Andreas Baumeister, Co-Präsident des Schweizer Heiligland Vereins, bei einem Besuch des Friedenscamps Tent of Nations südlich von Bethlehem, zusammen mit (von links) Amal (Mitarbeiterin Tent of Nations), Marie-Theres Beeler und Livia Leykauf (Pressesprecherin Caritas Baby Hospital in Bethlehem). (Foto: Michael Meier)
24.03.2018 – Hintergrund

Hilfe für Menschen im Ursprungsgebiet des Christentums

Co-Präsident Andreas Baumeister erklärt die Arbeit des Schweizerischen Heiligland-Vereins

Seit letztem Herbst steht der Baselbieter Theologe Andreas Baumeister an der Spitze des Schweizerischen Heiligland-Vereins. Mit dem Karwochenopfer und weiteren Spenden unterstützt der Verein in Zusammenarbeit mit christlichen Partnern Hilfsprojekte im Nahen Osten.

Herr Baumeister, was gehört zum Heiligen Land?
Andreas Baumeister: Für uns sind es die Ursprungsländer des Christentums. Das Heilige Land umfasst nicht nur Palästina und Israel, sondern auch Ägypten, Libanon, Syrien und den Irak.

Was motiviert Sie dazu, sich im Heiligland-Verein zu engagieren?
Vor 35 Jahren habe ich an der Dormition Abbey in Jerusalem studiert, das zeigte mir die Vielfalt der Kirchen und Religionen im Heiligen Land. Seither ist mir bewusst, wie sehr Christinnen und Christen im Nahen Osten unsere Hilfe benötigen. Ich engagiere mich aus einer tiefen Verbundenheit mit dieser Region.

Christinnen und Christen bilden eine kleine Minderheit im Heiligen Land. Welche Rolle spielen sie heute?
Das Christentum droht in Palästina zu verschwinden, weil vor allem die Jungen nach Europa und in die USA zur Ausbildung gehen und nicht mehr zurückkommen. Aber die Bildungseinrichtungen und diakonische Initiativen der Ostkirchen und von einheimischen Ordensgemeinschaften werden weiterhin präsent sein. Ihre Hilfe richtet sich an alle bedürftigen Menschen, unabhängig von der religiösen oder ethnischen Herkunft.

Auf welcher Seite engagiert sich Ihr Verein im Palästinakonflikt?
Unser Verein ist neutral und pflegt Kontakte zu Projektpartnerinnen und -partnern in Palästina und Israel. Weil sich die Lage der Menschen in Palästina, das unter israelischer Militärverwaltung steht, stetig verschlechtert, engagieren wir uns aber vor allem für Sozial-, Bildungs- und Arbeitsprojekte, die der palästinensischen Bevölkerung zugutekommen. Diese ist in der aktuellen politischen Situation die Hauptleidtragende dieses tragischen Konflikts.

Der Palästinakonflikt scheint unlösbar – welchen Sinn hat da die Arbeit des Vereins?
Seit über 100 Jahren ist der Heiligland-Verein in einer Region präsent, in der ständig Unfrieden, Gewalt und Intoleranz herrschen. Wir unterstützen Initiativen unserer orthodoxen Schwesterkirchen und von Ordensgemeinschaften, die sich trotz aller Gewalt und ohne Aussicht auf ein Ende des Nahostkonflikts ganz konkret für Kinder, Jugendliche oder alte Menschen einsetzen. Ja, es sind Tropfen auf den heissen Stein. Aber Diakonie, die Hilfe für den notleidenden Nächsten, gehört zu unserer christlichen Identität. Da kann man nicht fragen, ob man die Gesellschaft damit verändert.

An wen geht die Unterstützung des Heiligland-Vereins?
Unsere Partnerinnen und Partner sind zwar christliche Institutionen, aber die Hilfe, die sie leisten, kommt allen bedürftigen Menschen in der Region zugute. Christliche Privatschulen werden mehrheitlich von muslimischen Schülerinnen und Schülern besucht. Diese erleben dort eine positive Beziehung zum Christentum.

Wie vergewissern Sie sich, ob Ihre Projektpartner vertrauenswürdig sind?
Wir wählen kleine, überschaubare und zeitlich befristete Projekte aus. Unsere Auswahl beruht auf persönlichen Kontakten, schriftlicher Korrespondenz und auf Besuchen vor Ort. An unserer Generalversammlung am 17. September in Aesch BL wird uns Bischof Antiba aus Südsyrien besuchen.

Wann reisen Sie selber wieder ins Heilige Land?
Nächstes Jahr planen wir eine Projektreise nach Ägypten. Wir wollen unsere Projekte in El Minia, in Mittelägypten besuchen, aber auch Vertreter der koptischen Kirche und des Islam treffen sowie Schweizer Einrichtungen in Kairo und Alexandria zu einem Austausch besuchen. An dieser Reise können nicht nur unsere Mitglieder, sondern alle interessierten Personen teilnehmen. Der Heiligland-Verein bietet seit jeher auch Pilgerreisen ins Heilige Land an. Zum Beispiel die Reise von unserem langjährigen früheren Vizepräsidenten Pfarrer Josef Zwyssig (Buochs) nach Israel und Palästina, die allerdings schon ausgebucht ist.

Interview: Christian von Arx

Spendenkonto des Schweizerischen Heiligland-Vereins:
Postkonto 90-393-0, IBAN CH78 0900 0000 9000 0393 0

Co-Präsident

Andreas Baumeister (Liestal) ist 57, verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Er studierte Theologie in München und Jerusalem und leitete Bibelschulen in Nazareth und Istanbul. Nach langjähriger Arbeit in der Redaktion der Zeitschrift «Ferment» und im Verlagswesen wechselte er in die Seelsorge: Seit zwei Jahren ­arbeitet er als Pastoralassistent im Seelsorgeverband Angenstein und absolviert bis Ende Juni die Berufseinführung im Bistum Basel. Seit September 2017 ist er Co-Präsident des Schweizerischen Heiligland-Vereins, zusammen mit Ludwig Spirig-Huber (Bern). Ab Herbstsoll Andreas Baumeister den Verein allein leiten.

Karwochenopfer

Wie jedes Jahr rufen die Schweizer Bischöfe zum Karwochenopfer auf. Dieses wird in den Gottesdiensten von Karfreitag oder Ostern eingezogen. Der Ertrag – im Jahr 2017 waren es rund 800 000 Franken – geht je zur Hälfte an den Heiligland-Verein und an die Kustodie der Franziskaner. Nach Auskunft von Andreas Baumeister fliessen beim Heiligland-Verein 93 Prozent des Spendenertrags in Hilfsprojekte, 7 Prozent in die Verwaltung. Für das Jahr 2018 hat der Verein 19 Projekte in sechs Ländern ausgewählt. Weitere Informationen auf der Webseite www.heiligland.ch, die sich ab 23. April in neuer Gestaltung präsentieren wird.