Pascal Ryf (Oberwil), seit 2014 Präsident der Baselbieter Synode, will sein Amt Mitte 2019 abgeben. | © Archiv Kh
06.12.2018 – Aktuell

Lauter Ruf nach mehr Seelsorge am Kinderspital

Aufregende Herbstsynode der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland

Unmut über die Haltung des Kinderspitals beider Basel zur Spitalseelsorge, eine Resolution an den Bischof zu den Missbrauchsfällen und die Rücktrittsankündigung von Präsident und Vizepräsident rückten das Budget 2019 an der Herbstsynode der Baselbieter Landeskirche fast in den Hintergrund.

Liebend gern möchte die Baselbieter Landeskirche mehr Geld ausgeben, aber sie kann nicht: So lässt sich die Stimmung rund um die Spitalseelsorge am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) umschreiben. «Gerade wenn Kinder schwer krank im Spital sind, in Lebensgefahr schweben oder gar sterben, brauchen sie und ihre Angehörigen seelsorgerischen Beistand» – so der Tenor an der Herbstsynode im Landratssaal von Liestal. Mit Händen zu greifen waren Unverständnis und Unmut darüber, dass sich offenbar die Spitalleitung des UKBB gegen ein höheres Pensum für die Seelsorge an «ihrem» Spital sträubt, obwohl die Kirche es finanzieren würde. «Unsere Geduld ist erschöpft, jetzt ist Kommunikation angesagt», erklärte Viktor Lenherr (Aesch).

Signal an die Öffentlichkeit

Bis 2016 hatte die Seelsorge am UKBB insgesamt 80 Stellenprozente, seit Sommer 2017 nur noch 20 Stellenprozent – und soeben wurde diese «Pilotphase» bis Sommer 2020 verlängert. Dieses Minipensum sei «eigentlich nichts», sagte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini. Der Rat kämpfe weiterhin für 80 Prozent – dafür erntete Corvini spontanen Applaus. Als Schritt dorthin sah der Landeskirchenrat im Budget 2019 ein (zusätzliches) 30-Prozent-Pensum vor; weil dies jedoch nun gar nicht möglich ist, wollte er den Posten notgedrungen aus dem Budget streichen. Doch da machte die Synode nicht mit: Auf Antrag von Felix Wehrle (Muttenz) wurde diese Kürzung bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung demonstrativ abgelehnt – als Signal für eine stärkere Seelsorge am Kinderspital.

Allerdings künden sich ohnehin Änderungen in der Spitalseelsorge an. Schon vor der Budgetdebatte hatte Corvini mitgeteilt, dass die reformierten, katholischen und christkatholischen Kirchen beider Basel wegen des Zusammenrückens der Spitäler von Stadt und Landschaft die Situation überprüfen wollen: «Wir wollen die Spitalseelsorge neu aufstellen, um den neuen Gegebenheiten Rechnung zu tragen.»

Kein Teuerungsausgleich

Im Voranschlag 2019 strich die Synode mit grossem Mehr gegen 11 Stimmen bei 5 Enthaltungen einen Betrag von 40 000 Franken, der für einen möglichen Teuerungsausgleich von 1,3 Prozent reserviert war. Damit ist der Entscheid des Landeskirchenrats schon vorweggenommen: 2019 wird kein Teuerungsausgleich ausgerichtet.

Bewilligt hat die Synode dagegen 56 400 Franken für eine neue Sekretariats-Teilzeitstelle auf der Verwaltung. Ein Streichungsantrag wurde mit 45 gegen 7 Stimmen bei 7 Enthaltungen abgelehnt.

Nach diesen Beschlüssen weist das Budget 2019 der Landeskirche Baselland einen minimalen Überschuss von 750 Franken aus, dies bei einem Aufwand von 10 738 500 Franken. Das gilt als «schwarze Null».

Weiterhin Seelsorge im Tabubereich

Unbestritten war die Weiterführung der 2016 mit 40 Stellenprozent gestarteten Projektstelle Seelsorge im Tabubereich (SiTa), gemeinsam mit der RKK Basel-Stadt. Zu reden gab nur die Dauer der Verlängerung. 39 Synodale stimmten für drei Jahre, 25 für zwei Jahre. Da der Beschluss der baselstädtischen Synode beide Varianten ermöglicht, wird die SiTa nun um drei Jahre verlängert, bis Ende 2021. Der Bischofsvikar soll aber schon im 1. Quartal 2020 mitteilen, ob die Projektstelle in eine unbefristete Stelle umgewandelt werden soll.

Personell wird es einen Wechsel geben, da die bisherige Stelleninhaberin Anne Burgmer nicht weitermacht. Landeskirchenrätin Monika Fraefel teilte mit, dass demnächst eine Wahl aus drei guten Bewerberinnen getroffen werden könne.

Genehmigt wurden weiter drei neue Vereinbarungen zur Mitfinanzierung der überkantonalen Missionen in albanischer, polnischer und portugiesischer Sprache.

Wie schon die Synode Basel-Stadt erhielten auch die Baselbieter eine Eingabe, die nach konkreten Massnahmen für den gleichberechtigten Zugang zu kirchlichen Berufen aufgrund des seit 2014 bestehenden Verfassungsauftrags fragt. Landeskirchenratspräsident Corvini nannte die Übergabe des Anliegens an die Glaubenskongregation in Rom und die Gespräche mit dem Bischof. Angesprochen sei aber die ganze Landeskirche, also auch die Synode.

Doppelrücktritt an der Synodenspitze

Die Sitzung endete mit einem Paukenschlag: Synodepräsident Pascal Ryf (Oberwil) kündigte seinen Rücktritt auf Ende Juni 2019 an. Ryf gehört seit März 2013 dem Büro der Synode an und ist seit Mitte 2014 deren Präsident. Niggi Thurnherr (Arlesheim), seit 2011 Vizepräsident der Synode, gab ebenfalls seinen Rücktritt auf den gleichen Zeitpunkt bekannt. Die Baselbieter Synode braucht also nächstes Jahr eine neue Spitze.

Christian von Arx