Sitzen mit Abstand: Erster Sonntagsgottesdienst nach der Corona-Pause in der Allschwiler Kirche St. Peter und Paul. | © Regula Vogt-Kohler
10.06.2020 – Aktuell

Gemeinschaft mit Lücken

Ein Stimmungsbild der ersten Gottesdienste nach der Corona-Pause

Desinfektionsmittel und Markierungen, um das Abstandhalten zu erleichtern: Das sind die sichtbaren Rahmenbedingungen für Gottesdienste unter dem Schatten von Corona. Auch wenn die mit den Schutzkonzepten verbundenen Einschränkungen teilweise schmerzen, so überwiegt doch das Positive.

«Die Freude der Menschen, wieder gemeinsam den Glauben öffentlich feiern zu dürfen, sei regelrecht spürbar, hatte der Basler Pastoralraumpfarrer Stefan Kemmler schon im Vorfeld gesagt. Die Stimmung sei gut gewesen, lautet der Tenor aus den Pfarreien. «Die Menschen sagten uns, unter den Umständen sei es ein festlicher Gottesdienst gewesen», hält Gabriele Tietze Roos, Pfarreiseelsorgerin in der Pfarrei St. Nikolaus Reinach, fest. Und Sabine Brantschen vom Seelsorgeteam der Pfarrei Bruder Klaus Oberdorf berichtet: «Es war ein schöner, fröhlicher Gottesdienst. Man spürte, dass die Menschen sich auf das gemeinsame Feiern gefreut haben.» Ähnliches ist aus Oberwil von Gemeindeleiter und Diakon Bernhard Engeler zu hören: «Rückmeldungen der Gottesdienstbesucher haben gezeigt, dass auch unter diesen Umständen feierliche Gottesdienste möglich sind.»

Es habe viele positive Rückmeldungen gegeben, hält die Muttenzer Pfarreisekretärin Franziska Baumann fest. «Der Kirchenraum wurde als sehr wohltuend empfunden.» Auch Bruno Stöckli, Pfarrer im Pastoralraum Thierstein, hat überdurchschnittlich viele Rückmeldungen erhalten.

Die Erfahrungen der ersten Gottesdienste seien «sehr schön» gewesen, berichtet Albert Dani vom Seelsorgeverband Am Blauen. «Es war einfach Freude von allen Seiten zu spüren.» Und aus Ettingen heisst es, die Stimmung sei sehr freudig gewesen, da endlich wieder Gottesdienst habe stattfinden können. «Viele haben sich sehr gefreut, wieder in den Gottesdienst gehen zu können», schreibt Linda Gaeta, Pfarreikoordinatorin in Rheinfelden. «Die Freude, so manches altvertraute Gesicht endlich wiederzusehen und wieder gemeinsam singen und beten zu dürfen, war spürbar», hält Peter Messingschlager, Seelsorger in Liestal, fest.

Mit Abstand

Begeisterung sei nicht aufgekommen, vermutlich wegen der ganzen Umstände, teilt Carsten Gross, Seelsorger in Binningen, mit. Dazu meint Felix Terrier, Pfarrer im Seelsorgeverband Angenstein und Leiter des Pastoralraums Birstal: «Die grossen Abstände zwischen den Plätzen sind noch gewöhnungsbedürftig und fördern das Gemeinschaftsgefühl nicht.»

Die Stimmung habe sich während des Gottesdienstes verändert, berichtet Elke Kreiselmeyer, Gemeindeleiterin in der Pfarrei Therwil/Biel-Benken. Zuerst sei ihr selbst etwas traurig zumute gewesen, weil alle so weit auseinander sitzen müssen und wegen des Fehlens der Ministrantinnen und Ministranten sowie des gemeinsamen Gesangs. Bei der geistigen Kommunion sei eine bewegende Stille im Raum gewesen, «und wir waren dann wirklich eine Gemeinschaft». Nach dem Gottesdienst sei dann die Stimmung ganz wunderbar gewesen.

Unterstützung für Künstler/innen

Auf Gemeindegesang verzichtet vorläufig nicht nur Therwil. «Wir lassen nur die Orgel spielen, was auch sehr feierlich ist und gut aufgenommen wurde», hält Marianne Fuchs, Pfarreisekretärin im Pfarramt Breitenbach-Fehren-Schindelboden, fest. Auch in Laufen singt nur die Orgel. In Muttenz gibt es ebenfalls keinen Gemeindegesang. Der Kirchenmusiker spielt die Lieder und singt gemeinsam mit dem Pfarrer.

Auch in Birsfelden ist der Gemeindegesang vorerst gestrichen. Die Pfarreiangehörigen seien irritiert gewesen, dass keine Lieder gesungen worden seien, berichtet Pfarreisekretärin Katarina Leibundgut. «Das hat ihnen gefehlt.»

