Abstimmung mit Zetteln zur Nachbesetzung der Foren an der ersten Synodalversammlung im Dominikanerkloster in Frankfurt am Main (Aufnahme vom 1. Februar 2020). | © Synodaler Weg/Malzkorn
04.02.2020 – Aktuell

Die deutsche Kirche hat ihren Synodalen Weg begonnen

Die erste Synodalversammlung in Frankfurt am Main bestimmte die Geschäftsordnung und besetzte vier Arbeitsgruppen

Die Spielregeln für den weiteren Verlauf des Synodalen Weges in Deutschland stehen fest. Kardinal Reinhard Marx, Präsident der Deutschen Bischofskonferenz, hat Papst Franziskus am 3. Februar über die erste Synodalversammlung der katholischen Kirche Deutschland vom 30. Januar bis 1. Februar in Frankurt informiert.

Die Spielregeln für den weiteren Fortgang des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland stehen fest. Auf der am 1. Februar beendeten ersten Synodalversammlung in Frankfurt verständigten sich die rund 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine Geschäftsordnung und die Besetzung von vier Arbeitsgruppen. Diese aus jeweils 35 Mitgliedern bestehenden Foren sollen die inhaltliche Arbeit an den zentralen Themen des Reformdialogs vorantreiben: Macht, priesterliches Leben, Sexualmoral und Rolle der Frau.

Breiten Raum nahm die Verabschiedung der Geschäftsordnung ein. Hier und bei den Gesprächen etwa über die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern, dem Zölibat, der kirchlichen Sexualmoral oder der Verteilung von Macht wurde deutlich, dass eine grosse Mehrheit der Teilnehmer Änderungen für notwendig hält.

Der Synodale Weg ist auf zwei Jahre angelegt und bislang in der Kirche weltweit einmalig. Ein Ziel der von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angestossenen Initiative ist, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, nannte die dreitägigen Beratungen ein «geistliches Experiment». Es gehe um den Versuch, etwas Neues zu tun. Die geladenen internationalen Beobachter zeigten sich überzeugt, dass Themen und Ergebnisse des Synodalen Wegs auch international bedeutsam seien. Das Medieninteresse war gross: 145 Journalisten hatten sich akkreditiert. Die nächste Synodalversammlung findet vom 3. bis 5. September in Frankfurt statt.

Zwischen Hoffen und Bangen

Mit einem Gottesdienst im Frankfurter Dom hatte der Synodale Weg zur Zukunft der Kirche in Deutschland am 30. Januar begonnen. Unter festlichem Geläut zogen die Teilnehmer der ersten Synodalversammlung in das Gotteshaus – durch ein Spalier von Demonstrantinnen, die mehr Beteiligung von Frauen am kirchlichen Leben forderten. Hat die Kirche verstanden, was die Stunde geschlagen hat?
Das fragten sich manche von denen, die für Veränderungen eintreten. Schlägt die letzte Stunde für die Kirche und ihre jahrhundertealten Traditionen? Diese Furcht schwang in manchen Einlassungen derer mit, die dem Synodalen Weg skeptisch gegenüber stehen.

Bei der ersten Synodalversammlung deutete sich an, wohin die Reise bei diesem auf zwei Jahre angelegten «geistlichen Experiment» gehen könnte, das die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angestossen haben: In Richtung einer Gemeinschaft, in der Frauen eine stärkere Rolle spielen, in der die Macht von Klerikern neu definiert wird und in der sich die Sexualmoral der Kirche verändert. Das zeigte sich etwa bei der Geschäftsordnung, in der das Stimmrecht der Frauen aufgewertet wurde: Auf Antrag muss künftig auch eine Mehrheit der Frauen für einen Beschluss stimmen, damit dieser als angenommen gilt.

Eine Gruppe von Skeptikern des Reformdialogs um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki versuchte, in der mehrstündigen Debatte über die Geschäftsordnung, eine Sperrminorität auf der Ebene der Arbeitsgruppen («Foren») durchzusetzen. Dieser Vorstoss wurde in der Synodalversammlung mit einer Mehrheit von 87 Prozent abgelehnt.

Was bleibt? Eindrucksvolle und sehr persönliche Zeugnisse zum Leben von Priestern – «Bis zur Weihe werden wir hofiert, danach werden wir verheizt» –, zum Umgang mit Macht und Sexualität. Ein von Frauen geleiteter Gottesdienst im voll besetzten Frankfurter Dom. Und die drängende Frage der weiteren Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Dieser stand am Beginn des Synodalen Weges. Und er wird ihn weiter begleiten.

Per Live-Stream übertragen

Die erste Vollversammlung zum Synodalen Weg in Deutschland wurde per Live-Stream übertragen. Dadurch wurde sicht- und hörbar, wie Katholikinnen und Katholiken miteinander ringen. Auf dem Live-Stream bekam die Öffentlichkeit Einsicht nicht nur in den Wortlaut der Statements. Sicht- und hörbar wurden auch Lacher und Zwischenrufe, energische Statements oder zögerlich vorgetragene, freie Rednerinnen und Redner und solche, die Vorgefertigtes ablasen. Spürbar wurden dadurch Menschen, die mit sich, mit der Kirche und miteinander ringen. (Hinweis: Der Live-Stream, der auf synodalerweg.de übertragen wurde, ist aus rechtlichen Gründen nicht mehr in ganzer Länge verfügbar. Einzelne Ausschnitte sind auf domradio.de einsehbar.)

kna/kath.ch

Das Stimmrecht der Frauen wurde aufgewertet: Auf Antrag müssen Beschlüsse der Synodalsversammlung auch eine Mehrheit der Frauen finden.  | © Synodaler Weg/Malzkorn
Das Stimmrecht der Frauen wurde aufgewertet: Auf Antrag müssen Beschlüsse der Synodalsversammlung auch eine Mehrheit der Frauen finden. | © Synodaler Weg/Malzkorn
Blick in den Versammlungssaal der Synodalversammlung im Dominikanerkloster in Frankfurt am Main. | © Synodaler Weg/Malzkorn
Blick in den Versammlungssaal der Synodalversammlung im Dominikanerkloster in Frankfurt am Main. | © Synodaler Weg/Malzkorn
Kardinal Reinhard Marx (re.) mit Beobachtern aus den Nachbarländern, darunter Daniel Kosch von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (3.v.l.).  | © Synodaler Weg/Malzkorn
Kardinal Reinhard Marx (re.) mit Beobachtern aus den Nachbarländern, darunter Daniel Kosch von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (3.v.l.). | © Synodaler Weg/Malzkorn