Im Bistum Basel nehmen Theologinnen und Theologen ohne Diakon- oder Priesterweihe einen grossen Teil der Aufgaben in der Seelsorge wahr (Bild: Institutiofeier mit Bischof Felix Gmür am 28. Mai 2017 in Buchs AG) – darum sollen sie an der Messe mit Papst Franziskus in Genf ihren Platz haben. (Foto: Roger Wehrli)
16.06.2018 – Aktuell

Die Albe zeigt dem Papst die Realität der Schweizer Kirche

Nicht ordinierte Seelsorgende mussten sich für ihre sichtbare Teilnahme an der Papstmesse wehren

Anfänglich war die Präsenz nichtordinierter Seelsorgerinnen und Seelsorger an der Messe mit Papst Franziskus in Genf nicht vorgesehen. Dank der Initiative zweier Theologinnen aus Basel erhalten sie nun doch ihren sichtbaren Platz.

Mehr als 40 000 Personen haben sich für die Messe mit Papst Franziskus vom 21. Juni im Genfer Kongresszentrum Palexpo angemeldet. Doch das Anmeldeformular für die Papstmesse sorgte im Bistum Basel für Befremden, weil nichtordinierte Theologinnen und Theologen mit keinem Wort erwähnt wurden. Auf Initiative zweier Theologinnen aus Basel setzte sich Bischof Felix Gmür dafür ein, dass auch nichtordinierte Seelsorgende einen sichtbaren Platz im Gottesdienst bekommen: Sie werden in der Albe, dem weissen liturgischen Gewand, teilnehmen.

Für die Teilnahme an dieser Eucharistiefeier am Donnerstag, 21. Juni, um 17.30 Uhr konnten sich in einem ersten Schritt Pfarreien, Seelsorgeeinheiten, Ordensgemeinschaften und katholische Schulen anmelden. Doch das Online-Formular, welches die Diözese Lausanne vom Vatikan übernommen und auf ihrer Webseite aufgeschaltet hatte, berücksichtigte die Schweizer Gegebenheiten nicht und sorgte damit für Befremden und Kopfschütteln. Eine, die nicht bloss die Faust im Sack machte, sondern ihre Überzeugung kundtat, war Dorothee Becker. Die Theologin und Seelsorgerin in der Pfarrei Heiliggeist in Basel erklärt: «Als Anmeldekategorien sind auf diesem offiziellen Formular aufgeführt: Priester, Diakone und andere Gläubige». Es störte sie, dass Pastoralassistentinnen, Gemeindeleitende oder Spitalseelsorger – ganz allgemein Theologinnen und Theologen ohne Weihe – nicht als eigene Kategorie aufgeführt sind.

Denn die Pastoral in der Schweiz, betont Dorothee Becker, werde bei Weitem nicht nur durch geweihte Männer bewältigt, sondern überall auch von nichtordinierten Theologinnen und Theologen verantwortet und getragen. «Ich finde es wichtig, dass die Schweizer Realität in diesem Gottesdienst vom 21. Juni sichtbar wird. Wir wollen, dass neben Priestern und Diakonen auch die nichtgeweihten Theologinnen und Theologen wie Gemeindeleitende, Fachstellenleitende oder Pastoralassistentinnen ihren Platz in der Feier bekommen.»

In ihrer Kollegin Monika Hungerbühler, Co-Dekanatsleiterin der Kirche Basel-Stadt, fand Dorothee Becker eine Gleichgesinnte. Noch dazu eine mit gutem Draht zu Bischof Felix. Ihm unterbreiteten die beiden Theologinnen ihr Anliegen zuerst mündlich und verfassten dann einen Brief, den sie dem ­Diözesanbischof direkt zustellen konnten. Darin schlagen die beiden Theologinnen vor, dass in diesem speziellen Gottesdienst gemeinsam mit den Geweihten auch nichtor­dinierte Theologinnen und Theologen im kirchlichen Dienst einen Platz finden.

Das Schreiben stiess beim Bischof auf of­fene Ohren. Für das Anliegen gab es eine ­Lösung: «Theologinnen und Theologen mit Albe».

Marie-Christine Andres Schürch, Horizonte Aargau