Zentral bei einer Patenschaft ist der regel­mässige persönliche Kontakt. | © Verein Puma
07.03.2019 – Aktuell

Götti oder Gotte gesucht

Patenschaften für unbegleitete minderjährige Asylsuchende

Wenn minderjährige Asylsuchende erfolgreich den Start in ein selbstständiges Leben in der Schweiz schaffen, ist den jungen Menschen wie auch der Gesellschaft geholfen. In der Nordwestschweiz vermittelt der Verein Puma Patenschaften als niederschwellige Hilfestellung.

 

«80 bis 90 Prozent unserer Patenschaften funktionieren problemlos», berichtet Niklaus Freuler (Basel), der nach einer 2-jährigen Pilotphase Anfang 2018 den Verein Patenschaft für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (Puma) gründete. 2016 und 2017 kamen je etwa 2000 junge Asylsuchende ohne erwachsene Angehörige in die Schweiz, vor allem aus Afghanistan, Syrien und Eritrea. «Es war von Anfang an klar, dass man sie nicht zurückschicken kann», erklärt Freuler. Die jungen Leute kommen in Wohnheime oder in Pflegefamilien unter. Sie müssen die Sprache lernen, die Schule besuchen und sollten dann einen Platz in einer Berufsausbildung oder einer weiterführenden Schule finden.

«Die Erfahrung zeigt, dass die Betreuung für eine Integration nicht genügt», stellt Niklaus Freuler fest. Mangelnde Sprachkenntnisse und Vertrautheit mit den Verhältnissen schaffen Hindernisse. «Die jungen Asylsuchenden finden oft keine Lehrstelle oder scheitern darin. Wenn sie die Selbstständigkeit nicht schaffen, bleibt nur die Sozialhilfe. Das betrifft dann die Steuerzahler.»

Beim Verein Puma engagieren sich Freiwillige als Paten, um einem jungen Asylsuchenden mit ihrer Lebenserfahrung, ihrem Wissen und ihrem Netzwerk eine Brücke in unsere Gesellschaft zu bauen. «Es ist der direkteste Weg, Lebenshilfe zu geben an eine Gruppe von Menschen, die in einer Extremsituation sind», erklärt Ruedi Ott. Er ist seit anderthalb Jahren Pate eines jungen Mannes aus Afghanistan, der mit den Eltern nach Iran floh und von dort aus allein in die Schweiz kam. «Es ist die direkteste Art der Unterstützung», sagt Ott. «Man sieht ein Gegenüber. Und man muss bereit sein, sich auf das Gegenüber einzulassen.»

Erwartet werden regelmässige Treffen ein- oder zweimal pro Woche. Die Patenschaft beruht auf gegenseitiger Freiwilligkeit, ist frei von behördlichen oder institutionellen Vorgaben und kann daher auf die Bedürfnisse des UMA eingehen. Zu Beginn mögen daher meist aktuelle Fragen (Spracherwerb, Probleme mit Behörden, Freizeitgestaltung etc.) im Zentrum der Gespräche stehen. Mit wachsendem Vertrauen können aber auch grundsätzlichere Probleme wie persönliche Schwierigkeiten oder Fluchterfahrungen zur Sprache kommen. Ziel ist aber immer: Hilfe zu geben, um in der fremden Kultur und Gesellschaft selbstständig leben zu können. Das Erreichen dieses Ziels wäre ein idealer Zeitpunkt, die Patenschaft zu beenden.

Nach Auskunft von Niklaus Freuler hat der Verein Puma derzeit einen Pool von 26 Patinnen und Paten. «Je etwa zur Hälfte Frauen und Männer, die jüngste Patin ist 26, der älteste Pate 70 Jahre alt», berichtet der Vereinspräsident. Der Verein sucht weitere Paten. Eine beruflich vielseitige Zusammensetzung sei wichtig, mache die regelmässigen Treffen für den Erfahrungsaustausch unter den Patinnen und Paten spannend.

Christian von Arx

 

Wer sich für eine Patenschaft interessiert, kann mit Niklaus Freuler vom Verein Puma Kontakt aufnehmen: Telefon 061 721 68 53, E-Mail ­nfreuler@bluewin.ch. Weitere Informationen finden sich auf www.vereinpuma.ch.