Karfreitagsliturgie in der Pfarrei von Lac Hong im Norden Vietnams. | © Missio, Partner
21.10.2021 – Aktuell

«Schweigen? Unmöglich!

Am 24. Oktober ist der Sonntag der Weltmission – Gastkirche ist Vietnam

Die Kirche kann nicht schweigen: Ihre Aufgabe ist es, in Wort und Tat das Evangelium zu bezeugen. Daran erinnert Martin Brunner-Artho von Missio Schweiz zum Sonntag der Weltmission vom 24. Oktober.

Wie kann die Kirche aufhören, daran zu erinnern, dass am Ursprung unseres Lebens ein Gott steht, der seine Schöpfung und den Menschen liebt? Was ist, wenn die Kirche nichts mehr gegen Ungerechtigkeit einwendet? – Sie ist keine Kirche mehr! Denn es ist die ureigenste Aufgabe jeder Religionsgemeinschaft, auf den tieferen Grund und den Sinn unseres Lebens hinzuweisen. Eine Kirche darf nicht schweigen. Unmöglich!

Wenn sich die Kirche hierzulande zu Wort meldet, gefällt das nicht immer. Dann erntet sie oft Kritik, manchmal Unverständnis. Mehr nicht. Doch es gibt Länder wie Vietnam, in denen die Kirche bewusst zum Schweigen gebracht werden sollte. Aber die Gute Nachricht breitete sich weiter aus. Die Kirche in Vietnam fuhr fort, das zu tun, wozu sie gesandt war, indem sie alle möglichen Freiräume ausnutzte und notfalls bereit war, den entsprechenden Preis für ihr Tun zu zahlen. Sie hat nicht geschwiegen und mehr durch ihr Leben als durch ihr Sprechen das Evangelium bezeugt. Heute hat sich die Situation entspannt und die Kirche in Vietnam steht erstarkt da und wächst. Missio Schweiz stellt diese Kirche als Beispiel für den grossen pastoralen und spirituellen Reichtum der Weltkirche vor.

Das Thema «Schweigen? Unmöglich!» im Monat der Weltmission vom Oktober 2021 ist die pointiert zusammengefasste Antwort von Petrus und Johannes an den Hohen Rat, der ihnen verbieten will, das Gute mitzuteilen, das sie gesehen und gehört haben (Apostelgeschichte 4,20). Doch die Gute Nachricht von der Liebe Gottes will sich mitteilen! «Wer liebt, setzt sich in Bewegung, es treibt ihn von sich selbst hinaus, er wird angezogen und zieht an, er schenkt sich dem anderen und knüpft Beziehungen, die Leben spenden. Niemand ist unnütz und unbedeutend für die Liebe Gottes. Jeder von uns ist eine Mission in der Welt, weil er Frucht der Liebe Gottes ist», schrieb Papst Franziskus 2019 zum Ausserordentlichen Monat der Weltmission. Gerade in unserer herausfordernden und von der Pandemie geprägten Zeit können wir nicht schweigen, denn – so schreibt Papst Franziskus zum Sonntag der Weltmission 2021 – «in der gegenwärtigen Situation werden dringend Missionare der Hoffnung benötigt». Zu dieser Mission sind wir alle gerufen. Werden auch wir Missionarinnen und Missionare der Hoffnung.

Diakon Martin Brunner-Artho, Direktor von Missio Schweiz