In Freundschaft und Liebe einander Halt geben: Perpetua und Felizitas (Ikone von Br. Robert Lentz OFM) | © Courtesy of Trinity Stores, www.trinitystores.com, 800.699.4482
01.03.2021 – Impuls

Korintherbrief 13,4.7–8.13

Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am grössten unter ihnen ist die Liebe.

Einheitsübersetzung 2016

 

Es geht um die Liebe

Menschen, die Freundschaft leben. Die Liebe leben. Die füreinander da sind, einander begleiten und umsorgen. Die ihre Liebe nicht verstecken, sie leben, manchmal auch anders als konventionell. Auch ihre Liebe wird in der Bibel überliefert, beschrieben, besungen.

Rut und Noomi. «Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren! Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. (…) Nur der Tod wird mich von dir scheiden.» (Rut 1,16f.) Worte der Rut an ihre Schwiegermutter Noomi. Der sie in die Fremde folgt. Noomi arrangiert für Rut die Ehe mit Boas. Und bleibt auch nach der Heirat zutiefst mit ihr verbunden, so dass die Nachbarinnen nach der Geburt des kleinen Obed sagen: «Deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren. (…) Der Noomi ist ein Sohn geboren.» (Rut 4,15ff.)

David und Jonatan. «Und Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben» (1 Sam 18,1) –zwischen den beiden jungen Männern entspinnt sich eine intensive Freundschaft, eine Liebe, die David, nachdem er von Jonatans Tod erfährt, ausrufen lässt: «Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen.» (2 Sam 1,26)

Das Hohelied der Liebe. Das wunderbarste Buch über die Liebe im Ersten Testament. Sie suchen sich, sie sehnen sich, finden und verlieren sich wieder. Und fassen ihre Liebe in Worte, die Geliebte und der Geliebte: «Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm, denn stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt! Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht hinweg.» (Hld 8,6f.)

Und Freundschaft und Liebe sind stark wie der Tod, ja, stärker als der Tod. Der Jünger, den Jesus liebte (Joh 13,23), er lehnt sich nicht nur beim letzten Abendmahl an die Brust Jesu, sondern er steht auch mit den Frauen, mit der Mutter Jesu, mit Maria, der Frau des Klopas, und mit Maria Magdala unter dem Kreuz. Ihm vertraut Jesus seine Mutter an. Liebe, die den Tod überdauert.

Bis in den Tod dauert die Freundschaft der beiden Heiligen Perpetua und Felizitas. Junge Frauen, die unter brutalen Bedingungen ihre Liebe zu Christus bezeugen – mit ihrem Blut. Die miteinander im Kerker aushalten, die Trennung von ihren Kindern, das Wissen, dass der Tod unter grossen Schmerzen bevorsteht. Sie gehen miteinander durch diese Qual hindurch. Es wird beschrieben, wie sie Hand in Hand, schon verletzt durch wilde Tiere, aufrecht stehen, sich den Friedenskuss geben und dann durch das Schwert getötet werden. Perpetuas letzte Worte: «Steht fest im Glauben, liebet einander und nehmt an unseren Leiden keinen Anstoss!»

Liebe, die erträgt. Liebe, die umsorgt. Liebe, die frei lässt. Liebe, die über den Tod hinaus andauert. Liebe in ihrer ganzen Vielfalt. So unterschiedlich in ihren Ausdrucksformen, wie es Menschen gibt. Egal, in welcher Form Liebe gelebt wird – sie ist wertvoll und zu schützen. An ihr soll kein Anstoss genommen werden.

Dorothee Becker, Theologin und Seelsorgerin, Gemeindeleiterin der Pfarrei St. Franziskus, Riehen-Bettingen