14.01.2021 – Editorial

Zehn Jahre Bischof Felix

Ein Kriminalfall wars, der mir vor zehn Jahre die Gelegenheit verschaffte, die Weihe von Bischof Felix Gmür mitzuerleben. Sie erinnern sich vielleicht: Am Jahresanfang 2011, wenige Tage vor dem feierlichen Akt, legte ein Brandstifter Feuer in der Solothurner St.-Ursen-Kathedrale. Obwohl die Feuerwehr die Flammen rasch erstickte, machten die Schäden durch Rauch und Russ die Benützung der Bischofskirche für längere Zeit unmöglich. Schnell wurde ein genügend grosser Kirchenraum gesucht, zum Zug kam die Martinskirche in Olten. Für mich ein Glücksfall! Mein damaliger Arbeitsplatz lag hundert Meter neben den Türmen von St. Martin. Dieser Standortvorteil kam mir zugute: Statt der Redaktionskollegen aus Solothurn durfte ich über die Weihe berichten.

Weiss Gott, das war nichts Alltägliches. Dreieinhalb Stunden dauerte die Zeremonie, mehr als tausend Anwesende sassen oder standen in der Kirche. Viele beteten oder sangen mit – angesichts der Einschränkungen dieser Tage löst die Szenerie bei mir Wehmut aus. Ein Kardinal, vier Erzbischöfe und 35 Bischöfe und Äbte zogen ein, auch Kirchenführer anderer Konfessionen waren der Einladung gefolgt. Als Bundespräsidentin vertrat Micheline Calmy-Rey die Landesregierung. Noch in der Erinnerung ergreift mich die von der Kantorin vorgetragene Allerheiligenlitanei. Aus den vielen Namen hörte ich heraus: Heiliger Ragnachar, bitte für uns! Ragnachar war ein Vorgänger von Bischof Felix im 7. Jahrhundert, der vielleicht noch in Kaiseraugst residierte. Der Gesang liess eine 1400-jährige Tradition erahnen …

In meinem Zeitungsbericht dominierten aber nicht Feierlichkeit und Zeremoniell: «Je länger die Bischofsweihe dauerte, desto fröhlicher wurde sie», heisst es da. Von entspannter Heiterkeit ist die Rede, am Ende hätten die tausend Gesichter gelacht und gestrahlt. Das hatte mit der Person des neuen Bischofs zu tun. Im Kreis der ergrauten Würdenträger prägte der damals 44-Jährige mit seinem Schalk die Stimmung.

Und heute? Seit zehn Jahren führt Bischof Felix Gmür das Bistum Basel mit mehr als 500 Pfarreien in zehn Kantonen, inzwischen in 80 Pastoralräumen zusammengefasst. Die meisten Aufgaben, die damals auf ihn warteten, sind nicht kleiner geworden, andere sind hinzugekommen. Einige davon spricht er in seinem Hirtenwort zum kommenden Sonntag an. Wünschen wir ihm, dass er die Heiterkeit von seiner Bischofsweihe behält und seine Umgebung damit anstecken kann. Wir brauchen sie in dieser Zeit.

Christian von Arx