Hans Zollner, Präsident des Centre for Child Protection (CCP), des Zentrums für Kinderschutz, und Vizerektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, in Rom vor dem Panorama der Stadt. | © KNA-Bild
21.02.2019 – Aktuell

Regeln alleine genügen nicht

Unterschiedliche Erwartungen an das Spitzentreffen zum Thema Kinderschutz

Vom 21. bis 24. Februar kommen Vorsitzende der Bischofskonferenzen in Rom zum Krisengipfel in Sachen Missbrauch Minderjähriger zusammen. Hans Zollner, Leiter des päpstlichen Kinderschutzzentrums, erwartet vom Treffen, dass es gelingt, sich auf einheitliche Standards zu einigen und zugleich Spielraum für örtliche Besonderheiten zu belassen.

 

Der Jesuit Hans Zollner gehört dem Gremium an, das im Auftrag von Papst Franziskus den Missbrauchsgipfel vorbereitet hat. In einem Interview in der «Herder Korrespondenz» (Ausgabe 2/2019) hält er fest, die Haltung zur Missbrauchsproblematik sei von zentraler Bedeutung für die Institution Kirche: «Ob und wie wir uns als Kirche dem Thema Missbrauch stellen, ist für die Kirche eine existenzielle Frage.» Hier entscheide sich zu einem massgebenden Teil, ob sie als vertrauens- und glaubwürdig wahrgenommen werden könne. «Eine Institution, bei der es genau darum geht, um überhaupt ihrem Auftrag gerecht zu werden, kann und darf sich hier nicht einfach wegducken.»

Die Herausforderung, der sich die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zu stellen haben, vergleicht er mit der Quadratur des Kreises. Es gehe beim Treffen darum, das «gemeinsame entschiedene Handeln zum Wohl und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu stärken». Das Ziel ist die Einigung auf einheitliche Standards, die so viel Spielraum lassen, dass örtliche Besonderheiten ohne Abstriche beim Kinder- und Jugendschutz berücksichtigt werden können.

Mit dem Aufstellen von Regeln sei es nicht getan, betont Zollner. Fehle es an der entsprechenden persönlichen Haltung, so höhle dies alle Vorschriften aus. Der Ruf nach Regeln höre sich gut an, man mache es sich damit aber auch zu leicht. Die Regeln nachhaltig umsetzen, das sei das Schwierige.

Zollner räumt auch mit der Vorstellung auf, dass sich Missbrauch für immer aus der Welt schaffen lasse. Mit guter Prävention lasse sich die Wahrscheinlichkeit von Missbrauch deutlich senken, doch eine Äusserung wie «Missbrauch wird es nicht mehr geben» hält er für gefährlich. «Man kann Menschen weder zu 100 Prozent kontrollieren noch zu 100 Prozent bestimmen.»

Papst Franziskus hat Ende Januar an einer Medienkonferenz auf dem Heimflug vom Weltjugendtag vor zu hohen Erwartungen an das Treffen gewarnt. Die Vertreter der ­Bischofskonferenzen müssten sich zunächst alle des Dramas sexuellen Missbrauchs bewusst werden, sagte er gemäss einem auf kath.ch publizierten Bericht der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. Weiter müsse man den Bistumsleitern die nötigen Prozeduren vermitteln. Die Verfahrenswege auf allen Ebenen müssten klar sein. Einige Bischöfe hätten das Problem noch «nicht gut verstanden». Das Treffen im Va­tikan werde Gebete und eine Bussliturgie beinhalten, aber auch «Erlebnisberichte, um ein Bewusstsein zu erzeugen».

Regula Vogt-Kohler