Musikzentrum statt Gottesdienste: Der Hauptraum der profanierten Kirche Don Bosco in Basel dient als Probe- und Konzertsaal. | © Regula Vogt-Kohler
26.10.2020 – Aktuell

Neue Töne in der Kirche

Die Basler Don-Bosco-Kirche ist jetzt ein Musikzentrum

Sieben Jahre nach der Schliessung ist in der Basler Kirche Don Bosco neues Leben eingekehrt. Musikensembles nutzen den Hauptraum und weitere Säle für Proben und Konzerte. Mit der Kapelle bleibt ein Stückchen kirchliche Heimat erhalten.

Das Projekt Umnutzung der römisch-katholischen Kirche Don Bosco im Basler Breitequartier musste viele und teilweise hohe Hürden nehmen, bevor am 17. Oktober das Musikzentrum mit festlichen Klängen eröffnet werden konnte. Die Herausforderungen seien sehr vielfältig gewesen, sagt dazu Bruno Chiavi, Projektleiter Bau bei der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt (RKK BS) und Vorstandsmitglied des Vereins Kulturzentrum Don Bosco.

Grenzen für neue Nutzung

Besonders anspruchsvoll war es, eine geeignete Nutzung für den Sakralbau zu finden. Wie eine Fotoausstellung Anfang 2016 in Don Bosco zeigte, gibt es für die Umnutzung einer Kirche grundsätzlich viele Möglichkeiten. Und es sei auch nicht schwierig, Interessenten zu finden, sagt Chiavi. Allerdings setzen die Kriterien der Schweizer Bischofskonferenz enge Grenzen. So heisst es in den 2006 vorgelegten Empfehlungen, dass in erster Linie religiöse Gemeinschaften der römisch-katholischen Kirche, danach auch andere christliche Gemeinschaften berücksichtigt werden sollen. Eine Umnutzung könne weiter auch für geeignete kulturelle und soziale Aufgaben in Betracht gezogen werden.

Begrenzt war der Spielraum zudem, weil die 1935 von Hermann Baur erbaute Kirche unter Denkmalschutz steht. Das bedeutet ein enges Korsett für bauliche Veränderungen. Klar abgesteckt waren für die RKK BS auch die Vorgaben in finanzieller Hinsicht: Es würde Sache des neuen Nutzers sein, einen Umbau zu finanzieren. Nachdem an der Finanzierungsfrage ein erster Anlauf für ein Musikzentrum gescheitert war, begann die Suche von Neuem.

Mit der Gründung des Vereins Kulturzentrum Don Bosco nahm das Vorhaben Umnutzung vor vier Jahren Fahrt auf, und ohne Verzögerungen durch Einsprachen hätte das Musik- und Kulturzentrum längst vor Corona seine Türen geöffnet. Das Geld für den Umbau sei dank grosszügiger privater Spender in kürzester Zeit zusammengekommen, berichtet Chiavi. Der Betrieb muss nun aber selbsttragend sein, was in Coronazeiten nicht so einfach ist. Die Gönner haben zusammen mit Bund und Kanton auch die Fassadensanierung finanziert. Hauptnutzer des Zentrums sind das Kammerorchester Basel, Basel Sinfonietta, die Mädchenkantorei und die Orchester der Musikakademie.

Kapelle und Turm bei der RKK

Während der Verein die Hauptkirche, das Pfarreiheim und die Grundflächen für die Kirchenanbauten im Baurecht übernommen hat, verblieben die Kapelle, der Turm mit dem Geläute und das Pfarrhaus im Eigentum der RKK BS. Mit der renovierten Kapelle bleibt ein kleines Stück kirchliche Heimat im Quartier erhalten. Wann die Pfarrei Heiliggeist die Gottesdienste in Don Bosco wieder aufnehmen wird, steht noch nicht fest. Diese finden im Moment jeweils donnerstags am Ersatzort an der Farnsburgerstrasse 58 statt.

Regula Vogt-Kohler

 

Die Kapelle ist bald bereit für die Wiederaufnahme des kirchlichen Lebens. | © Regula Vogt-Kohler
Die Kapelle ist bald bereit für die Wiederaufnahme des kirchlichen Lebens. | © Regula Vogt-Kohler
Die Madonna aus der Kapelle Don Bosco steht nun draussen. | © Regula Vogt-Kohler
Die Madonna aus der Kapelle Don Bosco steht nun draussen. | © Regula Vogt-Kohler
Haupteingang des Musikzentrums: Äusserlich gibt es kaum Änderungen. | © Regula Vogt-Kohler
Haupteingang des Musikzentrums: Äusserlich gibt es kaum Änderungen. | © Regula Vogt-Kohler