Der Blasiussegen: Ein magischer Moment – und trotzdem blieb ein leichter Zweifel. | © KNA-Bild
28.01.2021 – Impuls

Markus 16,17–18

Durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Einheitsübersetzung 2016

 

Wie hilft der heilige Blasius gegen Corona?

Die Kirche war abgedunkelt an diesem Abend im Februar und erschien mir dadurch düster und noch grösser als sonst. Mich fröstelte leicht. Ich setzte mich neben meinen Vater in die Bank. Auf der Frauenseite erblickte ich meine Grosstante, betend in ein Buch vertieft. Sie war ledig und mein frommes Vorbild. Oft lag ich bei ihr auf dem Bett und sie erzählte mir Geschichten von früher oder von den Heiligen. So war sie die Erste, die mir auch vom heiligen Blasius erzählte und von seiner Hilfe für den Knaben, der an Fischgräten zu ersticken drohte. Ich war echt beeindruckt und begeistert vom heiligen Blasius, dass er diesem Kind geholfen hatte. Das war wirklich nett von ihm!

Wenn ich also heute den Blasiussegen bekommen würde, so war ich kindlich überzeugt, dann bekäme ich kein Halsweh mehr, und schon gar nicht etwas Gröberes wie den Mumps oder so etwas. Endlich war es so weit und mein Vater stand auf, um nach vorne zum Pfarrer zu gehen. Ich folgte ihm und öffnete meine Jacke ein wenig. Pfarrer Thüring berührte mit zwei dünnen, kalten weissen Kerzen meinen Hals und sprach das Segensgebet. Es war ein magischer Moment und trotzdem blieb ein leichter Zweifel, ob das nun wirklich helfen würde …

Und jetzt beschäftigt uns dieses Corona und wir hoffen als Gesellschaft darauf, dass wir Herr über die Pandemie werden, dass die Impfung über das Virus siegt, das uns so unerwartet die Zerbrechlichkeit des Lebens vor Augen führt. Ich beobachte zwei extreme Reaktionen in meinem Bekanntenkreis: Die einen trauen sich kaum noch aus dem Haus, gehen auf Distanz und blocken ab; die anderen spielen es herunter und weigern sich, wo und wie sie können, die Maske zu tragen. Psychologisch betrachtet sind beide Bewältigungsstrategien ein Versuch, mit Unsicherheit umzugehen. Die einen versuchen es mit Rückzug und Flucht, die anderen mit Bagatellisieren. Bei beidem bleibt mir jedoch der Zweifel, ob das nun wirklich hilft.

So vieles vermissen wir: Kontakte zu Menschen, die uns gut tun, Freizeitaktivitäten, die unmöglich geworden sind, ungehindertes Reisen, geliebte Gewohnheiten, die wir teilweise ablegen müssen oder nicht mehr vollumfänglich ausüben können. Das alles sind Einschränkungen, und wir sind gezwungen, einen neuen Ausgleich zu finden. Auf meinen Spaziergängen treffe ich auffällig viele Menschen, die sich in der Natur bewegen, beim Wandern oder Schlitteln. Persönlich überlege ich, mit meinen lieben Freunden und Bekannten um die Sonnenwende herum ein Sommernachtsfest zu organisieren, und halte mich innerlich an der Vorfreude fest. Wohltuend finde ich auch, wenn wir bei der Arbeit gemeinsam lachen können über komische Situationen im Berufsalltag. Ich merke, dass alles, was mir positive Gefühle verleiht, gut tut. Wenn das gelingt, dann bin ich überzeugt, dass der durch Corona ausgelöste innere Stress positiv bewältigt werden kann.

Auch der Glaube kann so eine Ressource sein. Als Christen vertrauen wir darauf, dass wir nicht allein unterwegs sind, sondern dass Gott den Weg mit uns geht. Glaube muss ja nicht gleich als Magie verstanden werden, die uns vor Schaden bewahrt, sondern eher als eine positive Kraft, die unser Vertrauen und unsere Zuversicht stärkt. Meine Grosstante strahlte jedenfalls so etwas auf mich aus und pflegte auch in schwierigen Situationen oft zu sagen: «Es wird schon werden …!»

Mathias Jäggi, Theologe und Sozialarbeiter, arbeitet als Berufsschullehrer