Von links: Abt Peter von Sury, Präsident der Vereinigung der Höheren Ordensoberen der Schweiz, und die Bischöfe Felix Gmür und Markus Büchel, Präsident und Vizepräsident der Schweizer ­Bischofskonferenz, beim Gottesdienst am 27. Februar im Kloster Mariastein. | © SBK
04.03.2019 – Aktuell

Schweizer Bischöfe: «Wir stehen in der Pflicht»

Auf den 1. März hat die Bischofskonferenz ihre Richtlinien zu sexuellen Übergriffen verschärft

Kurz nach dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan hat die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) neue Massnahmen gegen sexuelle Übergriffe im kirchlichen Bereich in Kraft gesetzt. Seit dem 1. März enthalten die Richtlinien eine umfassende Anzeigepflicht und einheitliche Vorgaben für die Prävention.

 

Neu müssen die Diözesanbischöfe, ihre Generalvikare und Bischofsvikare sowie die höheren Ordensoberen in jedem Fall Anzeige an die staatlichen Strafverfolgungsbehörden erstatten, wenn sie Kenntnis von einer strafbaren Handlung erhalten, die nach dem Schweizer Strafrecht von Amtes wegen zu verfolgen ist. Bisher konnten erwachsene Opfer Einspruch gegen die Erstattung einer Strafanzeige erheben, was das Risiko einer Vertuschung enthielt. Beim Verdacht auf sexuelle Übergriffe gegen Kinder galt die uneingeschränkte Anzeigepflicht schon bisher.

Die verschärfte Anzeigepflicht ist in der neuen, vierten Auflage der Richtlinien zu sexuellen Übergriffen im kirchlichen Umfeld enthalten. Diese wurde von Bischof Felix Gmür im Namen der Schweizer Bischofskonferenz und von Abt Peter von Sury für die Vereinigung der Höhern Ordensoberen der Schweiz unterzeichnet. Sie ist am 1. März in Kraft getreten.

Die neuen Richtlinien enthalten einheitliche Vorgaben für Präventionsmassnahmen. So muss jede Diözese und jede Gemeinschaft über ein Präventionskonzept und einen Präventionsbeauftragten verfügen. Die Richtlinien machen Vorschriften für die Aufnahme von Kandidaten in den seelsorgerlichen Dienst und für Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ausdrücklich festgehalten ist, dass die Richtlinien auch den in der Schweiz tätigen Seelsorgern aus andern Ländern und Kulturen zu vermitteln sind.

Neu wird allen Bistümern und Orden vorgeschrieben, dass bei jeder Anstellung im kirchlichen Umfeld ein Privatauszug und ein Sonderprivatauszug aus dem Strafregister vorgelegt werden müssen. Von bereits angestellten Personen mit einer Missio canonica werden diese Auszüge nachgefordert. Alle Angestellten müssen eine Verpflichtung zur Einhaltung der Richtlinien unterschreiben. Die Bistumsleitungen wollen sich dafür einsetzen, dass alle diese Massnahmen auch von den staatskirchenrechtlichen Organisationen (wie Landeskirchen und Kirchgemeinden) verbindlich mitgetragen werden. Im Bistum Basel galt bisher noch keine lückenlose Pflicht zur Vorlage des Sonderprivatauszugs.

 

Hoffen auf Massnahmen aus Rom

«Die Mitglieder der SBK verstehen die Enttäuschung der Opferorganisationen, welche unmittelbar nach dem Treffen klare Massnahmen erhofft hatten», heisst es in der Medienmitteilung von der Versammlung der SBK vom 25. bis 27. Februar in Mariastein. Gemäss Bischof Felix seien in Rom gewichtige Themen offen angesprochen worden, so die Machtstrukturen, die Einbindung von Laien und das Zölibat. Die Mitglieder der SBK «hoffen, dass konkrete Massnahmen aus Rom folgen werden.»

Christian von Arx