Coronabedingt tagte die Synode Baselland im Congress Center Basel: Links die Mitglieder der Synode, in der Mitte Landeskirchenrat und Verwaltung, rechts oben das Büro der Synode. | © Christian von Arx
25.06.2020 – Aktuell

Viel Applaus für den Caritas-Lieferdienst

Synode Baselland genehmigt Nachtragskredit für rasche Hilfe an Armutsbetroffene in der Coronazeit

Corona verändert viel: Erstmals tagte die römisch-katholische Synode des Kantons Basel-Landschaft in der Stadt Basel. Dabei hat das Baselbieter Kirchenparlament einstimmig das Geld für den kurzfristig aufgezogenen Caritas-Lieferdienst für Armutsbetroffene im Landkanton bewilligt.

Premiere für die Baselbieter Landeskirche: Um die Abstände zwischen den Anwesenden einhalten zu können, tagte die Synode am 24. Juni nicht wie sonst im Landratssaal von Liestal, sondern ausserhalb der Kantonsgrenzen im Congress Center Basel. 57 Synodalen konnte Präsidentin Béatrix von Sury d’Aspremont in einem grossen Saal am Messeplatz begrüssen. Dessen Corona-Tauglichkeit hatte zuvor schon der Baselbieter Landrat getestet.

Beim Ausbruch der Krise Ende Februar/Anfang März hatte sich der Landeskirchenrat mit der Sicherstellung der Versorgung von Armutsbetroffenen im Landkanton befasst. «Tischlein deck dich stellte den Betrieb ein, und die Grenzen gingen zu», rief Landeskirchenrat Joseph Thali den Synodalen in Erinnerung.  In Zusammenarbeit mit der Fachstelle Diakonie wurde die Caritas beider Basel beauftragt, Produkte aus dem Caritas-Markt in Basel an interessierte Baselbieter Pfarreien zu liefern, die ihrerseits den Kontakt zu Betroffenen herstellten. Das Projekt startete im April und läuft bis September. Die Projektkosten von 59‘800 Franken für diese sechs Monate übernahm die Landeskirche, und die Synode hat diesen Nachtragskredit einstimmig abgesegnet – unter Dank und Anerkennung für das schnelle Handeln.

«Die Pfarreien können immer noch ins Projekt einstiegen», teilte Verena Gauthier Furrer von der Fachstelle Diakonie mit. Geschäftsleiter Domenico Sposato kündigte an, dass Caritas den Lieferdienst über September hinaus verlängern werde – «so lange wie möglich».

Gute Rechnung, dunkle Aussichten

Mit einem Plus von 399‘000 Franken fiel die Jahresrechnung 2019 der Landeskirche sehr gut aus. Dazu kommen noch Buchgewinne von 700‘000 Franken auf den Wertschriften. «Es wird die letzte Rechnung sein, die so aussieht», prophezeite Viktor Lenherr, der Präsident der Prüfungskommission. Gestützt auf Schätzungen des Kantons, kündigte Landeskirchenrat Sergio Marelli als Folge der Unternehmenssteuerreform (Steuervorlage 17) und der voraussichtlichen Ausfälle wegen der Corona-Massnahmen Mindereinnahmen von 1,228 Mio. Franken für das Jahr 2021 und von kumuliert 5,7 Mio. Franken über die fünf Jahre von 2021 bis 2025 an. Das entspreche 28 Prozent der Einnahmen von den juristischen Personen.

Das ist ohne Massnahmen nicht zu verkraften. Der Landeskirchenrat hat darum eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der auch die Seelsorge und weitere Bereiche vertreten sind.

Weniger stark von Ausfällen betroffen werden die Kirchgemeinden sein. Laut Sergio Marelli sollten sich ihre Ausfälle im einstelligen bis tiefen zweistelligen Bereich bewegen und nur ein bis zwei Jahre anhalten.

Entlastung für Regionalleitung St. Urs

An der Synode nahm erstmals Bischofsvikar Valentine Koledoye teil, der seit 1. Mai im Amt ist. Seit der Pensionierung der Regionalverantwortlichen Gabriele Tietze Roos im August besteht die Regionalleitung der Bistumsregion St. Urs in Liestal nur noch aus zwei Personen. Ihnen seien zu viele Personen direkt unterstellt – so könne er seine Aufgabe nicht richtig wahrnehmen, bestätigte der neue Bischofsvikar. Als Entlastung präsentierte der Landeskirchenrat der Synode eine Reorganisation, die ihm von einer Projektgruppe mit dem Ende April abgetretenen Bischofsvikar Christoph Sterkman vorgeschlagen wurde: Ab 1. August sollen die Fachstellen und Spezialseelsorgestellen des Kantons Baselland in zwei Fachgruppen zusammengefasst werden, mit einer Co-Leitung von zwei Personen mit je einem 20-Prozent-Pensum. Dafür beantragte der Landeskirchenrat für das laufende Jahr einen Nachtragskredit von 27‘200 Franken.

