Sie leben seit Mitte Januar im Kloster Beinwil (von links): Schwester Ionia und Schwester Agapia, Abt Archimandrit Damaskinos, Äbtissin Archontia. | © Vera Rüttimann
16.05.2019 – Aktuell

Geschlossene Gewänder, offener Geist

Im ehemaligen Benediktinerkloster Beinwil leben jetzt orthodoxe Nonnen und ein Mönch

Seit dem 16. Januar beherbergt das Kloster Beinwil im Solothurner Bezirk Thierstein je eine orthodoxe Frauen- und Männergemeinschaft. Erste Bewohner/innen sind drei Nonnen und ein Mönch. Ihre schwarze Tracht wirkt fremd, der Kontakt mit ihnen fällt leicht.

 

Im März 2018 hatte die Ökumenische Gemeinschaft Beinwil ihren Auszug auf Ende Jahr bekannt gegeben. Bereits im November verkündete die Stiftung Kloster Beinwil die Einigung mit einer orthodoxen Gemeinschaft. Am 16. Januar 2019 war es soweit: Der Nutzungsvertrag wurde im Refektorium des Konventbaus unterschrieben. «Stiftungspräsident Franz Christ hat uns Brot und Salz gegeben, das war sehr schön», berichtet Äbtissin Archontia, die Vorsteherin des Frauenklosters. «Wir haben die 242 Schlüssel für die vier Gebäude bekommen und sind gleich hier geblieben.»

«Wir», das sind drei Nonnen und ein Mönch: Mit Äbtissin Archontia bilden die Schwestern Ionia und Agapia das Frauenkloster, Archimandrit (Mönchspriester) Damaskinos ist Abt und vorderhand einziger Bewohner des Männerklosters. Als ideale Grösse stellen sie sich für die Zukunft zehn Nonnen und zehn Mönche vor. Kirchenrechtlich sind es zwei Klöster. Männer und Frauen können aber gemeinsam Liturgie feiern und essen.

Abt Damaskinos und Äbtissin Archontia stammen beide aus protestantischen Familien im Kanton Neuenburg, mit ihnen kann man Schweizerdeutsch reden. Schwester Ionia stammt aus den Vereinigten Staaten, Schwester Agapia aus Deutschland. Ionia ist orthodox aufgewachsen, die andern drei fanden vor allem durch Aufenthalte in Klöstern in Griechenland zum orthodoxen Glauben. Die Klöster in Beinwil sind Teil einer Gemeinschaft, deren geistlicher Vater (Geronta) der Archimandrit Dionysios ist. 21 Klöster in Griechenland, den USA, Norwegen, Italien, Deutschland und jetzt auch in der Schweiz gehören dazu.

Die zwei neuen Klöster haben sich dem Griechisch-Orthodoxen Patriarchat von Antiochien (mit Sitz in Damaskus) unterstellt. Der zuständige Metropolit Isaak aus Köln war Anfang April in Beinwil zu Gast, berichtet Äbtissin Archontia.

Rechtlicher Vertragspartner der Stiftung Kloster Beinwil ist der Verein «Heiliges Orthodoxes Kloster Johannes Kapodistrias Beinwil, Schweiz», den Erzpriester Kapodistrias aus Fribourg, der leibliche Bruder von Abt Damaskinos, präsidiert. Der verheiratete orthodoxe Priester und Familienvater besucht Beinwil häufig und wirkt dann als Kaplan des Frauenklosters.

Im Nutzungsvertrag übernimmt der Verein den ganzen Unterhalt der Klosteranlage, die Stiftung stellt die Gebäude unentgeltlich zur Verfügung. Der Vertrag dauert zehn Jahre und verlängert sich ohne Kündigung zweimal um fünf Jahre. «Wir fassen also einen Zeithorizont von 20 Jahren ins Auge, bis 2038», erklärt Stiftungspräsident Franz Christ. «Im Lauf der Gespräche und aufgrund vieler kleiner Zeichen haben wir Vertrauen gefasst.»

Christian von Arx

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