Ausgabe 45, 4. bis 10. November 2017

Adrian Bolzern (38) betreut seit drei Jahren als Circuspfarrer Schausteller, Markthändler und Circus-Mitarbeitende in der ganzen Schweiz. (Foto: Christian von Arx) Adrian Bolzern (38) betreut seit drei Jahren als Circuspfarrer Schausteller, Markthändler und Circus-Mitarbeitende in der ganzen Schweiz. (Foto: Christian von Arx)

Mit dem Circuspfarrer an der Mäss

An der Basler Herbstmesse ist Adrian Bolzern als Seelsorger im Einsatz

An der Basler Herbstmesse ist auch die Kirche präsent. Am Sonntag, 5. November, um 10 Uhr, feiert Circuspfarrer Adrian Bolzern einen ökumenischen Gottesdienst bei der Autoscooterbahn auf dem Kasernen­areal. ­

«Traditionell waren die Chilbi-Gottesdienste für die Schausteller gedacht», erzählt Adrian Bolzern. «Heute werden sie vor allem vom Publikum besucht.» An der Mäss ersetzt die Putschautobahn den Kirchenraum, die Musik kommt aus der Drehorgel, und der Jugendcircus Basilisk steuert eine Nummer bei. Den ökumenischen Wortgottesdienst gestaltet der katholische Circuspfarrer zusammen mit seiner evangelischen Kollegin Katharina Hoby. «Nachher offerieren die Schausteller einen grossartigen Apéro», verspricht Bolzern mit leuchtenden Augen.

Während der Herbstmesse nimmt sich Adrian Bolzern zwei Tage Zeit, um Schausteller, Magenbrötler und Mässmogge-Verkäufer zu besuchen. An ihren Arbeitsplätzen auf Bahnen und an Ständen redet er mit ihnen: übers Geschäft, übers Personal, über Persönliches. Mit ihrem Beruf wäre es ihnen nicht möglich, in einer Pfarrei mitzumachen. Durch den jetzigen Papst fühlt sich Bolzern ermutigt: «Franziskus hat gesagt: Geht an die Ränder der Welt.»

«Es sind kernige Menschen, sie reden direkt heraus», beschreibt Adrian Bolzern den Typus des Schaustellers. Mit allzu traditionellen Vorstellungen etwa über Geschiedene und Wiederverheiratete, über Treue und den Umgang miteinander käme er hier nicht weit. «Aber sie sind herzlich und grosszügig», fährt er fort. «Sie helfen dir, wenn du ‹im Seich› bist, und sie helfen einander.»

In den Einzelgesprächen erfährt der Circuspfarrer, wenn die Geburt eines Kindes und eine Taufe bevorstehen oder wenn eine Trauung gewünscht wird. Auch Beerdigungen übernimmt er. Wird ein neuer «Spin-Tower», «Burner» oder «Drifting Coaster» in Betrieb genommen, wird oft eine Einsegnung durch den Pfarrer gewünscht. «Die meisten wollen das», berichtet er, «denn sie wissen, dass sie von äusseren Umständen abhängig sind.»

An der Basler Herbstmesse gibt es für Adrian Bolzern zwei weitere Highlights: Den Soggeball für das Personal der Schausteller und den Mäss-Hogg mit den Chefs. Beim Soggeball der (reformierten) Basler Bibelgesellschaft am späten Abend des 2. Montags erhalten die Angestellten der Schausteller nicht nur warme Socken für die Arbeit an den kalten Tagen, sondern auch ein feines Essen. «Der Anlass beruht auf einer zutiefst christlichen Überzeugung», meint der Circuspfarrer. So hilft er mit seiner reformierten Kollegin Katharina Hoby am Soggeball im Service mit.

Adrian Bolzern hat seine Schulzeit in Dittingen und Zwingen verbracht und vier Jahre als Katechet und Jugendarbeiter in der Pfarrei Reinach gearbeitet. Circuspfarrer im Auftrag der Schweizerischen Bischofskonferenz ist der 38-Jährige seit drei Jahren. Die 50-Prozent-Stelle bezahlt bisher die private Philipp-Neri-Stiftung, die sich durch Spenden finanziert. Zur andern Hälfte ist Bolzern als Kaplan an der Stadtpfarrei Peter und Paul in Aarau tätig. Auch dort will er, dass die Besucher seine Gottesdienste mit einem Lachen im Gesicht verlassen.

Christian von Arx

 

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