Gottesdienste sind seit 28. Mai wieder möglich, aber nur mit Schutzkonzept. | © Regula Vogt-Kohler
25.06.2020 – Aktuell

Schweizer Bischöfe und Coronakrise

Das Verbot von Gottesdiensten stiess teilweise auf Unverständnis

Die Coronakrise war einer der Schwerpunkte der Vollversammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die vom 8. bis 10. Juni in Einsiedeln stattgefunden hat. Um den Lockdown durchzusetzen mussten die Bischöfe zum Teil persönlich intervenieren.

 

Der vom Bundesrat am 15. März verhängte Lockdown betraf auch die Kirchen: Das Verbot jeglicher Anlässe und Veranstaltungen umfasste auch Gottesdienste und weitere kirchliche Anlässe. Vom 16. März bis 27. Mai mussten die Gläubigen ohne öffentliche Gottesdienste auskommen.

 

Lockdown eine Premiere

Dabei habe es gewisse Spannungen gegeben, da die Empfehlungen und Anordnungen nicht überall mit dem gleichen Verständnis aufgenommen worden seien, hält die SBK in einer Medienmitteilung fest. Je nach regionaler Pandemiestärke seien die Reaktionen unterschiedlich ausgefallen. Die Bischöfe hätten zum Teil persönlich intervenieren müssen. «Für die Pfarreien war dieser Lockdown eine absolute Premiere», gibt SBK-Sprecherin Encarnación Berger-Lobato gegenüber kath.ch zu bedenken. Auch hätten sich einzelne Priester nicht an die Weisungen der Bischöfe gehalten. Der Tessiner Bischof Valerio Lazzeri etwa musste einen Priester verwarnen, der trotz des Verbots die Messe im Beisein von Gläubigen feierte.

Besonders in Regionen, in denen kaum Coronaerkrankungen auftraten, wollte man schnell zum normalen Gottesdienstalltag zurückfinden. «Dies hätte zu einem Gottesdiensttourismus geführt», befürchtet die Sprecherin.

 

Alternativangebote gefragt

Die Gottesdienste sind in der Coronapause nicht einfach ersatzlos ausgefallen, und die verschiedenen Optionen waren durchaus gefragt. Mehr als die Bischöfe gedacht hätten, wie der Medienmitteilung zu entnehmen ist: «Die grosse Teilnahme an den zahlreichen Liveübertragungen von Gottesdiensten oder Gebeten auf Internet, Radio oder TV hat überrascht.» Nach Einschätzung der SBK hat dies dazu geführt, dass mehr Menschen mitgebetet haben als vor der Coronakrise. Es gab auch Rückmeldungen von Personen, welche sonst nicht in die Kirche gehen, und auf diesem Weg eine Möglichkeit des Gebets entdeckt haben.

Eine besondere Herausforderung bedeutet die Coronakrise für die Krankenseelsorge. Mancherorts sei die Anzahl an Krankenseelsorgerinnen und -seelsorgern vorübergehend erhöht worden, heisst es in der Medienmitteilung.

Auch die SBK zieht ein positives Fazit der ersten Gottesdienste ab dem 28. Mai: Es habe sich gezeigt, dass sowohl das Rahmen-Schutzkonzept der SBK als auch die diözesanen Schutzkonzepte gut umgesetzt würden und die gewünschte Sicherheit böten.

Regula Vogt-Kohler