Der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst in der ökumenischen Kirche Flüh; die Kerzen stehen für die fünf Gemeinden des Solothurnischen Leimentals. | © Christian von Arx
17.01.2021 – Aktuell

Vom Streben nach Einklang – in der Politik wie in der Ökumene

Der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst predigte in der ökumenischen Kirche Flüh

In seiner Gastpredigt vom 17. Januar in der ökumenischen Kirche Flüh schlug der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst die Brücke von drei kirchlichen und ökumenischen Themen zu Leitlinien, die er für seine politische Tätigkeit in Anspruch nimmt.

Ein Politiker als Prediger auf der Kanzel? In der ökumenischen Kirche Flüh ist das Tradition zum Auftakt der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen. Dieses Jahr ging die Einladung an Roland Fürst, gelernter Biologe, dann Direktor der Solothurner Handelskammer und seit 2013 Regierungsrat und Vorsteher des Bau- und Justizdepartements des Kantons Solothurn. Berührungsängste hatte er keine: Schliesslich wurde die ökumenische Kirche 1974 von Abt Mauritius Fürst von Mariastein geweiht, einem Cousin des Göttis von Roland Fürst. Der Gastprediger fand, «mit der entsprechenden politischen Einstellung» sei es durchaus verträglich, wenn am ökumenischen Sonntag für einmal ein Politiker statt eines Geistlichen auf der Kanzel stehe.

Mitmenschen akzeptieren und gern haben

In seinen persönlich gehaltenen Predigtgedanken ging der CVP-Politiker denn auch von drei kirchlichen Themen aus. Einklang mit sich selbst, mit Gott und den Nächsten, also der Gemeinschaft, in die jede und jeder gestellt ist: Dieses Motto der diesjährigen Gebetswoche, ausgewählt von der nach der Regel von Taizé lebenden Schwesterngemeinschaft von Grandchamp NE, scheint gut zum Selbstverständnis des Politikers Fürst zu passen. Im zugrundeliegenden Wort aus dem Johannesevangelium (15,8–9)  – «Bleibt in meiner Liebe und ihr werdet reiche Frucht bringen» – erkennt er eine Lebenshaltung: Inneren Frieden zu erlangen, der zu mehr Gelassenheit, Zufriedenheit und Harmonie führe und es ermögliche, aktiv im Hier und Jetzt zu leben. Das drücke sich darin aus, seine Mitmenschen zu akzeptieren und gern zu haben, Respekt für sie aufzubringen und Gemeinschaft zu leben.

Revision der Aufhebung des Klosters Mariastein

Zur staatsrechtlichen Wiederherstellung des Klosters Mariastein vor 50 Jahren bemerkte der heutige Solothurner Baudirektor, glücklicherweise sei der Kanton Solothurn nach der Aufhebung des Klosters im Jahr 1874 nicht sehr erfolgreich darin gewesen, die Klosteranlage schnell und gewinnbringend zu verwerten. Die Abstimmung über die Wiederherstellung fand am 7. Juni 1970 statt, noch kurz vor der Einführung des Frauenstimmrechts. Zum Glück hätten es die Männer auch allein geschafft, richtig abzustimmen und die Enteignung wiedergutzumachen, schmunzelte Fürst.

Den Menschen Freiräume lassen

In der Ökumene – dem dritten Thema seiner Predigt – sieht Roland Fürst die Suche nach einem gemeinsamen Weg der Kirchen, also wiederum das Streben nach Einklang. Dies wäre fast ein Oberbegriff für das Politikverständnis, das der Solothurner Regierungsrat in seiner Predigt formulierte: Sozial verträgliche, mehrheitsfähige und zukunftsgerichtete Lösungen suchen; im Bewusstsein, dass es immer vorläufige Lösungen sind, die veränderbar und verbesserbar bleiben. Lösungen zudem, die den Menschen Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten belassen, ähnlich wie die Ökumene als gemeinsame Basis konfessionelle Unterschiede und damit Freiräume zulässt. «Man muss Menschen mögen, wenn man gute Lösungen finden will», sagte Fürst. Und weil es keine Lösungen gebe, die für alle stimmen, müsse die Politik dafür besorgt sein, ein Nebeneinander zu ermöglichen, das Toleranz beinhalte und trotzdem ein gewisses Mass an Einklang bringe – also das, was das Motto der ökumenischen Gebetswoche zum Ausdruck bringt.

Roland Fürst wurde 2013 in den Solothurner Regierungsrat gewählt. Nach acht Amtsjahren wird er diesen Sommer aus der Kantonsregierung ausscheiden: Er wird zwar erst 60-jährig, hat aber aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederkandidatur bei den diesjährigen kantonalen Wahlen vom 7. März verzichtet.

Christian von Arx