Abstand von 1,5 Metern (seitlich) und 2 Metern (nach vorn) bei Proben und Auftritten: Das sagt das Schutzkonzept für katholische Kirchenchöre (Aufnahme: Koblenz/D, 28.5.2020). | © kna-bild.de
20.08.2020 – Aktuell

Gross ist die Freude, dass es wieder losgeht

Für die Kirchenchöre erfordert Corona Veränderungen beim Proben und bei den Programmen

Sie gehört zu einem Gottesdienst einfach dazu: die Kirchenmusik. Kirchenchöre freuen sich auf die Wiederaufnahme der Probenarbeit. Die hat aber Tücken.

«Sänger/innen, die sich nicht gesund fühlen und Krankheitssymptome aufweisen, sollen den Proben fernbleiben.» So lautet der Grundsatz im neuen, Anfang August veröffentlichten Schutzkonzept für Proben und Gottesdienste für katholische Kirchenchöre des Schweizerischen Katholischen Kirchenmusikverbandes SKMV (siehe separater Text).

Dass hier zuerst eine Einschränkung steht, ist den aktuellen Umständen geschuldet. Doch die Freude, dass nach den Sommerferien die Proben vielerorts wieder aufgenommen werden, steht im Vordergrund. «Das Wichtigste ist, dass die Chöre wieder proben können», sagt Thomas Halter, Kirchenmusiker im sankt-gallischen Jona und Präsident des Schweizerischen Katholischen Kirchenmusikverbandes (SKMV), gegenüber kath.ch. Denn für viele der Sängerinnen und Sänger in Kirchenchören spiele, wie in anderen Vereinen auch, der soziale Kontakt eine ebenso grosse Rolle wie die Pflege des gemeinsamen Hobbys, des Gesangs.

Grosse Proberäume sind gesucht

Mit den Sicherheitsmassnahmen wegen der Coronakrise sei das aber gar nicht so leicht zu verwirklichen. Bereits im Mai hatte der Verband nach der Lockerung der Massnahmen ein Schutzkonzept erstellt, das auf der damals geltenden Abstandsregel von zwei Metern beruhte. «In vielen Chören wurden die Proben dennoch gleich ganz ausgesetzt», weiss Halter. Nun werde die Arbeit wieder langsam aufgenommen – aber unter ganz anderen Voraussetzungen als vor der Krise.

Denn auch der heute geforderte Abstand von 1,5 Metern wirke sich wesentlich auf die Chorarbeit aus. Manche Vereine weichen für ihre Proben in grössere Säle oder gleich in die Kirche aus. Selbst diese aber, so Halter, bieten grossen Chören nicht immer die Möglichkeit, in voller Besetzung zu üben.

Neue musikalische Formen gefragt

Die weiteren Abstände stellen viele Amateursängerinnen und -sänger musikalisch vor eine neue Herausforderung: «Es kann für Sänger sehr hilfreich sein, nahe beieinander zu stehen. So können sie sich musikalisch an ihre Nachbarn anlehnen», erklärt der Musiker, der selbst zwei Chöre dirigiert. Solche Stützen fallen nun weg.

Umgekehrt würden sich so Möglichkeiten für andere Formen des Chorgesangs öffnen: Bei den Proben die vermehrte Arbeit mit kleineren Formationen oder einzelnen Stimmen beispielsweise. Oder bei Auftritten die Unterteilung des Chors in Gruppen und Positionierung an unterschiedlichen Orten in der Kirche. «Diese Situation ist nicht einfach schlecht. Wir müssen uns dadurch bemühen, neue Formen zu finden», sagt Thomas Halter.

Der Verbandspräsident ist zuversichtlich, dass die Wiederaufnahme des Probenbetriebs nach den Ferien sehr begrüsst wird. «Kirchenchöre haben neben ihren musikalischen Aufgaben in der Pfarrei auch für die Gemeinschaft eine grosse Bedeutung.» Gerade die älteren Mitglieder freuten sich, nach der langen probefreien Zeit Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen.

Experimente wagen

Auf die Frage, ob die erlebten Einschränkungen und die noch anhaltende Unsicherheit die Kirchenmusik auf Dauer verändern werde, überlegt Thomas Halter einen Moment. «Es wird Veränderungen geben, ganz sicher. Dazu gehören bestimmt an einigen Orten auch Experimente, die den Choralltag bereichern.» Als Beispiel nennt er Werke für Doppelchöre, die ausprobiert werden könnten. Dafür wird ein Chor in zwei Gruppen aufgeteilt, die für eine Aufführung an unterschiedlichen Orten positioniert werden können. Auch die Probearbeit lässt sich so für eine Zeit aufteilen.

Wird es, so die Frage zum Schluss, an Weihnachten «Stille Nacht» mit Chor oder rein konzertante Aufführungen von Messen geben? Thomas Halter nimmt sich auch für diese Antwort Zeit. Für die Arbeit mit seinen Chören habe er das ursprünglich vorgesehene Programm beiseitegelegt und werde selbst auch neue Formen versuchen. «Für mich aber gilt das Prinzip Hoffnung», so der Musiker.

Martin Spilker, kath.ch