Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, und Jugendliche während des Gottesdienstes zum Abschluss der Bischofssynode unter dem Motto «Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung» am 28. Oktober im Petersdom im Vatikan. | © KNA-Bild
05.11.2018 – Aktuell

«Synodalität ist nicht Demokratie»

Stimmen zur Bischofssynode «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung»

An der Jugendsynode gaben auch heisse Eisen wie Homosexualität und Frauenpriestertum Anlass zu kontroversen Debatten, doch im Zentrum stand für Mario Galgano, Schweizer Redaktor und Nachrichtensprecher bei Radio Vatikan, eine Grundsatzfrage: «Wie soll denn die Kirche, wie sollen Bischöfe, ältere Männer, die junge Menschen begleiten? Und zwar konkret und nicht einfach nur mit schönen Worten.»

 

Die Frage, wie lange es dauern werde bis zur Umsetzung erster Resultate in der Praxis, sei schwierig, sagt Galgano im Interview mit kath.ch. Dies unter anderem, weil die Synode keine konkreten Vorschläge formuliert habe, die eins zu eins übernommen werden könnten. Es gehe nun vielmehr darum, die an der Synode angewandte Methode des Zuhörens auf die lokale Ebene hinunterzubrechen. Konkret heisst das gemäss Galgano: Priester und Laienseelsorgende müssen auf die Jugendlichen hören und können nicht einfach selbst entscheiden, welche Jugendpastoral richtig ist. Daraus folgt für Galgano auch, dass man nicht einfach auf Jungwacht und Blauring setzen könne. Es gehe auch darum, durch das Zuhören Wege zu finden, auf welchen der Kontakt zu Jugendlichen, die der Kirche fern sind, hergestellt werden können.

Mit Kurienkardinal Kurt Koch und Jugendbischof Alain de Raemy haben zwei Schweizer an der Jugendsynode teilgenommen. Zur Forderung nach mehr Teilhabe der Frauen an der Macht der Kirche sagt Koch in einem Interview mit kath.ch: «In der Kirche sollte es nicht um Macht gehen und somit auch nicht um Beteiligung an der Macht. Es geht um Fragen der Entscheidungen, wie Wege in die Zukunft gefunden werden können. Und da sollen natürlich die Menschen, die Glieder der Kirche sind, in den Beratungen mitbeteiligt werden und somit auch bei den Entscheidungsprozessen.»

Und zur Frage, ob sich die hierarchische Struktur der Kirche ändern müsse, wenn die im Abschlussdokument geforderte Synodalität umgesetzt werden soll, meint Koch: «Synodalität ist nicht Demokratie und die Synode kein Parlament. … Synodalität ist der geschützte Raum, in dem alle Beteiligten miteinander reden und sich miteinander austauschen, damit man offen wird für das Wirken des Heiligen Geistes.»

Zu den Diskussionen über das Thema sexueller Missbrauch meinte Alois Löser, Prior der Ökumenischen Gemeinschaft Taizé: «Vielen ist bewusst geworden, dass es sich nicht nur um wenige Einzelfälle handelt, sondern dass die ganze Kirche betroffen ist.» Aus der Sicht der deutschen Kirchenvolksbewegung «Wir sind Kirche» ist das Abschlussdokument in diesem Punkt mangelhaft: «Enttäuschend ist, dass das Schlussdokument kein klares Schuldeingeständnis für die jahrzehntelange Vertuschung von Missbrauch durch katholische Geistliche enthält», heisst es in einer Stellungnahme (www.wir-sind-kirche.de).

kath.ch / Regula Vogt-Kohler