Die basel-städtische Synode versammelte sich im Pfarreisaal St. Anton im Corona-Modus: Die Sitzordnung garantierte den vorgeschriebenen Mindestabstand. | © Regula Vogt-Kohler
24.06.2020 – Aktuell

Ein Meilenstein für das Begegnungszentrum Hirzbrunnen

Die Synode bewilligt 1,89 Millionen Franken für die Sanierung des Allmendhauses

Mit dem Ja zur Sanierung des Allmendhauses ist das Projekt für ein ökumenisch geprägtes Begegnungszentrum Hirzbrunnen um einen entscheidenden Schritt vorwärts gekommen. Eine Minderheit wollte den Entscheid bis zum Vorliegen einer Gesamtstrategie für sämtliche Liegenschaften im Verwaltungsvermögen vertagen.

Als 1961 auf dem Bruderholz die 13. katholische Kirche in Basel gebaut wurde, hatte die Zahl der Katholikinnen und Katholiken ihren Höchststand noch nicht erreicht. Die Wende kam Mitte der 1970-er-Jahre, und heute beträgt die Anzahl Mitglieder der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt noch rund 30 Prozent der Höchstzahl. Der deutlich kleiner gewordenen Gemeinschaft stehen aber noch immer elf Kirchen zur Verfügung. Dieses Missverhältnis hat die Synodenfraktion Heiliggeist dazu bewogen, einen Anzug betreffend Strategie und Konzept für die Liegenschaften im Verwaltungsvermögen einzureichen.

Was brauchen wir?

Heute müsse man sich überlegen, was die Bedürfnisse der Gläubigen seien und welche Gebäude man sich noch leisten könne, sagte Beatrice Inglin. Eine Spezialkommission soll diesen und weiteren Fragen nachgehen und bis 2021 eine Strategie und ein Konzept für die Liegenschaften im Verwaltungsvermögen erarbeiten. Unter anderem geht es auch um die Frage, was die RKK mit Gebäuden, die nicht mehr benötigt werden, machen soll.

Nach kurzer Debatte stimmte die Synode der Einsetzung einer Spezialkommission zu. Gewählt wird diese aber erst in der nächsten Sitzung, die für September anberaumt ist. Die Kommission setzt sich aus bis zu fünf durch die Synode gewählten Mitgliedern und maximal je zwei Delegierten des Kirchenrates und der Pastoralraumkonferenz zusammen. Die von der Synode gewählten Mitglieder müssen aus verschiedenen Pfarreien stammen.

Widerstand gegen Kirchenabriss

Die Geschichte des Allmendhauses im Hirzbrunnenquartier illustriert, welche Probleme bei der Optimierung des Liegenschaftsbereichs auftauchen können. Kirchenratspräsident Christian Griss erinnerte an die ursprüngliche Idee für das Areal an der Allmendstrasse: eine Gesamtüberbauung mit Abriss aller bestehenden Bauten, ähnlich dem Projekt Christophorus. Dagegen regte sich Widerstand. Es sei pietätlos, die Michaelskirche abzureissen, hiess es an einer Informationsveranstaltung im Juni 2013. Ihr Bau geht zurück auf ein Gelöbnis junger Männer aus St. Clara während des Zweiten Weltkrieges. Sie versprachen, im Hirzbrunnenquartier eine Kirche zu bauen, wenn Basel und die Schweiz vom Krieg verschont würden. Zudem hat die kantonale Denkmalpflege darauf hingewiesen, dass bei grösseren Eingriffen mit einer Unterschutzstellung der 70-jährigen Kirche zu rechnen sei. Damit sei ein Abriss «kein Thema für die nächsten 20 Jahre», sagte Griss.

Verein als Trägerschaft

Auch für das Projekt ökumenisches Zentrum im sanierungsbedürftigen Allmendhaus sah es zunächst schlecht aus. Allerdings hielt die RKK stets an der Präsenz im Quartier fest. Ein Durchbruch kam im Mai 2017: An einer Informationsveranstaltung präsentierte Andreas Courvoisier (Courvoisier Stadtentwicklung GmbH) die Idee für ein ökumenisches Quartierzentrum im sanierten Allmendhaus mit einem unabhängigen Verein als Trägerschaft. Im Ende 2019 gegründeten Verein ist auch die RKK BS vertreten, Sr. Rebekka Breitenmoser von der Pfarrei St. Clara amtiert als Co-Präsidentin.

Mit dem Kredit für die Sanierung des Allmendhauses war an der Synode vom 23. Juni ein weiterer Meilenstein traktandiert. Und mit dem kurz zuvor überwiesenen Anzug betreffend Strategie und Konzept für Liegenschaften im Verwaltungsvermögen und den damit verbundenen Überlegungen rollte ein neuer Stolperstein auf den Weg. Beatrice Inglin beantragte Nichteintreten. Zuerst soll ein Gesamtkonzept für alle Liegenschaften vorliegen. Thomas Holinger (Heiliggeist) formulierte es etwas plakativer: «Sollen wir zwei Millionen ausgeben fürs Quartier?» Später in der Debatte gab Inglin zu bedenken, dass die Pfarrei St. Clara nur einen kleinen Teil des grossen Komplexes nutze. «Warum muss die katholische Kirche für einen Verein Begegnungszentrum Hirzbrunnen das Haus für zwei Millionen Franken sanieren?»

Nach der Ablehnung des Antrags auf Nichteintreten ging die Diskussion weiter. «Warum hat man nicht geprüft, ob man das Pfarrhaus umbauen könnte für die Bedürfnisse der Pfarrei?» fragte Inglin nun. Eine Möglichkeit wäre es auch, das Allmendhaus zu verkaufen. Werner Pachinger (St. Clara) hielt dazu fest, dass die RKK im Verein mitreden könne und die Pfarrei bei Bedarf den Saal und weitere Räumlichkeiten benutzen dürfe.

Ja zu Sanierung, Infos zu Kirche

Mit 15 Ja-Stimmen gegen 6 Nein-Stimmen bei 5 Enthaltungen genehmigte die Synode schliesslich den Kredit von netto 1,89 Millionen Franken. Zur ebenfalls sanierungsbedürftigen Kirche St. Michael gab es Informationen, aber nichts zu beschliessen. Die Kosten für eine «Pinselsanierung» mit Behebung von Bauschäden werden auf mindestens 400 000 Franken geschätzt. Die Kirche, die hauptsächlich von der kroatischen Mission genutzt wird, soll künftig auch den Reformierten zur Verfügung stehen.

Regula Vogt-Kohler