Die Laterne der Alten Garde der Alte Stainlemer sorgte an der Basler Fasnacht für Gesprächsstoff. | © Regula Vogt-Kohler
13.03.2019 – Aktuell

Eine Laterne mit Zündstoff

Fasnacht zwischen Narrenfreiheit und Fremdenfeindlichkeit

Die Reaktionen des Publikums, das am Dienstag die Laterne der Alten Garde der Alte Stainlemer auf dem Münsterplatz betrachtet, pendeln zwischen fassungs- und ratlos. Die Alten der Alte Stainlemer haben die multikulturelle Bevölkerungsstruktur des Kleinbasel unter dem Sujet «Vereinigte Kleinbasler» zum Sujet gemacht. Nicht mehr wie gewohnt sei es, lautet die Klage eines Laternenverses. «Friener bisch doo umegloffe / Hesch Maier’s oder Hueber’s droffe / Hütte haisse d Lyt vo doo / Güslüm, Simic, Ling und Soo» liest man. Und weiter: «Dr Hansli schysst do fascht in d Hoose / Wenn är das Volgg gseht uf de Stroosse». Bildlich hat der Laternenmaler den kleinen Buben mit Schweizer Namen gegenüber einer bedrohlich wirkenden Phalanx von Männern eindeutig nicht schweizerischer Herkunft dargestellt. Auf der Laterne zu sehen ist ausserdem ein Ueli, der sich in eine Burka gehüllt hat.

Darf Fasnacht so etwas? Und was genau will die Alti Garde der Alten Stainlemer überhaupt mitteilen? Wer sich durch alle Laternenverse liest, sucht vergeblich nach der ironisch- oder auch satirisch-kritischen Auflösung des Rätsels. Das Beispiel zeigt, wie heikel der (fasnächtliche) Umgang mit dem Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist. Die immer höher werdenden Hürden der Political Correctness waren eines der Hauptsujets der Basler Fasnacht 2019. Der Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche durchschüttelt, gab Anlass zu Schnitzelbankversen.

Regula Vogt-Kohler