Die Synode der Baselbieter Landeskirche fand erneut im Congress Center Basel statt. Bei Bewegungen im Saal galt Maskenpflicht. | © Christian von Arx
01.12.2020 – Aktuell

UKBB gegen Spitalseelsorge – «wie eine Berliner Mauer»

Die Landeskirche Baselland kann eine geplante Anstellung nicht vornehmen

Die seit langem angestrebte Rückkehr einer katholischen Spitalseelsorge ans Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) ist nicht möglich: Die Spitalleitung blockt das Anliegen von Synode und Landeskirchenrat der Landeskirche Baselland ab.

Im August hatte die Römisch-katholische Landeskirche Basel-Landschaft per Inserat eine Stelle von 30 bis 60 Prozent für die Spitalseelsorge am UKBB ausgeschrieben. Doch aus dieser Stellenbesetzung wird nichts. Wie Wanda Bürgin, Vizepräsidentin des Landeskirchenrats, der Synode vom 30. November berichtete, kam es Ende Oktober zur direkten Begegnung: Vom Spital waren Verwaltungsrat und Geschäftsleitung vertreten, von der Kirche der Bischofsvikar Valentine Koledoye, Synodepräsidentin Béatrix von Sury d’Aspremont und Kirchenrätin Wanda Bürgin. «Wir waren schockiert über das unfreundliche Klima», sagte Bürgin. «Man hat uns klar zu verstehen gegeben, dass mehr als 20 Prozent katholische Spitalseelsorge nicht erwünscht sei. Die UKBB-Vertreter sagten: ‹Die Synode interessiert uns nicht.›» In dieser Situation sei eine Anstellung schwierig.

Auch Bischofsvikar Koledoye sprach von einer «ganz schlechten Sitzung». Für ihn sei es ein grosser Schock gewesen, «wie eine Berliner Mauer». «Es geht um die Bedürfnisse der Patienten, um unseren Auftrag und unsere Verantwortung gegenüber unseren Gläubigen», sagte Valentine Koledoye. Weitere Gespräche lohnten sich nicht mehr. Die Kirche müsse nun einen andern Weg suchen, um ihr Ziel zu erreichen.

Caritas-Lieferdienst auch 2021

Ein Erfolgserlebnis für die Synode ist dafür der Caritas-Lieferdienst für Armutsbetroffene im Baselbiet. Er wurde beim Ausbruch der Coronakrise ins Leben gerufen und startete im April. «Im Kanton Baselland gibt es 10‘000 Unterstützungsbedürftige», erklärte Landeskirchenrat Joseph Thali. «Sie können bestellen, was man im Caritasladen kaufen kann.» Im Jahr 2020 hatte der Landeskirchenrat kurzfristig 60‘000 Franken dafür bewilligt, im neuen Jahr sind nun nochmals 42‘000 Franken budgetiert. Dazu soll ein Beitrag von Caritas Schweiz kommen. Laut Thali werden nochmals alle Kirchgemeinden angefragt, ob sie mitmachen. Man werde auch an alle Einwohnergemeinden gelangen.

Prävention gegen sexuellen Missbrauch

Ohne Gegenstimmen und bei einer Enthaltung verabschiedete die Synode in 2. Lesung die Teilrevision der Anstellungs- und Besoldungsordnung (ABO). Auf Antrag der Kirchgemeinde Allschwil wurde zusätzlich eingefügt, dass von allen Angestellten, die der ABO unterstehen, bei der Anstellung ein Privatauszug aus dem Strafregister verlangt wird, zusätzlich von allen Angestellten in seelsorgerlicher, erzieherischer oder betreuender Funktion ein Sonderprivatauszug, der alle drei Jahre erneuert werden muss. Da dies von allen Personen mit einer Missio canonica ohnehin schon vom Bischof verlangt wird, wirkt sich die neue Bestimmung der ABO vor allem bei Religionslehrpersonen aus.

Erich Fischer (Allschwil) begründete den Antrag als eine Massnahme zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch. Der Landeskirchenrat fand, dies sei nicht notwendig. Die Synode stimmte der Ergänzung jedoch mit grossem Mehr gegen sieben Stimmen bei drei Enthaltungen zu.

Die Änderungen der ABO unterstehen noch dem fakultativen Referendum. Sie sollen auf den 1. Januar 2022 in Kraft treten.

Budget 2021 mit Verlust

Im Budget 2021 bekommt die Landeskirche den deutlichen Rückgang der Steuereinnahmen von den juristischen Person als Folge der Unternehmenssteuerreform (Steuervorlage 17) zu spüren – von 4,4 auf 3,3 Mio. Franken. Als teilweisen Ausgleich erhält die Landeskirche immerhin 0,4 Mio. Franken aus den Ausgleichsbeiträgen des Bundes an den Kanton. Der normale jährliche Kantonsbeitrag geht aufgrund der um rund 1 Prozent abnehmenden Mitgliederzahl um 50‘000 Franken auf 4,04 Mio. Franken zurück. Als Sparmassnahme willigte die Synode ein, im Jahr 2021 auf die jährliche Zuweisung an den Baufonds in Höhe von 440‘000 Franken zu verzichten. Dadurch reduziert sich der Verlust im Budget 2021 auf rund 157‘000 Franken. Diesem Budget stimmte die Synode einstimmig zu.

Leitungsunterstützung verlängert

Einstimmig verlängerte die Synode die an der letzten Sitzung bewilligte Entlastung für den Bischofsvikar St. Urs in Form einer Co-Leitungsstelle «Fachstellen und Spezialseelsorge Baselland», verteilt auf auf zwei Personen mit je 20 Stellenprozenten. Diese provisorische Lösung seit dem 1. August war zuerst auf Ende 2020 befristet, wurde nun aber bis 30. Juni 2021 verlängert. An der Junisession soll der Bischofsvikar dann eine definitive Lösung für seine Leitungsorganisation inklusive Kostenfolgen vorlegen.

Keine Opposition gab es auch gegen die Neuordnung des Vertrags betreffend ökumenische modulare Ausbildung für Katechetinnen und Katecheten mit Fachausweis in der Region Nordwestschweiz (OekModula), die Verlängerung der Vereinbarung mit der Römisch-katholischen Synode des Kantons Solothurn über die Finanzierung der italienischsprachigen Missionen in den Bezirken Dorneck und Thierstein, und die Verlängerung der Trägervereinbarung mit der Caritas beider Basel.

Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini orientierte über einen erfolgreichen Antrag der Landeskirche Baselland für die Aufnahme der Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt in die Strategieplanung der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ).

Christian von Arx

 

Aktualisiert am 3.12.2020