Bei der Papstmesse herrschte fröhliche Stimmung in der Halle – wie bei dieser ökumenischen Gruppe von Schwerhörigen aus der Region Genf. (Foto: Joanna Lindén-Montes/WCC)
28.06.2018 – Hintergrund

«Vergesst nicht, für mich zu beten»

Besucherinnen und Besucher aus der Nordwestschweiz zeigen sich berührt von Messe mit Papst Franziskus in Genf

Christine Frei, Möhlin: «Es war ein sehr emotionales und stärkendes Erlebnis für mich, mit Papst Franziskus und unzähligen Gläubigen gemeinsam eine Messe in so vielen Sprachen feiern zu dürfen. Noch nie habe ich so tief empfunden beim Empfangen der Kommunion. Dass der Papst so nah an mir vorbeifuhr, hat mich sehr berührt. Es war einfach unbeschreiblich.»

Slavka Miličevič, Halina Wolski und Andelka Rask, Basel: «Wir sind mit grossen Erwartungen nach Genf gepilgert, weil es unsere erste Begegnung mit Papst Franziskus war. Die Menge der Menschen, die zum Papst kam, hat uns begeistert. Man sieht, dass die Kirche in der Schweiz noch lebt. Die Begrüssung von Bischof Charles Morerod an die Pilger aus verschiedenen Ländern war faszinierend. Es wurde deutlich, dass die Schweiz multikulturell und weltoffen ist. Die Botschaft des Papstes war die Vergebung, Bruderschaft und der Ruf nach einem einfachen Leben. Es war ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.»

Manuel Mühlebach, Basel: «Mich beeindruckte die friedliche Stimmung, die der Papst ausstrahlte und die sich auf die Gläubigen übertrug. Von Papst Franziskus’ Predigt nehme ich mit, dass man einander vergeben sollte. Durch die Vergebung zeigt Gott seine Liebe und seine Barmherzigkeit jedem Einzelnen.»

Anna Luisa Wälti, Dornach: «Ich war sehr beeindruckt, den Papst nah zu erleben, seiner Freundlichkeit und Zuwendung zu den Menschen so nah zu sein. Die Eucharistiefeier war schlicht und würdig, mit schönen Gesängen und Musik. Der Papst wählte einfach das Evangelium des Tages und nahm Bezug auf den Tagesheiligen Aloysius Gonzaga. Nach der Zusage des Papstes, für uns zu beten, hat er nicht vergessen, uns zu bitten, auch für ihn zu beten. Das kam bei mir sehr glaubwürdig an. – Enttäuscht war ich, als ich am Bahnhof erfuhr, dass die Theologinnen in Albe in Genf nicht gemeinsam mit den Priestern und Diakonen auftreten durften. Die Seelsorgerinnen sind eine Realität in der Schweizer Kirche, das sollte man nicht verstecken, wenn der Papst kommt.»

Béatrix von Sury, Reinach: «‹Vergesst nicht, für mich zu beten.› Was für ein bewegender Moment am Ende der Eucharistiefeier. Diese Worte werden sich in meinem Herzen einprägen, nebst dem für alle ergreifenden Moment, als der Papst an uns mit seinem Papamobil vorbeifuhr. In Genf waren alle Kulturen und Nationen im Glauben und Frieden verbunden. Wäre dies nur überall so.»

Stefan Kemmler, Pfarrer in St. Anton und Leiter des Pastoralraums Basel-Stadt, organisierte eine Reise mit vier Bussen für 170 Personen aus Stadt und Agglomeration Basel zur Papstmesse in Genf. «Die Ministranten und Familien prägten die Stimmung in der Gruppe.» Unmittelbar nach der Messe hatte er dank seiner nebenamtlichen Tätigkeit Gelegenheit zu einer kurzen Begegnung mit dem Papst: «Etwa 80 Mitarbeitende der beiden Nuntiaturen in Bern und Genf wurden dem Papst kurz vorgestellt», berichtet Kemmler. «Es war beeindruckend, wie wach und aufmerksam er auch diesen Teil seines Programms absolvierte. Franziskus bat unsere Nuntiatur, eine Messe für ihn zu feiern.»

Pfarrer Wieslaw Reglinski aus Gretzenbach reiste mit 25 Personen aus seinem Pastoralraum Niederamt nach Genf. In der Halle wurde er spontan gebeten, als Beichtvater auszuhelfen. So habe er von 15 bis 18 Uhr Beichten gehört, auf Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch und Polnisch. «Das war für mich das Highlight dieses Tages, es war sehr emotional», berichtet Reglinski. Nach drei Stunden Beichte hören habe er gewusst: «Das ist nicht nur ein Event, sondern die Leute sind wirklich nach Genf gepilgert. Bei vielen sind Tränen geflossen.» Er war nicht rechtzeitig bereit, um als Priester bei der Messe zu konzelebrieren, die Beichten seien wichtiger gewesen. Immerhin konnte er mithelfen, die Kommunion auszuteilen. Der Pastoralraumpfarrer räumt ein, dass die unterschiedlichen Messgewänder sichtbar machten, dass die Kirche stark hierarchisch ist. «Das ist eigentlich nicht im Sinn von Franziskus», glaubt Wieslaw Reglinski und fügt bei: «Es war ein Treffen mit Jesus, nicht nur mit Franziskus. Jesus war da in dem Saal.»

Christian von Arx

REISE ZUR «MISA CON EL PAPA»

Martin Restelli aus Starrkirch-Wil berichtet: «Die Spanische Mission nahm mich als Südamerika-Fan mit nach Genf zur ‹Misa con el Papa›. Schon im Bus wurde gebetet und die Musik stimmte uns ein. Das imposante Bühnenbild, das in der Palexpo-Halle aufgebaut wurde, erinnerte mich im ersten Moment eher an eine Schweizer Käsewerbung, änderte aber seine Wirkung und der Christus am Kreuz begegnete mir immer plastischer. Als ein grosses Raunen und Jauchzen durch die Halle ging, war es soweit. Papst Franziskus tauchte mit dem Papamobil in die Menschenmenge. Ich sah begeisterte Gläubige jeder Couleur und jeden Alters – lachend, die Hände nach ihm ausstreckend oder schluchzend ob ihrer Ergriffenheit. Der Kontakt mit Menschen ist ihm so wichtig, und er nahm sich viel Zeit dafür. Fast hatte man das Gefühl, er begrüsse jede Einzelne und jeden Einzelnen. Die kurze Predigt und ein straffer liturgischer Ablauf liessen der wundervollen Musik und dem Chor mehr Raum. So kam eine Verbindung über alle Sprachgrenzen im Gebet und durch die Musik zustande. Mit dem Segen verabschiedete sich der Papst und ich denke, er hätte am liebsten nochmals ein Bad in der Menschenmenge genommen.»