Mitten im Leben: Medea Sarbach am Tramknotenpunkt beim Zürcher Bellevue. (Foto: Christian von Arx)
17.03.2018 – Hintergrund

«Mutiger zu unserem Glauben stehen»

Medea Sarbach (23) aus Laufen nimmt am Vorbereitungstreffen zur Jugendsynode in Rom teil

Drei junge Erwachsene aus der Schweiz – zwei Männer, eine Frau – nehmen vom 19. bis 24. März in Rom an einem Vorbereitungstreffen zur Jugendsynode im Herbst teil. Eine von ihnen ist die Theologiestudentin Medea Sarbach aus Laufen.

Frau Sarbach, wie sind Sie zu der Aufgabe gekommen, die Schweiz an der Vorsynode zu vertreten? Haben Sie sich darum beworben?
Medea Sarbach: Nein, der Jugendbischof Marian Eleganti hat mich angefragt. Ich kenne ihn von den verschiedenen Weltjugendtagen, an denen ich bereits teilgenommen habe. Ich kam auf eine Liste, und bei der Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz vom letzten Dezember wurde ich zur Schweizer Delegierten ernannt. Darüber freue ich mich sehr.

Sie studieren Theologie in Fribourg – was waren Ihre Beweggründe für diese Wahl?
Schon als Kind habe ich mich dafür entschieden, mein Leben mit Gott zu leben. Während eines Auslandjahrs in Houston (Texas) durfte ich erleben, dass die katholische Kirche meine Heimat ist. Dieses Erlebnis hatte ich auch in Kolumbien, wo ich ein halbes Jahr in einem Kinderheim mitgearbeitet habe. Im Gymnasium habe ich meine Latein-Abschlussprüfung über das Johannesevangelium geschrieben. Da hat es mich wirklich gepackt. An einem Infotag der Universität Fribourg habe ich mich sofort für das Theologiestudium entschieden.

Die anderen beiden Schweizer – der Journalist Sandro Bucher (25) aus Ebikon (LU) und der Medizinstudent Jonas Feldmann (25) aus Zug – vertreten die Kritiker an der Vorsynode und wurden direkt von Rom angefragt. Bucher bezeichnet sich als Atheist, Feldmann als kritischer Katholik. Kennen Sie die beiden?
Wir werden uns vor der Reise nach Rom treffen. Dass auch Leute mit einer kritischen Einstellung eingeladen wurden, finde ich toll. Ich denke, dass wir uns gegenseitig bereichern können.

Wie ist denn Ihre Position zur Kirche? Unkritisch?
Ich gehe als Delegierte der Schweizer Bischofskonferenz an die Vorsynode. Diese Rolle passt für mich, ich fühle mich sehr daheim in der katholischen Kirche. Aber natürlich gehe ich ohne inhaltliche Vorgaben der Schweizer Bischofskonferenz.

Als Frau haben Sie in der katholischen Kirche keinen Zugang zum Priesteramt. Wie sehen Sie das?
Darin sehe ich für mich nichts Negatives. Dass ich als Frau angefragt wurde, zeigt für mich, dass ich und meine Position ernst genommen werden.

Was möchten Sie an der Vorsynode in Rom einbringen?
Ich möchte, dass Jugendliche auch in Zukunft Zugang finden zu dem Schönen, das die katholische Kirche bietet. Ich durfte immer wieder erfahren, dass Jesus mir eine Hoffnung und eine Aufgabe im Leben schenkt. Viele Jugendliche sehen keinen Sinn im Leben. Das habe ich in meinem Umfeld auch erlebt. Ich möchte, dass sich die Kirche mit den Fragen auseinandersetzt, die Jugendliche beschäftigen.

Was meinen Sie mit dem Schönen in der katholischen Kirche?
Ich durfte in meinem Leben immer wieder neu erfahren, dass Gott mich auch durch Schwierigkeiten im Leben trägt. Er ist der rote Faden für mich. Wichtig waren für mich auch die Teilnahmen an internationalen und Deutschschweizer Weltjugendtagen. Dort durfte ich erleben, dass die katholische Kirche jung ist. Es war auch unglaublich schön zu sehen, dass sogar junge Katholiken aus dem Nahen Osten gekommen waren. Auch dass wir Jugendlichen alle zusammen eine Messe feiern konnten, hat mich sehr berührt und total ermutigt, zu meinem Glauben zu stehen, auch hier in der Schweiz. Überhaupt erlebe ich es als starkes Zeichen, dass wir in der katholischen Kirche überall auf der Welt dieselbe Messe feiern. In anderen Ländern werden andere Lieder gesungen, aber man versteht die Messe unabhängig von der Landessprache und Kultur.

Wissen Sie schon, wie die Vorsynode in Rom verlaufen wird?
Wir werden in vier Sprachgruppen eingeteilt – Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch –, in denen wir diskutieren werden, welche Themen die Bischöfe an der Jugendsynode unserer Meinung nach zur Sprache bringen sollen. Am Ende der Woche werden wir zusammen ein Dokument ausgearbeitet haben, welches dann die Grundlage für die Jugendsynode im Oktober sein wird.

Erwarten Sie grosse Unterschiede zu den Auffassungen der Teilnehmenden aus andern Weltgegenden?
Ein grosser Unterschied liegt meiner Meinung darin, wie man den Glauben lebt. In den Ländern im Süden oder auch in den USA äussert sich das viel selbstverständlicher; wir in Europa sind da zurückhaltender. Ich habe aber bei meinen Begegnungen mit Jugendlichen im Ausland immer mehr das Verbindende als die Unterschiede gesehen

Haben Sie einen Wunsch an die Kirche?
Mein Wunsch ist, dass wir die Freude, die uns Christus schenkt, noch mehr in die Welt tragen. Deshalb finde ich die neue katholische Initiative «Mission Manifest» so wichtig. Ich wünsche uns, dass wir mutiger zu unserem Glauben stehen und zu den Leuten gehen.

Interview: Christian von Arx

Medea Sarbach (23) stammt aus Laufen und lebt zurzeit in Fribourg, wo sie das letzte Semester ihres Bachelor-Studiums in Theologie absolviert. Sie ist Bistumsstudentin für das Bistum Basel, das heisst, sie hat Interesse an der Ausbildung zur Seelsorgerin angemeldet und ein Pfarreipraktikum in Hünenberg (ZG) absolviert.