Das Taufbecken der Kirche Bruder Klaus in Basel. | © zVg
05.12.2019 – Aktuell

Taufe für katholische Eltern nicht mehr selbstverständlich

Hohe Mitgliederzahl bei der katholischen Kirche – aber die Bindung nimmt schleichend ab

Geht es um die Zahl ihrer Mitglieder, befindet sich die katholische Kirche in der Schweiz nach wie vor in einem «historischen Hoch». Die aktuelle Kirchenstatistik zeigt aber auch, dass die Taufe innerhalb der katholischen Bevölkerung zunehmend hinterfragt wird.

 

Noch immer ist die römisch-katholische Kirche die grösste Religionsgemeinschaft der Schweiz. Ihr Anteil an der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren machte 2017 35,9 Prozent aus, wie der neusten Kirchenstatistik des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) zu entnehmen ist. Das entspricht rund 2,5 Mio. Katholiken. Rechnet man die Menschen hinzu, die jünger als 15 Jahre sind oder nicht in Privathaushalten leben, erreicht die katholische Kirche einen Mitgliederbestand von zirka 2,9 Millionen Menschen, schreibt das SPI in seinem Bericht.

Grund dafür sei vor allem die Zuwanderung von Gläubigen aus dem Ausland. Laut Statistik haben im Jahr 2017 38,4 Prozent der katholischen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren einen Migrationshintergrund, der Ausländeranteil beträgt bei den Katholiken 24,3 Prozent. Bei den Reformierten verfügt nur knapp jeder Zehnte über einen Migrationshintergrund, und der Ausländeranteil liegt bei tiefen 4,6 Prozent.

Für das von der katholischen Kirche getragene Forschungsinstitut sind zwei weitere Faktoren für die Veränderung der Mitgliederzahl mitentscheidend: Zum einen die Kirchenaustritte und zum andern das «Taufverhalten katholischer Eltern».

 

Nicht mehr automatisch vor Traualtar

Eine Entfremdung zeige sich zum Beispiel, wenn Kirchenmitglieder auf den Empfang von Sakramenten verzichten. Seit 2013 ist etwa die Zahl katholischer Trauungen um zirka 20 Prozent auf 3200 im Jahr 2018 gesunken. Im Verhältnis zur Zahl der Ziviltrauungen mit mindestens einer katholischen Person erreichte die katholische Kirche im Jahr 2018 noch eine Trauquote von 22 Prozent, heisst es im Bericht zur Kirchenstatistik.

Eine kirchliche Eheschliessung sei für Katholikinnen und Katholiken keine Selbstverständlichkeit mehr, folgert das SPI. Dasselbe gelte für die Taufe der Kinder. Das hat Einfluss auf die Mitgliedschaft: «Wenn katholische Eltern ihr Kind nicht mehr taufen lassen, dann ist eine Kirchenmitgliedschaft schon beendet, bevor sie beginnen konnte.»

 

Deutlicher Rückgang der Taufen

Die Zahl der katholischen Taufen ist laut SPI zwischen 2013 und 2018 um 11 Prozent gesunken. 2018 wurden 18 568 Menschen katholisch getauft. Dies entspreche zirka 21 Prozent der Geburten in der Schweiz. Das Institut findet, der Anteil von 21 Prozent katholisch getaufter Kinder liege signifikant unter dem Anteil der katholischen Bevölkerung von knapp 36 Prozent im Jahr 2017.

«Grobe Schätzungen und Modelle erlauben die These, dass die Weitergabe der Kirchenmitgliedschaft an die Kinder heute bei rund 20 bis 50 Prozent der Kinder nicht mehr geschieht», schreibt das SPI.

 

Innere Erosion der Kirchlichkeit

Das Institut folgert aus den Zahlen, dass die Taufe innerhalb der katholischen Bevölkerung «zusehends hinterfragt wird». Zwar werde die Mehrheit der Kinder innerhalb der katholischen Bevölkerung immer noch getauft, «den Charakter der Selbstverständlichkeit hat die Taufe jedoch in vielen Regionen der Schweiz verloren». Diese Entwicklung bezeichnet das SPI als «relativ neu». Sie deute auf eine «gewachsene Fragilität» der Mitgliederbindung in der katholischen Kirche hin.

Für das SPI drängt sich trotz anhaltend hoher Mitgliederzahl der katholischen Kirche das «Bild einer inneren Erosion der Kirchlichkeit» auf, schreibt es in einem Fazit am Schluss des Berichts. Weil es in den letzten Jahren zu einem Rückgang der Taufen gekommen ist, spricht aus Sicht des SPI vieles dafür, dass sich die fragil gewordene Kirchenbindung über kürzere oder längere Zeit auch auf die Mitgliederzahlen durchschlagen wird.

Barbara Ludwig, kath.ch