Plakate mit Papst Franziskus machen im Bistum Basel (allerdings nicht in der Stadt Basel) neugierig auf den synodalen Prozess. | © zVg/Bistum Basel
23.09.2021 – Aktuell

Von unten her über die Zukunft der Kirche mitreden – geht das?

«Wir sind ganz Ohr»: Bischof Felix Gmür startet Kampagne zum synodalen Prozess

Mit einer Plakatkampagne und der neuen Website wir-sind-ohr.ch wirbt das Bistum Basel für die Gruppengespräche zur Zukunft der Kirche, die vom 17. Oktober bis 30. November stattfinden werden.

In wenigen Wochen beginnt im Bistum Basel eine «Übung», für die es kein Beispiel gibt: Alle Gläubigen können sich in Gruppen zusammentun und Eingaben zur Zukunft der Kirche machen. Die Fragen dazu kommen aus Rom, werden aber vom Bistum ergänzt. Die Antworten der Gruppen werden online eingegeben und im Auftrag des Bistums vom Forschungsinstitut gfs.bern ausgewertet.

An dieser Basisbefragung sollen so viele Kirchenmitglieder wie möglich mitmachen, wünscht sich Bischof Felix Gmür: Auch die «Stillen im Lande», die sich selten oder nie zu Wort melden. Seit Mitte September macht das Bistum Basel mit der Plakatkampagne «Wir sind ganz Ohr für Ihre Stimme» neugierig darauf.

An der Plakatkampagne beteiligen sich die Landeskirchen in acht der zehn Bistumskantone, darunter AG, BL und SO. Nebst dem französischsprachigen Jura fehlt ausgerechnet Basel-Stadt. Matthias Schmitz, der Sprecher des Kirchenrats der RKK BS, erklärt auf Anfrage dazu, der Kirchenrat habe die finanzielle Unterstützung abgelehnt, weil in Basel nur ein Plakat geplant gewesen sei (in Baselland drei) und schon die grössere Kampagne «Alles drin» nur knapp genügend Aufmerksamkeit erzielt habe. Pfarreien könnten aber trotzdem Plakate bestellen, betont Schmitz. Und: Bei der Umfrage unter den Gläubigen sei Basel-Stadt natürlich dabei.

Der Information über den ganzen synodalen Prozess dient die neue Website www.wir-sind-ohr.ch. Dort findet sich auch das Vorbereitungsdokument des Vatikans für die Weltbischofssynode 2023. Ab 17. Oktober werden die Fragen des Bistums aufgeschaltet.

Christian von Arx

 

«Das ist doch etwas Einzigartiges»

Im Interview mit kath.ch äussert sich Hansruedi Huber, Sprecher von Bischof Felix Gmür, zur Umfrage des Bistums Basel vom 17. Oktober bis 30. November.

Am 17. Oktober werden Sie die Fragen online aufschalten, die die Gläubigen diskutieren sollen. Verraten Sie uns die erste Frage?

Hansruedi Huber: Die Fragen liegen noch bei gfs.bern und müssen für die Umfrageplattform aufgearbeitet werden. Wir wollen wissen, wie die Menschen die Kirche erleben. Wer sind beispielsweise die Weggefährten, wer sind die Ausgeschlossenen?

Die Fragen sollen in einer Gruppe von mindestens fünf Menschen beantwortet werden. Warum?

Der synodale Prozess ist keine Demoskopie, sondern ein dialogischer Prozess, bei dem um Antworten gerungen werden soll. Wichtig ist dabei die Stärkung des Zusammenhalts. Der Papst will, dass wir alle miteinander ins Gespräch kommen. Daher die Gruppenarbeit. Ob das jetzt fünf oder 15 Menschen sind, spielt keine Rolle.

Warum sollte eine progressive Katholikin im Bistum Basel an der Umfrage teilnehmen?

Weil die Antworten helfen, die Kirche weiterzuentwickeln. Zudem ist es ein spiritueller Prozess mit globaler Einbindung. Das ist doch etwas Einzigartiges.

Trotzdem wird es am Ende Enttäuschungen geben. Wie motivieren Sie, dass wirklich alle mitmachen – auch wenn schon jetzt feststeht, dass es kein Ja zum Frauenpriestertum geben wird?

Es ist ein offener Prozess. Wenn wir wüssten, was dabei rauskommt, wäre es ja nicht wirklich spannend. Wenn sich der Papst nicht ernsthaft mit der Wirklichkeit auseinandersetzen wollte, hätte er nie und nimmer einen solch aufwändigen Prozess lanciert. Enttäuschungen und Überraschungen – beides ist möglich.

Werden Sie die Ergebnisse transparent kommunizieren?

Natürlich. Die Resultate von gfs.bern werden direkt veröffentlicht. Es ist ein offener Prozess. Es gilt, die Wirklichkeit zu anerkennen.

Interview: Raphael Rauch (vollständige Fassung auf kath.ch)