Um sie zum Beispiel geht es: Jugendliche am Bistumstreffen 2017 in Basel. | © Michael Stahl
08.04.2019 – Aktuell

Was der Papst von den jungen Menschen erwartet

«Christus vivit»: In seinem Schreiben nach der Bischofssynode über die Jugend ruft Franziskus nach Veränderung

Papst Franziskus hat ein umfassendes ­Schreiben an Jugendliche in aller Welt gerichtet und sie darin zu eigenen Sichtweisen und Veränderung ermutigt. Die Kirche mahnte er, «Fragen der Jugendlichen in all ihrer Neuheit zuzulassen und die in ihnen liegende Provokation zu begreifen».

 

Der Papst veröffentlichte sein 60-seitiges Dokument im Nachgang zu einer dreiwöchigen Bischofssynode, die im Oktober 2018 zum Thema Jugend in Rom tagte. Das Nachsynodale Apostolische Schreiben mit dem Titel «Christus vivit» (Christus lebt) wurde am 2. April im Vatikan vorgestellt.

In dem Dokument geht der Papst auf Herausforderungen einer «jungen Kirche» und die Lebenssituation junger Menschen mit ihren Schwierigkeiten ein. Dabei thematisiert er auch die Beziehung verschiedener Generationen und nötige Änderungen in der Jugendseelsorge. Er bekräftigt das christliche Bild von Ehe und Familie.

Die Kirche müsse «demütig zugeben, dass sich einige Dinge ändern müssen», schreibt Franziskus. Er verlangt den Mut, «anders zu sein, andere Träume zu zeigen, die die Welt nicht geben kann», insbesondere im Kampf für Gerechtigkeit und Gemeinwohl sowie Zuwendung zu den Armen. «Bitten wir den Herrn, er möge die Kirche von denen befreien, die die Kirche alt machen, sie auf die Vergangenheit festnageln, bremsen und unbeweglich machen wollen», so der Papst wörtlich. Zugleich wandte er sich gegen Anpassung an den Zeitgeist.

Neben sozialer Not, Jugendarbeitslosigkeit, der Digitalisierung und der Migration geht Franziskus auch auf den Missbrauchsskandal ein. Dabei dankte er erneut den Opfern, die «den Mut haben, das Schlimme, das sie erlitten haben, öffentlich anzuklagen». Die Krise könne für die Kirche mit Hilfe der jungen Menschen «eine Chance für eine Reform von epochaler Tragweite sein».

 

«Setzt etwas aufs Spiel, auch wenn ihr Fehler machen werdet»

Nachstehend ausgewählte Abschnitte aus dem Papstschreiben «Christus vivit» (Christus lebt) in der offiziellen deutschen Übersetzung des Vatikans.

1. Christus lebt. Er ist unsere Hoffnung, und er ist die schönste Jugend dieser Welt. Alles, was er berührt, verjüngt sich, wird neu, füllt sich mit Leben. Die ersten Worte, die ich also an jeden Einzelnen von euch jungen Christen richten möchte, lauten: Er lebt und er will, dass du lebendig bist!

2. Er ist in dir, er ist bei dir und verlässt dich nie. So sehr du dich auch entfernen magst, der Auferstandene ist an deiner Seite; er ruft dich und wartet auf dich, um neu zu beginnen. Wenn du dich aus Traurigkeit oder Groll, Furcht, Zweifel oder Versagen alt fühlst, wird er da sein, um dir Kraft und Hoffnung zurückzugeben.

143. Liebe junge Menschen, verzichtet nicht auf das Beste an eurer Jugend, beobachtet das Leben nicht von einem Balkon aus. Verwechselt das Glück nicht mit einem Sofa und verbringt nicht euer ganzes Leben vor einem Bildschirm. (…) Seid nicht wie abgestellte Autos, lasst lieber eure Träume aufblühen und trefft Entscheidungen. Setzt etwas aufs Spiel, auch wenn ihr Fehler machen werdet. Seid nicht blosse Überlebende mit einer narkotisierten Seele und schaut nicht die Welt an, als ob ihr Touristen wärt. Lasst von euch hören! Werft die Ängste, die euch lähmen, über Bord, damit ihr euch nicht in jugendliche Mumien verwandelt. Lebt! Widmet euch dem Besten des Lebens! Öffnet die Käfigtür und fliegt hinaus! Geht bitte nicht schon vorzeitig in den Ruhestand.

174. (…) Aber vor allem kämpft auf jegliche Art für das Gemeinwohl, seid Diener der Armen, seid Protagonisten der Revolution der Liebe und des Dienstes, die fähig sind, den Pathologien des konsumistischen und oberflächlichen Individualismus entgegenzutreten.

299. Liebe junge Menschen, es wird meine Freude sein, euch schneller laufen zu sehen als jene, die langsam und ängstlich sind. Lauft «angezogen von jenem so sehr geliebten Antlitz, das wir in der heiligsten Eucharistie anbeten und im Fleisch der leidenden Brüder und Schwestern erkennen. Der Heilige Geist möge euch bei diesem Lauf antreiben. Die Kirche bedarf eures Schwungs, eurer Intuitionen, eures Glaubens. Wir brauchen das! Und wenn ihr dort ankommt, wo wir noch nicht angekommen sind, habt bitte die Geduld, auf uns zu warten.»

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