Seelsorger und eine kleine Gruppe nächster Angehöriger am Friedhof: So gestaltet sich derzeit auch in der Schweiz der Rahmen für den Abschied nach einem Todesfall (Aufnahme vom 24. März 2020 am Friedhof von Brescia). | © KNA-Bild
08.04.2020 – Aktuell

Auch eine Bestattung kann würdig gestaltet werden

Das Verbot von Trauergottesdiensten schafft für Trauernde und für Seelsorgende eine neue Situation

Trauergottesdienste in der Kirche sind gänzlich untersagt, möglich sind derzeit lediglich Beisetzungen auf dem Friedhof im engsten Familienkreis. Wie gehen die Pfarrämter mit diesen einschneidenden Beschränkungen um?

Sich mit einem innigen Händedruck begrüssen oder verabschieden, die Trauernden in die Arme nehmen und ihnen die Hand halten: All das ist zurzeit wegen der Abstandsregeln zur Vermeidung von Ansteckungen mit dem Coronavirus unbedingt zu vermeiden. Wie muss man sich einen Abschied am Grab ohne Trauerfeier in der Kirche und ohne diese zwischenmenschliche Nähe vorstellen?

«Grosser Verzicht und Schmerz»

«Die Bestattung kann nur als schlichte Feier stattfinden, aber wir können sie dennoch persönlich gestalten», berichtet Gemeindeleiter Peter Messingschlager von einem Beispiel aus seiner Pfarrei in Liestal. Schon in der Vorbereitung verlagerten sich die Kontakte auf Telefon oder Videochat. Die Teilnahme von Verwandten und Bekannten aus dem Ausland kam nicht in Frage. Die Platzverhältnisse auf dem Friedhof erlaubten immerhin die Anwesenheit von 15 bis 20 Personen. Der erforderliche grosse Abstand zwischen ihnen machte aber den Einsatz von Lautsprechern nötig. «Es war trotzdem eine schöne Feier», meint Messingschlager. Charaktereigenschaften oder wichtige Stationen im Leben des Verstorbenen seien am Grab zur Sprache gekommen.

Unter den jetzigen Umständen seien die Angehörigen noch eine Spur empfindsamer: «Noch mehr als sonst wird ihnen bewusst, dass nichts selbstverständlich ist», ist Messingschlagers Eindruck. Das grosse Bedürfnis, an der Abschiedsfeier teilzunehmen, sei längst nicht für alle erfüllbar. Auch sei es ein grosser Verzicht und ein Schmerz, sich nicht in die Arme nehmen zu können. «Das ist hart – wie schon der Verzicht auf Besuche im Spital.» Er biete den Angehörigen eine Gedenkfeier zu einem späteren Zeitpunkt an: «Vielleicht wird dann aus dem Dreissigsten ein Neunzigster.» Eine weitere Möglichkeit sei, dass der Familien- und Freundeskreis an der Feier zu Allerseelen im November zusammenkomme.

«Eine Begleitung am Grab»

«Wir gehen nur noch ans Grab», schildert Markus Brun, Pfarrer in St. Marien und Allerheiligen in Basel, den Rahmen einer Abschiedsfeier in dieser Zeit. Geschlossene Räume wie etwa eine Kapelle dürfen nicht mehr benützt werden, die ganze Feier findet im Freien statt. Der Seelsorger trifft die Angehörigen am Eingang oder an einem vereinbarten Ort auf dem Friedhof. Die Urne muss dann bereits beim Grab sein – um Kontakte zu vermeiden, kann sie nicht während der Feier gebracht werden. Je nach den Wünschen der Angehörigen werden am Grab persönliche Worte, ein individuell ausgewählter Text oder auch ein Psalm gesprochen. «Man kann schon gestalten, aber in einem kleinen Rahmen», meint Pfarrer Brun. «Die Leute sind sehr verständnisvoll, sie sind froh, dass jemand mitkommt und sie nicht ganz allein zum Grab gehen müssen. Es war wirklich eine Begleitung.»

«Trotz allem eine gute Form»

Die Vorgabe lautet, dass Bestattungen «im engsten Familienkreis» stattfinden sollen. In der Praxis bestimme die Familie diesen Kreis selbst, erklärt Pfarrer Felix Terrier vom Seelsorgeverband Angenstein, doch hänge es auch von den räumlichen Verhältnissen ab. Der Rahmen liege bei fünf bis maximal 20 Personen. Die Angehörigen wünschten für den Abschied am Grab vermehrt bestimmte Elemente der Gestaltung: Etwa ein Musikstück oder Lieder, die mit Lautsprechern ab Tonträgern erklingen, ein bestimmtes Gebet oder ein Gedicht. Bei der letzten Abschiedsfeier haben die Angehörigen auch einen Liedtext abgegeben. Es wurde zwar nicht laut mitgesungen, dennoch war die innere Beteiligung spürbar. Anstelle von Weihwasser gaben die Anwesenden dann Blumen ins Grab. Für Pfarrer Terrier war es unter den gegebenen Umständen eine gute Form des Abschieds: «Ich habe die Leute gespürt.» Er sagt aber auch: «Wenn es regnet und alle unter Schirmen stehen, wird es wohl schwieriger.»

Christian von Arx