Auch mal ausruhen, Pause machen, nachdenken: Auch das wollen uns die Psalmen sagen. | © Alfred Heiler/pixelio.de
18.04.2019 – Impuls

PSALM 90 (89), 3–4.5–6.12–13.14 u. 17

Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück! Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.

Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst: Am Morgen blüht es auf und wächst empor, am Abend wird es welk und verdorrt.

Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz. Kehre doch um, Herr! – Wie lange noch? Um deiner Knechte willen lass es dich reuen!

Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.

Güte und Schönheit des Herrn, unseres ­Gottes, sei über uns! Lass gedeihen das Werk unserer Hände, ja, das Werk unserer Hände lass gedeihn!          

Einheitsübersetzung 2016

 

Aus dem Hamsterrad ausbrechen

Bis heute habe ich das Glück, dass ich in meinem Leben einer Arbeit nachgehen kann, die mir Freude und Genugtuung bereitet. Und ich musste mich, abgesehen von einigen wenigen Tätigkeiten, die mit der jeweiligen Arbeit zusammenhingen, nie zum Arbeiten zwingen. Das hat dazu geführt, dass ich freiwillig immer mehr gearbeitet habe, als von mir eigentlich erwartet worden ist.

Kürzlich sah ich im Fernsehen eine Reportage über das Leben eines Müssiggängers, der nur so viel arbeitet, wie er zum Leben braucht. Eine Aussage von ihm liess mich aufhorchen. Arbeit empfinde er als Zwang in der Hinsicht, dass man «gezwungen ist zu arbeiten, um das zu tun, was man eigentlich tut, nämlich leben».

So hatte ich das noch nie angeschaut. Als Bauernsohn habe ich mit meiner Familie immer gearbeitet, nach Bedarf des Hofes, und es war klar, dass im Sommer die Tage länger waren als im Winter. Als Mechanikerlehrling hat mir mein Arbeitgeber gesagt, wieviel ich in der Woche zu arbeiten hatte und ob beispielsweise am Samstagmorgen zusätzlich zu arbeiten war oder nicht. Auch im Militär und der Schweizergarde gab es Dienstpläne, die mir avisierten, wann ich wo zu sein hatte und für wie lange. Und so ging das weiter in meinem Leben. Nie habe ich mir die Frage gestellt, «Wie viel will ich arbeiten?» oder «Wie viel Arbeit brauche ich zum Leben?».

Wie mag es dem hl. Josef in seinem Leben ergangen sein? Hat er Zeit gehabt, sich solchen Fragen zu stellen? Ich vermute, dass auch er in eine Situation «hineingeboren» wurde, die ihm Traditionen vorgegeben haben. Bestimmt war schon sein Vater Zimmermann. Josef ist, ohne viel zu überlegen, in dessen Fussstapfen getreten. Das, was uns die Bibel von ihm überliefert, sind ja nur ein paar wenige Fragmente, und ich kann nicht sagen, dass er mir hieraus besonders als Vorbild für meine Fragen dient. Er erscheint mir als Mann und Arbeiter zu wenig fordernd und in dem Wenigen, was über ihn erzählt wird, als zu angepasst. Er tut einfach das, was man von ihm verlangt.

Das passt in meinen Augen sehr zu dem, was von uns gesellschaftlich erwartet wird. Ich sehe es bei meinen Kindern. Schulzeit nimmt für sich in Anspruch, auf das Leben vorzubereiten. Oft geht es jedoch mehr darum, in ein System hineinzuwachsen, sich anzupassen und zu tun, was von einem verlangt wird. Bis zu einem gewissen Grad finde ich das noch in Ordnung. Aber wir dürfen bei aller Angepasstheit nicht vergessen, worum es im Leben wirklich geht.

Der Psalm zum Gedenktag des hl. Josef schildert den Menschen, wie er den Gezeiten des Lebens unterworfen ist. Wir sollen über die Vergänglichkeit und über die Bedeutung des Lebens nachdenken. Es geht nicht darum, das Leben angepasst im Hamsterrad zu verbringen. Vielmehr sollen wir darauf vertrauen, dass Gott mit uns ist, und dass er unsere Arbeit zur Entfaltung bringt. Das nimmt Leistungsdruck, soll uns entspannen und erfreuen! Daran werde ich denken, wenn ich das nächste Mal mit einer Tasse Kaffee im Garten sitze.

Mathias Jäggi, Theologe und Sozialarbeiter, arbeitet als Berufsschullehrer und Fachhochschuldozent