Fastenopfer unterstützt Projekte in Madagaskar. Der neue Brunnen von Taratasy ist ein Symbol des Aufbruchs. | © Fenitra Rabefaritra/Fastenopfer
29.01.2020 – Aktuell

«Suffering in Silence», in Madagaskar und anderswo

Zehn humanitäre Krisen, die 2019 keine Schlagzeilen machten

Viele Menschen, die von humanitären Krisen und Katastrophen betroffen sind, leiden im Stillen, abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Ein Bericht des Hilfswerks Care International rückt Krisen ins Rampenlicht, die trotz gravierender Auswirkungen nur wenig Aufmerksamkeit erhielten.

Zum vierten Mal legt das Hilfswerk Care eine traurige Hitparade vor: Es sind die Top Ten der Krisen und Katastrophen, über die in Onlinemedien am wenigstens berichtet wurde. Spitzenreiter ist 2019 Madagaskar mit gerade mal 612 Beiträgen. Neun von zehn Ländern respektive Regionen auf der Rangliste liegen auf dem afrikanischen Kontinent, das zehnte Land ist Nordkorea.

Während für den Bericht für das vergangene Jahr die Analyse von Online-Medienseiten um die Sprachräume Spanisch und Arabisch erweitert wurde(zusätzlich zu Englisch, Französisch und Deutsch), ähneln die Ergebnisse denen der Vorjahre. Sechs der zehn im Report 2019 gelisteten Krisen waren bereits mindestens zweimal im Ranking enthalten.

Klimawandel wirkt sich aus

Dazu gehört auch Madagaskar, eines der ärmsten Länder der Welt. Ende 2019 litten mehr als 2,6 Millionen Menschen unter den Folgen von Dürre. Etwa ein Viertel der Bevölkerung waren unmittelbar auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Madagaskar hat die vierthöchste Rate an chronischer Unterernährung weltweit, jedes zweite Kind unter fünf Jahren ist unterentwickelt. Etwa 80 Prozent der madegassischen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig und damit sehr anfällig für Klimaschwankungen, die den Erntezyklus beeinflussen. Madagaskar ist eines der Länder, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind.

Auch Sambia (mit 1377 Beiträgen auf Rang 3) leidet heute schon stark unter den Folgen des Klimawandels. Die Temperaturen in der Region steigen etwa doppelt so schnell wie im Vergleich zum Rest der Welt. Extreme Wetterereignisse, Schädlinge und Epidemien haben zu massiver Ernährungsunsicherheit geführt. Etwa 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt.

Aufruf an globale Gemeinschaft

Warum bleiben so viele Krisen unter dem Radar der Weltöffentlichkeit? Mögliche Gründe könnten zum einen die Dauer einer humanitären Krise und die Anzahl der betroffenen Menschen sein. Je länger eine Krise andauert, desto leichter gerät sie früher oder später in Vergessenheit. Ausserdem kommt es darauf an, wie wichtig das betroffene Land für die inter-nationale Politik ist. Der Bericht «Suffering in Silence» ist ein Aufruf an die globale Gemeinschaft, Menschen, die kaum Aufmerksamkeit erhalten, zu helfen, für sie einzustehen und ihren Stimmen Gehör zu verleihen.

Regula Vogt-Kohler / Material von Care