Angesichts der Einnahmenausfälle wollte die Prüfungskommission zuerst die Vorschläge der Finanz-Arbeitsgruppe abwarten; ihr Nichteintretensantrag  wurde jedoch von der Synode abgelehnt. Die meisten Redner zeigten Bereitschaft für die Entlastung der Regionalleitung, äusserten aber aus unterschiedlichen Gründen Vorbehalte gegen den Vorschlag. Nach längerer Diskussion setzte sich ein Kompromiss durch: Die Reorganisation soll nur bis 31. Dezember gelten. Der nächsten Synode von Ende November soll die pastorale Seite (also der Bischofsvikar) ein definitives Modell mit allen Kostenfolgen präsentieren.

Anstellungs- und Besoldungsordnung

Nach einjähriger Vorberatung in einer Arbeitsgruppe und nach einer Vernehmlassung im Frühjahr 2020 unterbreitete der Landeskirchenrat der Synode eine Teilrevision der Anstellungs- und Besoldungsrevision (ABO) zur 1. Lesung. Dabei traf die Synode einen klaren Grundsatzentscheid: Mit 30 gegen 13 Stimmen bevorzugte sie die Variante, dass die ABO weiterhin nur für die Angestellten der Landeskirche sowie für die Seelsorgerinnen und Seelsorger mit kirchlicher Sendung gilt. Für alle übrigen Mitarbeiter/innen der Kirchgemeinden dient die ABO der Landeskirche nur als Empfehlung, die Kirchgemeinden können davon abweichen.

Die Synode entschied über zahlreiche weitere Bestimmungen der ABO, wird aber erst am 30. November mit der 2. Lesung abschliessend über die Teilrevision befinden.

In Kürze

Jugend- und Begegnungszentrum (JBZ): Der Betrieb des kircheneigenen JBZ in Seewen wurde von den Einschränkungen durch die Corona-Massnahmen stark betroffen: Martin Kohler, Verwalter der Landeskirche, bezifferte den Einnahmenausfall auf 45’000 Franken. Für den beabsichtigten Verkauf des JBZ sei der Zeitpunkt ungünstig, sagte Kohler. «Wir bleiben am Ball und prüfen die Möglichkeiten eines Verkaufs.»

«Sacco di Roma»: Laut Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini ist es «zu 99 Prozent sicher», dass Basel-Landschaft als Gastkanton an der Vereidigung der Schweizergarde am Jahrstag des «Sacco di Roma» vom 6. Mai 2021 teilnehmen kann. Bekanntlich fiel die bereits für den 6. Mai 2020 geplante Teilnahme der Corona-Pandemie zum Opfer, und auch die Teilnahme an dem vom Vatikan angekündigten Verschiebedatum im Oktober 2020 ist laut Corvini nicht möglich, weil dazu 1000 bis 3000 Gäste Teilnehmende erwartet würden.

Anlobung: Als neues Mitglied der Synode wurde die Theologin Annette Jäggi angelobt; sie ist in der Pfarrei Biningen-Bottmingen in der Seelsorge tätig und ersetzt Béatrice Bowald als Vertreterin der Pastoralkonferenz Basel-Landschaft.

Frauen in pastoralen Leitungsfunktionen: Unter Verschiedenem machte Joseph Thali, Mitglied des Landeskirchenrats, die Synodalen darauf aufmerksam, dass in den letzten Jahren im Kanton Baselland in vier Fällen Frauen eine pastorale Leitungsfunktion abgegeben hätten oder demnächst abgeben würden und durch Priester oder jedenfalls nicht durch eine Frau ersetzt worden seien: Elisabeth Lindner (Gemeindeleiterin in Pratteln), Marlis Wyss (Gemeindeleiterin in Münchenstein), Silvia Guerra (Pastoralraumleiterin Allschwil-Schönenbuch) und Gabriele Tietze (Regionalverantwortliche in der Bistumsregionalleitung St. Urs). Derzeit habe im Kanton nur noch eine Frau eine pastorale Leitungsfunktion inne (Elke Kreiselmeyer, Pastoralraumleiterin Leimental – Anm. d. Red.). «Was ist da mit uns los?», fragte Thali die Mitglieder der Synode. Er sei überzeugt, «es liegt an uns.»

Christian von Arx