Der Turm der Kirche Sacré Coeur bröckelt schon seit längerem. Eine Schutzvorrichtung im unteren Teil hat bis jetzt die Gefahr entschärft. Nun ist ein Abbruch unumgänglich. | © Archiv kh
23.06.2021 – Aktuell

Pfarrei Sacré-Coeur darf vorerst bleiben

Areal Feierabendstrasse: 15 Jahre Aufschub für Umzug, der Turm fällt

Das Areal der französischsprachigen Pfarrei Sacré-Coeur an der Feierabendstrasse in Basel soll mittelfristig umgenutzt werden. Vorerst darf die Pfarrgemeinde bleiben, muss aber den baulichen Unterhalt selbst finanzieren. Die Synode hat einer entsprechenden Vereinbarung mit grossem Mehr zugestimmt.

Die Beispiele Christophorus und Don Bosco zeigen, dass die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt (RKK BS) sich der Herausforderung Umnutzung von nicht mehr benötigter baulicher Infrastruktur stellt. Die lange Geschichte der beiden Projekte illustriert aber auch, dass es kein einfaches Unterfangen ist. Dies gilt auch für das Areal Feierabendstrasse 66-68, wo die französischsprachige Pfarrei Sacré-Coeur zu Hause ist.

Mittelfristig soll auch das Areal Feierabendstrasse umgenutzt werden. Dies hat der Kirchenrat in einem Grundsatzentscheid beschlossen. Bis dahin will die RKK BS nicht mehr in den Unterhalt der sanierungsbedürftigen Gebäude (Kirche, Turm und Pfarreiheim) investieren. Der Kirchenrat stützt sich dabei auf das Pastoralraumkonzept, welches vorsieht, dass die Pfarrei Sacré-Coeur ihren Standort aufgeben und sich einer deutschsprachigen Pfarrei anschliessen soll.

Nutzung zum Nulltarif

Die Pfarrei hat sich für den Fall eines Umzugs für St. Marien entschieden, möchte aber an ihrem Standort bleiben und ist bereit, den baulichen Unterhalt und allfällig notwendige Sanierungsmassnahmen selbst zu finanzieren. Auf dieses Angebot ist der Kirchenrat eingestiegen. Er beantragte der Synode, einer Vereinbarung zuzustimmen, wonach der Pfarrei Sacré-Coeur während 15 Jahren die Nutzung des Areals Feierabendstrasse zum Nulltarif überlassen werden soll.

Dort wurde das Geschäft kontrovers diskutiert. Ein Umzug sei machbar, aber ein grosser Teil der Seele der Pfarrei würde damit verschwinden, sagte Adrienne Lotz, Präsidentin der Synodenfraktion Sacré-Coeur. Zu hören war aber auch das Argument, dass mit der Überlassung dem Kirchenrat für 15 Jahre die Hände gebunden wären. Zudem wurde auf eine Überschneidung mit der Tätigkeit der Spezialkommission Gebäudestrategie hingewiesen. Deren Präsident Thomas Holinger (Fraktion Heiliggeist) gab allerdings Entwarnung und unterstützte die Vereinbarung mit Sacré-Coeur. «Vielleicht ist man noch froh, wenn etwas erst in 15 Jahren kommt», sagte er. Pastoralraumpfarrer Stefan Kemmler hielt fest, dass angesichts der Zeit, die es in der RKK BS für Projekte brauche, in Sachen Umzug von Sacré-Coeur keine Eile angesagt sei.

Eher ohne Gemeinschaftsraum

Erika Maurer (St. Franziskus) plädierte dafür, die Zeit zu nutzen und dem Beispiel Christophorus folgend eine Mischnutzung Ertragsliegenschaft mit Gemeinschaftsraum zu planen. Kirchenratspräsident Christian Griss gab zu bedenken, dass dieses Modell den möglichen Ertrag reduziere. Er würde darauf wetten, dass auf dem Sacré-Coeur-Areal in 15 Jahren keine Umnutzung mit einem Gemeinschaftsraum geplant sein werde.

Schliesslich stimmte die Synode der Vereinbarung zu. Die Pfarrei verpflichtet sich darin, sämtliche laufenden Kosten für Unterhalt und Reparaturen sowie allfällige Investitionen zu übernehmen. Zusätzlich erklärt sich die Pfarrei bereit, den geplanten Rückbau des Kirchturms zu finanzieren. Der schon seit längerem bröckelnde glockenlose Turm muss aus Sicherheitsgründen abgerissen werden.

Regula Vogt-Kohler