Um die musikalische Lücke zu füllen, engagiert Therwil für jeden Gottesdienst nebst dem Organisten einen Solisten oder eine Solistin, für Gesang oder instrumental. «Das war wunderschön und wurde auch sehr geschätzt», teilt Gemeindeleiterin Elke Kreiselmeyer mit. «Wir unterstützen auf diese Weise auch die vielen Künstlerinnen und Künstler, die derzeit oft überhaupt kein Einkommen mehr haben.» Kreiselmeyer wünscht sich, dass andere Pfarreien diesem Beispiel folgen. «Wir sind in unserer Region durch die grossartigen Künstlerinnen und Künstler, die oft von der Schola Cantorum Basiliensis kommen, so beschenkt, wir sollten jetzt etwas zurückgeben.»

Knacknuss Kommuniongang

Neben dem Gesang, beinhaltet auch der Kommuniongang ein gewisses Risiko. So ist es hier nicht überall möglich, den gebotenen Abstand einzuhalten. Therwil verzichtet deshalb darauf. Die grösste Herausforderung sei es gewesen, den Kommuniongang so zu organisieren, dass sich die Leute nicht in die Quere kommen, hält Marianne Fuchs, Pfarreisekretärin in Breitenbach, fest. «Wir fanden die Lösung dann, indem wir die Kommunion ganz am Schluss bankweise austeilten, und die Besucher nach dem Kommuniongang die Kirche verlassen konnten.» So sei das Übereinandersteigen in den Bänken entfallen. Dies konnte auch in St. Clara in Basel umgangen werden: Weil hier die leer zu lassenden Bänke nur markiert, aber nicht abgesperrt waren, konnte die Kommunion an die Plätze gebracht werden.

Ein Augenschein von «Kirche heute» in der Basler Clarakirche und in Allschwil zeigte, dass auch die wegen des Alters als Risikopersonen eingestuften Frauen und Männer die Gottesdienste besuchen. Manche kommen aber (noch) nicht, ist aus den Pfarreien zu hören. Einige nutzen auch ganz bewusst die weniger gut besuchten Gottesdienste, wie es beispielsweise aus Reinach heisst.

Meist ohne Anmeldung

Eine interessante Mitteilung kommt aus Rheinfelden: Gläubige hätten ihr gesagt, dass sie für sich die Gottesdienste im Fernsehen entdeckt hätten und sich damit begnügten. Sie hätten sich an der in Rheinfelden geltenden Anmeldepflicht und an der Abstandsregel gestört.

Die allermeisten Pfarreien sahen von einem Anmeldeverfahren ab. «Wir haben darauf vertraut, dass sich das von selbst regeln würde, und auf Anmeldungen verzichtet», begründet Elke Kreiselmeyer den Entscheid in Reinach. Gerade ältere Menschen würden oft spontan je nach Tagesform entscheiden, ob es für sie nun möglich ist, den Gottesdienst zu besuchen. Wer dann trotz Anmeldung nicht kommt, weil er/sie sich nicht fit genug fühlt, nimmt einem anderen den Platz weg.

Der Platz hat trotz der deutlich eingeschränkten Kapazitäten überall gereicht. Auch Personal, das beim Desinfizieren, dem Verteilen der Liedblätter und dem Anweisen der Plätze half, stand ausreichend zur Verfügung. In vielen Antworten gab es Lob für die Disziplin der Gottesdienstbesucher und -besucherinnen. «Die Nutzung des Desinfektionsmittels ist bereits so stark verbreitet, dass das ohne weiteren Hinweis funktioniert», schreibt Elisabeth Borer vom Pfarreisekretariat Büsserach. Probleme mit der Durchsetzung der Regeln des jeweiligen Schutzkonzeptes habe es keine gegeben, heisst es aus den Pfarreien.

Regula Vogt-Kohler

 

Singen in Coronazeiten: Wo es Gemeindegesang gibt, sind oft Liedblätter statt Gesangbücher in Gebrauch. | © Regula Vogt-Kohler
Singen in Coronazeiten: Wo es Gemeindegesang gibt, sind oft Liedblätter statt Gesangbücher in Gebrauch. | © Regula Vogt-Kohler
Bereit für die Gottesdienstbesucher: Desinfektionsmittel und Liedblätter. | © Regula Vogt-Kohler
Bereit für die Gottesdienstbesucher: Desinfektionsmittel und Liedblätter. | © Regula Vogt-Kohler
Bilder markieren die Plätze in der Basler Kirche St. Clara. | © Regula Vogt-Kohler
Bilder markieren die Plätze in der Basler Kirche St. Clara. | © Regula Vogt-Kohler