Kommunion zu Hause: Auf telefonischen Wunsch legt der Muttenzer Pfarrer Hostien, begleitet von einem kleinen Geschenk, in den Milchkasten. | © Franziska Baumann
11.05.2020 – Aktuell

Wie sieht Seelsorge in Zeiten von Corona aus?

Kirchliches Leben findet auch ohne öffentliche Gottesdienste statt

Die Coronakrise hat die Seelsorgenden in den Pfarreien nicht arbeitslos gemacht. Es gibt alternative Angebote. Neue Kommunikationskanäle werden verstärkt genutzt, und zugleich spielt das Telefon eine zentrale Rolle.

«Zuerst war es eine, dann zwei Erstkommunionfeiern, dann vier, dann haben wir sie verschoben.» So schildert Silvia Guerra, Leiterin des Pastoralraums Allschwil-Schönenbuch, die schwierige Situation zu Beginn der Coronakrise. Gottesdienste gab es bis zuletzt. «Wir haben alles ausprobiert und versucht, uns an die Vorschriften und Empfehlungen anzupassen», sagt Guerra. Als dann mit dem Lockdown per 17. März das Verbot von Versammlungen und Anlässen und damit auch von Gottesdiensten kam, sei das eine Art Erleichterung gewesen. Statt nur noch auf die immer wechselnden Regelungen zu reagieren, war es nun möglich, für eine etwas längere Phase zu planen und sich zu organisieren. «Wir gehören nicht zu denen, die weniger zu tun haben», meint Guerra.

Christof Klingenbeck, Leiter des Pastoralraums Laufental-Lützeltal und Seelsorger in Laufen und Kleinlützel, umschreibt den Übergang so: «Es war am Anfang eine neue Situation für alle. Im Team gehen alle unterschiedlich damit um.» Es sei dann darum gegangen, den Betrieb so zu organisieren, dass allen wohl sei. Inzwischen habe es sich gut eingependelt und es sei eine Art Alltag eingekehrt. Ein veränderter Alltag, in dem das Telefon eine wichtige Rolle spielt.

Isolation macht zu schaffen

«Wir haben eine Liste der Über-65-Jährigen erstellt und viele angerufen», erzählt Klingenbeck. Dabei halfen auch die Frauengemeinschaft und der Senioren-Treff mit. Ähnlich lief es in vielen Pfarreien, so auch in Allschwil. Die Freude über die Anrufe sei gross gewesen, sagen Klingenbeck und Guerra. Oft am Telefon hängt auch der Muttenzer Pfarrer René Hügin. Wer das Angebot der Kommunion zu Hause in Anspruch nehmen will, muss ihn vorgängig anrufen. «Da gibt es jedes Mal ein Gespräch», meint Hügin.

Auch wenn der Kontakt vor allem über das Telefon stattfindet, kommt es dennoch auf ganz niederschwellige Weise zu persönlichen Begegnungen. «Wegen Corona war ich mehr als sonst draussen unterwegs, und auf jedem Spaziergang traf ich Leute, und so ergaben sich Gespräche und Austausch», berichtet Christof Klingenbeck. In dieser Intensität sei dies eine neue Erfahrung gewesen – und auch ein positiver Nebeneffekt der Krise.

Was bewegt die Leute? Wie gehen sie mit der Krise um, was belastet sie am meisten? Man habe schon das Gefühl, je länger es gehe, umso schwerer werde die Seele, sagt Christof Klingenbeck. Im Vordergrund steht der fehlende Kontakt, auch der Mangel an körperlichem Kontakt werde explizit genannt: «Niemand, den man umarmen kann.» Sie hätten die Leute ermuntert hinauszugehen, berichten die drei Seelsorgenden.

Kerze und Kommunion im Milchkasten

In den Pfarreien gibt es viele spezielle Angebote und Aktivitäten. So hat das Team des Pastoralraums Laufental-Lützeltal eine Chronik lanciert. Diese soll sich mit Beiträgen über Erfahrungen in der Coronazeit füllen. In Laufen und Kleinlützel gab es dieses Jahr «Ostere im Milchkästli». Auf Bestellung kam ein Päckli mit der Heimosterkerze, einem persönlichen Kärtchen und einem Zweiglein vom Palmsonntag. Diese Aktion sei auf sehr grosse Resonanz gestossen, berichtet Klingenbeck.

Eine grosse Nachfrage gibt es auch für die Kommunion, welche Pfarrer René Hügin liefert. Die Idee dazu sei ihm in einer schlaflosen Nacht gekommen. Es sei doch ein Widerspruch, dass die Priester Eucharistie feiern können, wenn auch nicht öffentlich, und die anderen hungern müssten. Jeden Freitag und Samstag ist Hügin unterwegs, nicht nur in Muttenz. Zum Ablauf gehört, dass Hügin zweimal klingelt und wartet, bis der Empfänger am Fenster erscheint, bevor er die Kommunion in den Milchkasten legt. So kommt es nebst dem Gespräch am Telefon auch zu einer Begegnung, wenn auch nur kurz und mit mehr als der ohnehin gebotenen Distanz.

Gesprächsangebot in der Kirche

Auch wenn in den Kirchen keine Gottesdienste stattfinden, sind sie Orte des Gebets und ein Rahmen für Seelsorgegespräche. Im Pastoralraum Solothurnisches Leimental ist Pfarrer Günter Hulin von Montag bis Freitag täglich für anderthalb Stunden in einer der fünf Kirchen präsent. «Bisher war er noch nie allein», berichtet Geri Stöcklin, Aktuar des Pastoralraumrats. Für elektronische Angebote besuchen die Katholiken im Solothurner Leimental gerne auch die Seite der reformierten Kirchgemeinde, die jeden Sonntag einen Podcastgottesdienst anbietet.

Ein Verkaufsschlager geworden ist eine Initiative des Seelsorgeteams von Arlesheim-Münchenstein: Eine von Teammitgliedern geschaffene Pfingstnovene auf Karten, die für jeden der neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ein Vorbild im Glauben vorstellt und ein Gebet um den Geist Gottes enthält. Die erste Auflage von 500 Exemplaren ist vollständig ausverkauft, darum wurden noch 200 nachgedruckt. Auch in digitaler Form kann die Pfingstnovene per Mail an s.hardegger@rkk-arlesheim.ch weiterhin bestellt werden. Der Verkaufserlös geht an die Kinderhilfe Bethlehem zugunsten des Caritas Baby Hospitals, das stark mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat.

Regula Vogt-Kohler, Christian von Arx