum stehe, sagte Terrier. Kirche sei mehr als Gottesdienste. Und die Seelsorge stehe nach wie vor zur Verfügung. So seien zu den Gottesdienstzeiten Seelsorgende in den Kirchen des Pastoralraums anwesend. Das Angebot sei vor allem am ersten Sonntag in Anspruch genommen worden. Es habe Gespräche gegeben, teilweise sei auch gebetet oder Kommunion erteilt worden, berichtet Terrier.

Was Beerdigungen anbelangt, will man sich an der Regelung der Baselbieter Reformierten orientieren. So soll der Anlass so klein wie möglich gehalten und eine Präsenzliste geführt werden, zudem solle möglichst auf Kommunion verzichtet werden.

Gottesdienste im Fernsehen

Das strenge Regime im Pastoralraum Birstal gilt vorderhand bis und mit 19. März: Bis dahin fallen alle Gottesdienste aus. Die Kirchen bleiben für das persönliche Gebet offen, und die Seelsorgenden stehen für persönliche Begegnungen und Gespräche zur Verfügung. Als zusätzliches Angebot hat die Pastoralraumleitung für die nächsten Sonntage mit «regioTVplus» vereinbart, dass am Sonntag jeweils um 9.00, 10.00 und 11.00 Uhr am Fernsehen (Gemeinde TV) ein Gottesdienst ausgestrahlt wird, der zuvor in einer Kirche des Pastoralraumes speziell dafür aufgezeichnet worden ist.

Für die beiden folgenden Wochenenden ist eine neue Regelung in Erarbeitung. Diese soll dann bis und mit Vorabend vor Palmsonntag gelten. Die Publikation erfolgt im nächsten Pfarrblatt, das am 19. März erscheinen wird. Für die Zeit ab Palmsonntag und insbesondere für die Ostertage erhofft sich Terrier Unterstützung durch eine übergeordnete Ebene. Nötig wäre aus Terriers Sicht, dass die Bistumsregionalleitung mindestens für eine Koordination sorgen würde. Es sei weniger wichtig, wie man sich entscheide, als dass man überhaupt entscheide. Mit einem Entscheid zeige man, dass man sich der Problematik bewusst sei.

Abstand halten in Muttenz

Das Bistum Basel hat Empfehlungen für die Durchführung von Gottesdiensten erlassen. Der Spielraum bleibt aber vor allem in den beiden Basel gross. Während es in den Kantonen Aargau und Solothurn für Anlässe ab 150 Personen eine Bewilligung braucht, ist dies im Baselbiet und in Basel-Stadt erst ab 200 Personen nötig. Unter dieser Limite liegt der Entscheid beim Veranstalter vor Ort.

Den Empfehlungen des Bistums folgt auch die Pfarrei Muttenz. Das heisst konkret: Kein Friedensgruss mit Händeschütteln, ein leeres Weihwasserbecken, keine Mundkommunion. Gottesdienste finden jedoch statt. «Ich nehme die Situation sehr ernst», sagt Pfarrer René Hügin und verweist auf die räumlichen Verhältnisse. Die Muttenzer Kirche sei sehr gross. So gross, dass sich an Werktagsgottesdiensten die Menschen sehr gut verteilen. Zudem seien jetzt weisse Markierungen angebracht worden, welche es den Leuten erleichtern, den gebotenen Abstand einzuhalten. Man setzt einerseits auf Eigenverantwortung, andererseits gibt man den Leuten auch Anweisungen. Grösseren Zulauf von auswärts hat Hügin nicht beobachten können.

Während es liturgisch normal läuft, gibt es aber auch in Muttenz Absagen. So führt nun die Reise der Firmlinge statt nach Assisi nach Saint-Maurice, und der Gottesdienst der Firmpaten/-patinnen findet am Sonntag, 15. März, ohne Sänger und Liedermacher Toby Meyer statt.

Kraft aus dem Glauben

Auch im Pastoralraum Basel-Stadt finden weiterhin Gottesdienste im gewohnten zeitlichen Rahmen statt, unter Einhaltung der Empfehlungen des Bistums. Das Ziel sei klar, sagt Stefan Kemmler, Pfarrer und Leiter des Pastoralraums: Menschen sollen die Möglichkeit haben, in Gottesdiensten Kraft aus dem Glauben zu schöpfen.

Die Obergrenze von 200 Personen sei im Normalfall kein Problem. Anders sehe es hingegen für Ostern aus. Dann müsse die Situation neu beurteilt werden und, wenn nötig, seien Bewilligungen beim Kanton einzuholen. Und natürlich sei alles von den jeweils aktuellen Direktiven abhängig. «Wir müssen die Regeln einhalten, wie alle anderen», sagt Kemmler.

Regula Vogt-Kohler

 

Die Informationsplattformen der Kantone im Verbreitungsgebiet von «Kirche heute»:

Aargau

Basel-Landschaft

Basel-Stadt

Solothurn

 

Hier gibt es weitere Informationen zu folgenden Aspekten:

Wie schützen wir uns? Detaillierte Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit

Wie machen es die Reformierten?

Zur Thematik: Warum wir das Coronavirus unterschätzen