An der Seelisberger Konferenz von 1947 zeichnete sich die Wende in der Einstellung der Christen zu den Juden ab. | © Archiv für Zeitgeschichte ETHZ: IB Junia-Archiv / 853
20.10.2021 – Aktuell

Der christliche Antisemitismus und die Folgen

Vortrag in Basel zur christlich-jüdischen Geschichte in Westeuropa

Über kirchenpolitische Auseinandersetzungen hinweg waren sich viele Päpste und weltliche Herrscher in ihrem Antijudaismus einig. Im christlichen Bewusstsein waren die Juden die Unterlegenen, die zu taufen seien. Die Christen wären als Erben einer ermordeten jüdischen Welt übriggeblieben. Die deutschen Nationalsozialisten griffen die tiefsitzenden, Jahrhunderte alten Vorurteile gegen die Juden gern auf. Kirchenleute applaudierten ihnen oder ignorierten weitgehend den ihnen bekannten Holocaust. Im Mittelpunkt der Kritik steht das Schweigen des Papstes Pius XII. (im Amt von 1939 bis 1958). Durch die im März 2020 erfolgte vorzeitige Öffnung des vatikanischen Geheimarchivs zu Pius XII. wurde die Diskussion, auch um die geplante Seligsprechung dieses Papstes, neu belebt.

Antijudaismus als Wurzel der Schoah

In seinem bebilderten Vortrag in Basel skizziert Peter Hertel die christlich-jüdische Geschichte in Westeuropa sowie Traditionslinien zwischen dem politisch-sozialen Rassen-Antisemitismus und dem Antijudaismus, der für ihn eine Wurzel der Schoah war. Nicht die Theologie, sondern die Katastrophe von Auschwitz brachte die Wende, wie es bereits 1947 auf einer Konferenz in Seelisberg sichtbar wurde. Ihr Umdenken beflügelte einen radikalen Neustart auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In den Kirchen von heute, so der Autor, sei die christliche Judenfeindschaft überwunden. Belastende Irritationen gebe es aber weiterhin.

Peter Hertel ist Theologe, Journalist und Buchautor. Als Radioredaktor war er unter anderem für das Judentum zuständig. kh

Warum schwieg Pius XII.? Der christliche Antisemitismus und die Folgen. Vortrag von Peter Hertel, Bildpräsentation Christiane Buddenberg-Hertel. Montag, 25. Oktober, 19 Uhr, in der Predigerkirche, Totentanz 19, Basel. Ein Vortrag der Zeitschrift «aufbruch» in Kooperation mit der Christkatholischen Kirche Basel-Stadt. Eintritt frei, nur mit gültigem Corona-Zertifikat. Kollekte.